Prof. Joachim Metternich, TU Darmstadt, bevorzugt unkomplizierte Prozesse

Die Suche nach einfachen Lösungen

Wer oder was hat Ihr Interesse an Ihrem gegenwärtigen Tätigkeitsfeld geweckt?
Zum ersten Mal kam ich mit dem Thema „Schlanke Produktion“ bei der Firma Trumpf in Ditzingen in Kontakt. Das Produzieren großer Werkzeugmaschinen auf getakteten Fließlinien führte zu einer enormen Verbesserung von Produktivität, Transparenz und Materialbereitstellung. Dies ist für mich noch heute ein bleibender Eindruck.

Prof. Joachim Metternich: kompliziert kann jeder… (Foto: privat)

Welche technischen Leistungen aus Ihrem Bereich bewundern Sie besonders?
Es sind nicht die hochtechnisierten Lösungen, die mich beeindrucken. Kompliziert kann fast jeder. Einfachheit von Produktions- und Logistikprozessen beginnt mit einfachem Denken schon in der Entwicklung; im Projektgeschäft sogar noch früher, also bereits im Vertrieb. Mich beeindruckt die technische Lösung, welche zu einfachen Prozessen in der eigenen Wertschöpfung und beim Kunden führt.

Was möchten Sie noch dringend beruflich und/oder privat erreichen?
Als Hochschullehrer sind es exzellente Lehrveranstaltungen. Neben dem Methodenwissen müssen Studenten künftig fähig sein, Probleme aus einer prozessübergreifenden Perspektive zu betrachten. In der Forschung ist es mein Ziel, die schlanke Denkweise noch besser zu verstehen und mit neuen technologischen Möglichkeiten zu verbinden.

Drei Dinge, die Ihnen besonders wichtig sind…
Meine Familie, Sport und immer noch dazuzulernen.

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…und drei, auf die Sie besonders gut verzichten könnten?
…auf schlechten Kaffee.

Je ein Buch, eine CD, ein Film: Welche sind Ihnen besonders wichtig?
Ich lese privat wenig. In meiner Arbeit haben mich zwei Bücher stark beeinflusst: Das eine ist Jeffrey Likers „The Toyota Way“ und das andere ist „Flawless Consulting“ von Peter Block.

Was lesen Sie derzeit?
„TPM for Workshop Leaders“ von Kunio Shirose – ein Buch über Total Productive Maintenance.

Was erwartet Sie nach Büroschluss?
Meine Frau und meine Tochter – und wenn Zeit ist, noch eine Runde auf dem Mountainbike.

Ihr Lebensmotto?
Nicht aufgeben.

Haben Sie ein Vorbild – oder mehrere?
Ich beobachte an unterschiedlichen Menschen Verhaltensweisen, die mich beeindrucken und versuche dann herauszufinden, welche zu mir passen.

Welche positive Ader kennzeichnet Sie?
Pragmatismus und die Suche nach einfachen, praxisnahen Lösungen.

Ein Zufall spielt Ihnen 5.000 Euro zur freien Verfügung in die Hände. Wie setzen Sie diese ein?
Meine Frau und ich renovieren gerade ein älteres Haus. Damit ist die Frage beantwortet…

Leben Sie gerne dort, wo Sie leben, oder können Sie sich auch einen anderen Lebensmittelpunkt vorstellen. Im Ruhestand vielleicht?
Wir wohnen in einer ruhigen und grünen Ecke von Darmstadt. Trotzdem ist die Innenstadt nah, und von der Haustür bis zu meinem Arbeitsplatz sind es 10 Minuten zu Fuß. Dieses Privileg genieße ich sehr. Zurzeit kann ich mir also keinen anderen Platz vorstellen.

Welche Fehlentwicklung in Markt, Technik und Gesellschaft finden Sie dringend änderungswürdig?
Ich halte Arbeitseinkommen für steuerlich zu stark belastet. Dies führt zu einer abnehmenden Durchlässigkeit in der Gesellschaft. Die Steuerpolitik ist insgesamt zu kompliziert und kaum noch nachvollziehbar. Wer diesen gordischen Knoten zerschlägt, hat meine Hochachtung. Darüber hinaus sehe ich in der alternden Bevölkerung die größte Belastungsprobe der Zukunft.

Was raten Sie der Jugend?
Die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen. Macht was aus Euren Talenten!

Wie und wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Da, wo ich jetzt bin – am Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen der TU Darmstadt.


Prof. Joachim Metternich studierte nach dem Abitur in Hadamar Wirtschaftsingenieurwesen an der TH Darmstadt – heute TU. Seine wissenschaftliche Mitarbeit am dortigen Institut für Produktionstechnik und spanende Werkzeugmaschinen (PTW) schloss er im Jahr 2001 durch die Promotion zum Dr.-Ing. ab. Anschließend wechselte er in die Privatwirtschaft. Bei Trumpf in Ditzingen begann Metternich als Referent des Geschäftsführers Produktion; bei Bosch in Tschechien arbeitete er als Gruppenleiter, zunächst im Produktionssystem und später in der Zerspanung. 2008 wechselte er zur Knorr-Bremse nach München. Dort war Metternich Leiter des Knorr-Bremse Produktionssystems. Im Jahr 2012 kehrte er an die TU Darmstadt zurück – nun als Inhaber des Lehrstuhls für Produktionsmanagement und Intralogistik.

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