Innovationen

Kreative Ideen finden mit Design Thinking

Die Entwicklung von neuen Ideen, Konzepten und Produkten gehört zu einem der schwersten Arbeitsprozesse, denn auf Knopfdruck kreativ zu sein fällt schwer. Die Methode des Design Thinking hilft. Sechs Phasen gelten als Schlüssel zum Erfolg.

Björn Ruland von der Darmstädter Coaching-Crew 4craft. © 4craft

Erkennen des Problems
Phase eins beginnt mit dem Verständnis des Problems: Vor dem Austüfteln von Lösungen geht es darum, die Problemstellung zu durchdringen und die richtigen Fragen zu stellen. Darauf folgt eine gründliche Analyse und eventuell eine Anpassung der Fragestellung. Immer im Zentrum: der Nutzer. Hilfe holen sich die Teammitglieder jederzeit durch Gespräche mit Experten, Extremnutzern des Entwicklungsmilieus oder Mind Mapping.

Für ein Logistikunternehmen beschreibt Björn Ruland von der Darmstädter Coaching-Crew 4craft diesen ersten Schritt beispielhaft folgendermaßen: Pakete erreichen die Halle an Tor 1 und verlassen die Halle an Tor 2. Alle Prozesse zwischen diesen beiden Schritten sollen weitgehend automatisiert werden. In der Phase des Verstehens sammelt das Entwicklungsteam zunächst einmal Daten und stellt sich Fragen wie: Was für Pakete werden transportiert? Wieviel Fläche steht zur Verfügung? Wie lange verweilen Sendungen im Logistikzentrum?

Beobachten und analysieren
Die zweite Phase fühlt dem Problem auf den Zahn. Da die Zielgruppe die zentrale Rolle spielt, untersuchen Design Thinker sie zunächst ganz genau, um ihre grundlegenden Bedürfnisse so gut wie möglich nachvollziehen zu können. „Dabei geht es vorrangig darum, Widersprüche und Spannungen aufzudecken, denn diese deuten oft auf Innovationspotential hin“, unterstreicht Ruland. Zusätzlich analysieren Coaches und Teammitglieder Lösungen und Produkte aus der Vergangenheit. Dabei setzen sie qualitative Methoden wie Interviews und Shadowing ein.

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In unserem Beispiel durchleuchtet das Team die momentane Situation. Je mehr Informationen dafür bereitstehen, desto besser. Wichtige Fragen lauten: Wie behandeln Mitarbeiter die Pakete, welche Zwischenschritte gibt es und mit welchen Systemen werden welche Daten erfasst und verarbeitet? Auch der Vergleich der momentanen mit der zukünftigen Situation hilft Entwicklern: Welche potentiellen Schwierigkeiten erkennt die Belegschaft in einer noch fiktiven Automation?

Standpunkt markieren
Im letzten Schritt der analytischen Phase tauschen sich die Teilnehmer aus. Zuvor gesammelte Informationen werden geordnet, sortiert und verdichtet, Zwischentöne und Emotionen gesammelt. Auf dieser gemeinsamen Basis fußt die weitere Arbeit an der Innovation. Unterschiedliche Methoden visualisieren den Point of View. Personae vereinen beispielsweise alle beobachteten Erkenntnisse in sich. Mit ihrer Hilfe versetzen sich Entwickler in die fokussierte Zielgruppe hinein. Eine Empathy Map stellt den Kunden ins Zentrum einer verbildlichten Darstellung. Customer Journey Maps bilden die Reise des einzelnen entlang der Customer Touchpoints ab und versuchen dessen Gedanken und Gefühle zu ergründen. Das Team, das sich der Automatisierung im Logistikunternehmen widmet, einigt sich auf konkrete, umsetzbare Lösungen, die sie in den nächsten Schritt weiter vorantreiben – der Ausgangsprämisse folgend: Pakete kommen von Tor 1 nach Tor 2.

Ideen finden
Weg mit allem, was beschwert! Vor Phase vier befreien sich Teilnehmer in einem teilweise schwierigen Prozess von Dingen, die hemmen: Erfahrungen, Mobbing, Furcht vor dem Chef, hierarchische Strukturen, Versagensängste oder Ermattung schieben freifließender Kreativität schnell einen Riegel vor. Daher räumen Teilnehmer diese Gedankenschranken aus dem Weg. In der Phase der Ideenfindung kommt vor allem das klassische Werkzeug des Brainstormings zum Einsatz. Dabei ist das Üben von Kritik tabu. Alle inspirieren sich ohne Unterbrechungen gegenseitig, jeder kommt zu Wort. Zu zusätzlichen Ideen führen Techniken wie Rollenspiele, Szenarien-Aufbau oder Identitätswechsel.

Die Erlaubnis, völlig anders zu denken, oder Analogien aus komplett anderen Umfeldern setzen ungeahnte Energien frei. „Auch die Sternstunde ist eine effiziente Methode: Teammitglieder liegen sternförmig auf dem Boden, was ohnehin schon eine völlig ungewohnte, auflockernde Situation darstellt. Hinter jedem Liegenden steht ein Kollege und notiert dessen Gedanken“, schildert der Agile Coach Ruland.

In unserem Beispiel könnte zum Beispiel eine Mitarbeiterin der Qualitätssicherung einen Eingangs- und Ausgangsscanner für Beschädigungen ins Gespräch bringen, da immer wieder Probleme bei der Rechtfertigung und beim Nachvollziehen von Kundenbeschwerden auftreten. Ein Softwarearchitekt könnte anregen, die Pakete direkt mit einer Datenbank zu verbinden, um so dem Kunden eine genaue Nachverfolgung zu gewährleisten; ein Programm könnte Sendungen zusammenfassen, um Fahrt- und Personalkosten zu verringern. Im gemeinsamen Flow erwachsen mitunter völlig neue Features: Spezielle Greifarme, Transportbänder mit Unterdruck, Notabschaltungen, Übergabestationen oder Nachverpackungen.

Prototypen entwickeln
Um die ausgewählten Ideen greif- und erlebbar zu machen, werden sie im Anschluss an das Brainstorming haptisch visualisiert. Entwickler verändern, erneuern und verwerfen die rudimentären Prototypen während des Prozesses. Mehrmals. Das ist gewünscht und Teil des Prozesses. Das Motto lautet: Je weniger Aufwand in ein Modell fließt, desto leichter fällt es, sich davon zu trennen. In dieser Phase maximieren Fehler den Erkenntnisgewinn. Eine Vielzahl an Materialien wie Bauklötze, Legosteine bis hin zu Bastelbedarf fördert die greifbare Entfaltung. Die Logistik-Mannschaft könnte zum Beispiel die Errichtung eines Förderbandes entwerfen, das aus einfachen Komponenten besteht und sich daher nicht für den Dauerbetrieb eignet. So entdecken Entwickler Schwächen früh im Entwicklungsprozess und können sie in einem weiteren Sprint ausmerzen.

Testen
In der Abschlussphase erfolgt der Test des Prototyps zusammen mit potenziellen Nutzern. Wesentliches Element bildet unbefangenes Feedback von außen. Tester bewerten die Innovation kritisch und bringen Ergänzungen zur Idee offen auf den Tisch. Angst vor Kritik hat keinen Platz! Rückmeldungen werden sofort umgesetzt, auch, wenn dies einen Sprung zurück in vorangegangene Lagen bedeutet. Der Prozess wird solange durchlaufen, bis am Ende eine rundum überzeugende Innovation die Bühne betritt. as

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