Sabine Neuß

"Netzwerke ersetzen keine Freundschaften"

Opernliebhaberin Sabine Neuß: Die Produktion bei Linde MH liegt in den Händen einer Frau

Sabine Neuß ist seit Januar als COO Chef der Produktion bei Linde Material Handling. Die Oberfränkin studierte an der FH Coburg Fertigungstechnik und schaffte den Einstieg in das Berufsleben bei der Brose Fahrzeugtechnik in Coburg. 1998 erfolgte der Wechsel zum Automobilzulieferer Behr in Stuttgart. 2010 wechselte sie dann als Geschäftsführerin zu TRW Automotive Safety Systems nach Aschaffenburg. Für ihren neuen Arbeitgeber, die Linde Material Handling GmbH, musste sie nur die Straßenseite wechseln.

Wer oder was hat ihr Interesse an Ihrem gegenwärtigen Tätigkeitsfeld geweckt?

Flurförderzeuge sind ein hochinteressantes Produkt. Es ist kein klassischer Maschinenbau, sondern ich nenne es "automobiler" Maschinenbau. Eine Mischung aus beidem. Dazu bin ich jetzt deutlich näher am Kunden.

Welche technischen Leistungen aus Ihrem Bereich bewundern Sie besonders?

Die Robustheit, Langlebigkeit und Präzision, mit der diese mobilen Maschinen unter härtesten Bedingungen funktionieren. Dazu kommen viel längere Betriebszeiten und Lebenszyklen als beim Automobilbau.

Was möchten Sie noch dringend beruflich und/oder privat erreichen?

Es gibt keine konkreten Karriereziele oder einen Masterplan, den ich abarbeite. In Bezug auf meine Arbeit oder auch privaten Projekte bin ich jedoch zielorientiert und konsequent. Ich möchte meine Arbeit einfach gut machen und mich wohl fühlen.

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Drei Dinge, die Ihnen besonders wichtig sind?

Familie, Freunde und Oper. Ich bin ein klassischer Musikfan. Opernbesuche verbinde ich gerne mit Reisen.

...und drei, auf die Sie besonders gut verzichten könnten?

Morgens sehr früh aufstehen. Mein idealer Arbeitsbeginn ist 8.30 Uhr. Unehrliche Menschen und vor versammelter Mannschaft Entlassungen verkünden zu müssen. Das heißt nicht, dass ich mich davor drücke, unbequeme Dinge anzupacken, aber es ist sehr belastend.

Je ein Buch, eine CD, ein Film: Welche sind Ihnen besonders wichtig?

Michelangelo - biographischer Roman von Irving Stone. CD: Verdis "Requiem". Der Film "Amadeus" von Milos Forman oder "The Life of Brian" von Monthy Python. Es gab mal eine Zeit und einen Freundeskreis, da haben wir Szenen nachgespielt und herrlich abgelacht.

Ein Bild, eine Skulptur, die Ihnen wichtig erscheint oder die Sie kaufen würden?

Moderne abstrakte Kunst - gerne aber auch eine Skulptur von Rodin.

Was lesen Sie derzeit?

Die Beethoven-Biographie von Anton Schindler.

Was erwartet Sie nach Büroschluss?

Ein gutes Abendessen und ein Gläschen Wein. Von fränkisch-deftig über italienische Küche bis zur Haute Cuisine.

Welchen Sänger, Musiker, Schauspieler, Performer oder Sportler würden Sie gern live erleben?

Anna Netrebko und Jonas Kaufmann - hier hatte ich schon das Vergnügen.

Treiben Sie Sport - welchen?

No Sports! Dennoch bewege ich mich ausgiebig. Ich tanze sehr gerne und beschäftige mich in meinem Garten.

Welche positive Ader kennzeichnet Sie?

Ich bin verlässlich, geradlinig, beharrlich und zielorientiert.

Eine Botschaft an Ihre Mitarbeiter?

Stillstand ist Rückschritt!

Ein Zufall spielt Ihnen 5.000 Euro zur freien Verfügung in die Hände. Wie setzen Sie diese ein?

Ich spende das Geld für kulturelle und soziale Projekte.

Leben Sie gerne dort, wo Sie leben, oder können Sie sich auch einen anderen Lebensmittelpunkt vorstellen? Im Ruhestand vielleicht?

Ich lebe gerne dort, wo ich lebe. Ein kleines Städtchen in Unterfranken. Später könnte ich mir Zürich vorstellen oder Oberitalien - da gibt es wunderbare Opernhäuser...

Welche Fehlentwicklung in Markt, Technik und Gesellschaft finden Sie dringend änderungswürdig?

Die durch den Klimawandel notwendige Energiewende verläuft noch viel zu verhalten, und echte Freundschaften durch Netzwerke zu ersetzen, geht gar nicht.

Was wollten Sie machen, als Sie 18 Jahre alt waren?

Schnell studieren und einen Abschluss machen. Dass ich mir mein Studium durchs Kellnern verdient habe, war eine gute Lebensschule.

Was raten Sie der Jugend?

Bildung ist der Schlüssel für Erfolg. Dabei wünsche ich mir ein breites Allgemeinwissen und keine Fachidioten.

Wie und wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Hoffentlich gesund und energiegeladen. Das, was man tut, mit Freude gut und richtig zu machen - der Rest ergibt sich dann.

bw

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