Roboter

„Der Roboter holt Lebensmittel aus dem Kühlschrank“

Roboter finden im industriellen Umfeld zunehmend Verwendung. Doch inzwischen erschließen Roboter ganz neue Einsatzfelder wie etwa in der Pflege oder der Medizin. Im Gespräch mit SCOPE-Redakteur Johannes Gillar erklärt Yaskawa-Marketingdirektor Armin Schlenk welche Herausforderungen das mit sich bringt und welche Lösungen der Spezialist bereits im Portfolio hat.

Armin Schlenk: „Yaskawa hat zu seinem 100jähriges Bestehen dieses Jahr ein Umsatzziel von 500 Millionen Euro in Europa.Wir planen in allen Bereichen zu wachsen, gerade auch in der Robotik, wo wir die Anzahl der verkauften Roboter steigern und aktuell viel in die Fabriken investieren.“ (Foto: Yaskawa)

SCOPE:
Welche Trends bzw. Entwicklungen sieht Yaskawa im Bereich Robotics?

Schlenk:
Im Bereich Robotics bestimmt die demografische Veränderung einen wichtigen Trend. Es geht hierbei um das Thema Service Robotics. Das heißt, neben klassischen Industrieanwendungen übernehmen Roboter zunehmend Arbeiten nahe am Menschen bzw. in direkter Umgebung zum Menschen. Wir brauchen in diesem Bereich Lösungen, denn es gibt immer mehr Menschen, die Pflege benötigen, neue Medizin muss erforscht und entwickelt werden und wir haben in manchen Branchen einen Fachkräftemangel. Yaskawa macht sich diesbezüglich schon lange Gedanken und hat verschiedene Lösungen entwickelt. So lässt sich im Bereich der Biomedizin unser Dualarm-Roboter in vorhandene Laborzellen integrieren, wobei das vorhandene Equipment beibehalten werden kann. Auch im Bereich der Service Robotics arbeiten wir mit Smart Pal an einer entsprechenden Lösung. Dieser Service-Roboter ist dafür konzipiert, im Lebensumfeld des Menschen zu agieren und zu interagieren. So kann der zweiarmige Roboter beispielsweise im Wohnumfeld Lebensmittel aus dem Kühlschrank holen.

Anzeige

Darüber hinaus ist aber auch unsere neue Steuerungsgeneration DX200 zu erwähnen, mit der wir im Zusammenspiel mit den Robotern ca. 40 % Energie einsparen und entsprechend weniger CO2 erzeugen. Mit der Akquisition der finnischen Firma The Switch konnten wir unser Portfolio im Bereich der Windenergie mit leistungsstarken Generatoren erweitern.

Die neue Steuerungsplattform DX200 mit den entsprechenden neuen Robotermodellen ist eines der Highlights bei Yaskawa. Vorteil ist dabei ein 40%-ige Energieeinsparung. Platzbedarf ist ebenfalls ein großes Thema gerade bei der Integration in den Maschinenbau. (Foto: Yaskawa)

Ein weiteres Thema ist die Verpackungsindustrie. Da müssen wir als Lieferant für den Maschinenbau die ganze Flexibilität in der Verpackung gewährleisten. Als Anbieter von Total System Solutions, also von durchgängigen Automatisierungslösungen vom Roboter bis zum Bedienfeld, sind wir dafür mit unseren Divisionen Drives + Motion, Robotics und Vipa hervorragend aufgestellt. Entsprechend ist die Verpackungstechnik für uns ein ganz großes Marktsegment, das wir entsprechend durch neue Produktentwicklung, aber auch mit Maßnahmen in der Vertriebsorganisation puschen.

SCOPE:
Wie adressieren Sie diese Trends mit Ihren Lösungen – zum Beispiel in der Steuerungstechnik und im Bereich Robotics?

Die komplexe Verpackungszelle von Yaskawa besteht aus einem Deltaroboter Motoman MPP3S, einem Motion Controller MP3200iec für die Steuerung, einem Panel PC von Vipa für die Bedienung sowie hardwareseitig aus acht Servosystemen Sigma 5, einer Linearachse aus der SGT-Reihe und einem Frequenzumrichter A1000. (Foto: Yaskawa)

Schlenk:
Bei Robotics ist die neue Steuerungsplattform DX200 mit den entsprechenden neuen Robotermodellen eines der Highlights und auch eines der Hauptprodukte, die wir hier in Europa forcieren. Der Vorteil ist dabei ganz klar – ich habe das vorher schon genannt – 40% Energieeinsparung. Platzbedarf ist ebenfalls ein großes Thema gerade bei der Integration in den Maschinenbau. Dazu gibt es ca. 30 neue Robotermodelle, die dann zusammen mit der DX200-Steuerung ein Robotersystem bilden. Wir nennen das Manipulator. Der Manipulator ist im Prinzip die Mechanik, mit den Getrieben, mit den Motoren; die Steuerung hat die entsprechende Intelligenz, die Software, um einen Roboter entsprechend zu betreiben. Und die DX200 ist die Steuerung, also die Elektronik. Dazu kommen dann die verschiedenen Robotertypen für Schweißen, für Handling, für Palettieren, für Lackieren usw. Die Kombination aus Steuerung und Robotersystem ist entscheidend.

SCOPE:
Sie hatten die Verpackungstechnik als Trend ausgemacht. Was haben Sie hier im Portfolio?

Schlenk:
Für die Verpackungsindustrie bieten wir von der Steuerung über die Antriebe bis zum Roboter das komplette Automatisierungsportfolio an. Dazu hatten wir speziell zur SPS IPC Drives Messe eine komplexe Verpackungszelle entwickelt und ausgestellt. Sie bestand aus einem Deltaroboter Motoman MPP3S, einem Motion Controller MP3200iec für die Steuerung, einem Panel PC von Vipa für die Bedienung sowie hardwareseitig aus acht Servosystemen Sigma 5, einer Linearachse aus der SGT-Reihe und einem Frequenzumrichter A1000. Programmiert wurde die Verpackungslinie mit Pack ML Funktionsbausteinen.

SCOPE:
Industrieroboter spielen in vielen Branchen eine immer stärkere Rolle. Gleichzeitig werden Robotik-Lösungen immer anspruchsvoller und ihre Integration in komplette Anlagensysteme immer komplexer. Welche Lösungen, bzw. Produkte bietet Yaskawa im Bereich der Robotik?

Schlenk:
Ich möchte die Antwort auf die Frage in drei Kategorien einteilen. Da sind zum einen Roboter für traditionelle Schweißapplikationen oder Schweißzellen, die mehr oder weniger autark arbeiten. Sie beinhalten einen oder mehrere Roboter, die dazugehörige Steuerung sowie das entsprechende Equipment. Hier spielt die Integration eine untergeordnete Rolle. Dann gibt es zweitens die zunehmende Verbreitung von Robotern z.B. im traditionellen Maschinenbau. Wir sehen das unter dem Thema PPP (Picking, Packing, Palletizing), aber auch beim Handling in der Logistik. Hier spielt die Integration in eine vorhandene Architektur eine große Rolle. Man muss die Integration dabei einmal mechanisch betrachten, das heißt, man muss den Roboter in eine Linie integrieren. Er muss also baulich reinpassen. Und drittens geht es um die Integration in eine vorhandene Steuerungsarchitektur. Das heißt, es gibt meistens speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), die die Linie steuern sowie die entsprechenden Frequenzumrichter und Servoantriebe, die die Bänder und die anderen Achsen steuern. Und da wird nun ein Roboter integriert. Viele Unternehmen kennen natürlich die SPS-Programmierung, wollen aber nicht noch eine neue Programmiersprache und eine neue Kinematik lernen müssen. Deswegen bieten wir mit Motoman-Sync über Profinet eine Schnittstelle an, die man z.B. an eine Siemens-SPS oder auch unsere eigene Vipa-SPS anbinden kann. Das funktioniert so, dass die Robotersteuerung zwar noch hardwaremäßig besteht, um die optimale Bewegungssteuerung auszuführen, aber der Programmierer programmiert weiterhin in seiner gewohnten SPS-Umgebung nur die entsprechenden Auftragsbefehle oder Jobs für den Roboter. Alles andere läuft im Hintergrund. Das heißt, er braucht weder eine neue Programmiersprache lernen noch sich mit einer Steuerung auseinanderzusetzen.

Die dritte Kategorie sind Roboter beispielsweise in der Laborautomation. Da man in diesem Bereich mit Medizinern zusammenarbeitet, die sich mit Automatisierung nicht unbedingt auskennen, muss sich der Roboter einfach in die Umgebung des Labors integrieren lassen. Das heißt, wir integrieren einen Zweiarmroboter bzw. Dual-Arm-Roboter direkt am Arbeitsplatz des Bedieners, der durch Greifer, die wir anpassen, die gleichen Tätigkeiten ausführen kann, wie bisher der Bediener. Dafür gibt es natürlich auch eine Softwareebene, über die man in Modulen die Bewegungen auslöst. Da werden Jobs wie „Tür öffnen“ oder „Pipette in Zentrifuge“ vorprogrammiert. Wir verfolgen klar den Ansatz, wer ist der Zielkunde? Der Zielkunde ist in diesem Fall ein Labor, also müssen wir hier eine Lösung präsentieren, um dem Zielkunden die Integration so einfach wie möglich zu machen. Wenn ich einen Schweißroboter irgendwo bei einem Blechbearbeiter hinstelle, ist das nicht nötig, denn der kennt sich mit CNC-Programmen und Roboter-Programmen aus. Deswegen sind das ganz unterschiedliche Ansätze und Lösungen, die wir hier anbieten.

SCOPE:
Wo geht die Reise hin? Was erwarten Sie von den nächsten Jahren in Europa und Deutschland in Bezug auf Umsatz, Ergebnis und Marktanteilen?

Schlenk:
Yaskawa feiert im Jahr 2015 sein 100jähriges Bestehen. Zu unserem Geburtstag haben wir uns ein Umsatzziel von 500 Millionen Euro in Europa gesetzt. Wir planen in allen Bereichen zu wachsen, gerade auch in der Robotik, wo wir die Anzahl der verkauften Roboter steigern und aktuell viel in die Fabriken investieren. Im Bereich Drives & Motion ist Deutschland neben Italien der wichtigste Markt. In Deutschland wollen wir durch die Erweiterung der Vertriebsmannschaft weitere Marktanteile gewinnen.

HMI Halle 9, Stand D68

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Zur Startseite