pi4-Chef Matthias Krinke trägt zwei Herzen in seiner Brust

Der Ingenieur als Künstler

Wer oder was hat Ihr Interesse an Ihrem gegenwärtigen Tätigkeitsfeld geweckt?
Mein Vater war viele Jahre Leiter der Montageabteilung bei Voith im Bereich Papiermaschinen in Heidenheim. Seine Technikbegeisterung und auch eine gewisse Leidenschaft für Science Fiction haben mich sehr geprägt.

Mathias Krinke sieht Berlin als aufregendste Stadt der Welt. (Foto: Privat)

Welche technischen Leistungen aus Ihrem Bereich bewundern Sie besonders?
Der workerbot, aktuell der einzige einsetzbare humanoide Fabrikarbeiter der Gegenwart. Das ganze Projekt wurde innerhalb weniger Jahre realisiert. Diese Maschine ist für mich bereits gelebte Industrie-4.0-Philosophie, und das bereits seit dem Jahr 2010.

Was möchten Sie noch dringend beruflich und/oder privat erreichen?
pi4 sollte einer der größten Hersteller von humanoiden Robotern werden, und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter von pi4 werden in zehn Jahren Roboter sein.

Drei Dinge, die Ihnen besonders wichtig sind…
Meine Partnerin, meine Freunde und meine Familie.

…und drei, auf die Sie besonders gut verzichten könnten?
Kriege, Atomkraft, Menschenhandel.

Je ein Buch, eine CD, ein Film: Welche sind Ihnen besonders wichtig?
Elysium ist nicht nur ein toller Science Fiction, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der wichtigen Frage: Wollen zum Beispiel wir Europäer weiter zusehen, wie wir in einem „Elysium“ leben, während es so vielen an Nahrung und medizinischer Versorgung mangelt?

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Ein Bild, eine Skulptur, die Ihnen wichtig erscheint oder die Sie kaufen würden?
Eduard Bigas malt wunderbare Bilder. Aktuell kann man seine Bilder in der Galerie Kuchling am Prenzlauer Berg sehen.

Was lesen Sie derzeit?
Ein Buch über alle Weltreligionen, interessant dabei ist, dass in allen Religionen von Nächstenliebe gesprochen wird.

Was erwartet Sie nach Büroschluss?
Das aufregende Leben eines Künstlers. In 2015 plane ich eine Soloausstellung, aber mehr kann ich dazu noch nicht verraten.

Welchen Sänger, Musiker, Schauspieler, Performer oder Sportler würden Sie gern live erleben?
Die Hofesh Shechter Company (Tanztheater).

Treiben Sie Sport – welchen?
Der nächste Halbmarathon ist schon geplant.

Ihr Lebensmotto?
„A vision is just a vision, if it is only in your head” (Barbara Streisand) und ganz wichtig „Leben und leben lassen”.

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Mitarbeiter?
Ich bin sehr glücklich über die fast 21 Jahre freundschaftliche Teamarbeit, für das beeindruckende Engagement, das hervorragende technische Know-how, die immerfort neuen Ideen und Inspirationen und natürlich das Vertrauen, welches mir entgegengebracht wird.

Ein Zufall spielt Ihnen 5.000 Euro zur freien Verfügung in die Hände. Wie setzen Sie diese ein?
Aktuell würde ich diese für eine Organisation wie die „Ärzte ohne Grenzen“ spenden. Das Engagement dieser Mitarbeiter ist bewundernswert.

Leben Sie gerne dort, wo Sie leben, oder können Sie sich auch einen anderen Lebensmittelpunkt vorstellen. Im Ruhestand vielleicht?
Berlin war in den letzten 20 Jahren die spannendste Stadt der Welt. Nirgendwo anders konnte man das Zusammenwachsen Deutschlands direkter erleben. Berlin ist meine Wahlheimat.

Welche Fehlentwicklung in Markt, Technik und Gesellschaft finden Sie dringend änderungswürdig?
Man kann es grundsätzlich zusammenfassen als „Verantwortung übernehmen“. Jeder Einzelne und insbesondere jeder Unternehmer und Politiker muss sich verantwortungsvoll fragen, ob die Produkte, Herstellverfahren und Technologien umweltfreundlich und sinnvoll sind. Diese Verantwortung wird leider zunehmend nicht wahrgenommen.

Was wollten Sie machen, als Sie 18 Jahre alt waren?
Ingenieur, allerdings auch Künstler.

Was raten Sie der Jugend?
Nichts aufschieben, keinen Traum zerreden lassen.


Matthias Krinke wurde 1966 geboren. Aufgewachsen ist er in der schwäbischen Provinz, in Heidenheim an der Brenz. Nach dem Abitur in Heidenheim am technischen Gymnasium begann er ein Studium der Elektrotechnik/Automatisierungstechnik/Robotik in München. Im Jahr 1994 hat er die pi4_robotics als Gewerbebetrieb in Berlin gegründet. 2000 wurde der Betrieb in eine GmbH umgewandelt.

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