handling award 2018

Annina Schopen,

Ursula Ida Lapp mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet

Es wurde wieder feierlich auf der Motek: Am Dienstagnachmittag wurde zum fünften Mal der handling award verliehen. Neun Preisträger aus drei Kategorien nahmen die goldenen Hände entgegen, außerdem wurde Ursula Ida Lapp mit dem Ehrenpreis für das Lebenswerk geehrt.

Der Ehrenpreis für das Lebenswerk, den die Juroren an eine verdiente Persönlichkeit der Branche vergeben, ging in diesem Jahr an Ursula Ida Lapp, Unternehmensgründerin von U.I. Lapp. © Manuel Hauptmannl

„Zum fünften Mal vergeben wir den handling award, eine Preisverleihung, die in dieser Art einzigartig ist. Im Laufe der letzten Jahre wurden 359 Beiträge eingereicht, der Andrang nach dem award ist groß“, resümierte der Verlagsleiter der WEKA BUSINESS MEDIEN Peter Eberhard in seiner Begrüßung. Verliehen wurden in diesem Jahr je drei Preise in den drei Kategorien „Komponenten für Handhabung und Montage“, „Manipulatoren, Robotik und Systemlösungen“ sowie „Lager, Kommissionierung und Intralogistik“. In der Kategorie „Qualität, Sicherheit und Automatisierungssoftware“ wurde in diesem Jahr keine Auszeichnung vergeben. Insgesamt waren in diesem Jahr 50 Bewerbungen eingegangen, die meisten davon, nämlich jeweils 18, kamen aus den ersten beiden Kategorien.

„Ich hatte in diesem Jahr das Glück, an der Jurysitzung teilnehmen zu dürfen, und glauben Sie es mir, die Teilnehmer haben es den Juroren nicht einfach gemacht“, so Peter Eberhard. Für die Jury, die sich aus Dr. Kurt Schmalz (Schmalz GmbH), Michael Stark (SEW-Eurodrive), Achim Gauß (Zimmer Group), Edgar Grundler (für den Messeveranstalter P.E. Schall) sowie Petra Born (handling-Chefredaktion) zusammensetzte, waren folgende Kritierien ausschlaggebend: Innovation und Marktfähigkeit, die Technologie musste überzeugen, ein erhöhter Kundennutzen erkennbar sein, eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sowie eine Verbesserung des Produktionsablaufs und ein besonderes Alleinstellungsmerkmal mussten erkennbar sein.

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Dr. Kurt Schmalz hielt die Ehrenrede für Ursula Ida Lapp. © Manuel Hauptmannl

„Mit dem handling award werden nicht nur die herausragenden Entwicklungen der letzten zwölf Monate geehrt, dieser Preis soll auch Antrieb und Motivation sein, Innovationen voranzutreiben und neue Ideen zu haben“, sagte Bettina Schall, Geschäftsführerin des Messeveranstalters P.E. Schall.

Die Preisverleihung fand – fast schon traditionell - am Nachmittag des zweiten Messetages im Atrium der Messe Stuttgart statt. Die Laudatorin Prof. Dr. Kirsten Tracht, Institutsleiterin des Bremer Instituts für Strukturmechanik und Produktionsanlagen (bime) sowie Vorstand der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Montage, Handhabung und Industrierobotik – MHI, führte durch die Feier und übergab den strahlenden Gewinnern die goldenen Hände, das Symbol des handling award. Für die passende musikalische Stimmung sorgten die Percussion Artists, die die Sieger mit einem Trommelwirbel auf die Bühne begleiteten.

Ehrenpreis für Ursula Ida Lapp

Der Ehrenpreis für das Lebenswerk, den die Juroren an eine verdiente Persönlichkeit der Branche vergeben, ging in diesem Jahr an Ursula Ida Lapp, Unternehmensgründerin von U.I. Lapp. Frau Lapp konnte den Preis aus gesundheitlichen Gründen leider nicht selbst entgegennehmen, ihr Enkel und CEO des Unternehmens Matthias Lapp übernahm die goldene Hand an ihrer Stelle.

Peter Eberhard, Dr. Kurt Schmalz und Matthias Lapp. © Manuel Hauptmannl

Ursula Ida Lapp ist eine Unternehmerin, die deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat. „Ursula Ida Lapp ist uns allen ein Vorbild, weil sie unternehmerischen Mut gezeigt hat, Weitsicht bewiesen hat und Aufgaben immer beherzt angepackt hat“, sagte Dr. Kurt Schmalz, der die Ehrenrede hielt. „Sie hat Großes geschaffen, obwohl ihr Weg keineswegs nur geradeaus ging.“ Ein Zitat von ihr laute: „Man muss flexibel sein, so wie unsere Kabel.“

Die Geschichte der Stuttgarter Lapp-Gruppe begann Ende der 50er Jahre. Ursula Ida Lapps Ehemann Oskar Lapp war gelernter Ingenieur, Erfinder und Tüftler. Er erfand 1957 die Ölflex, die erste industriell gefertigte flexible Steuerleitung mit Farbcodierung. Bis dahin waren alle Adern grau oder schwarz, hatten sehr große Querschnitte und waren wenig flexibel. Mit einem Kapital von 50.000 Mark wurde 1959 schließlich die U.I. Lapp KG gegründet. „Wohl gemerkt in einer Zeit, in der die Amtsgerichtsbeamten noch zweifelnd die Augenbrauen hoben, wenn Frauen ein Technologieunternehmen gegründet haben“, so Dr. Schmalz. Der Stuttgarter Zeitung habe Ursula Ida Lapp vor einigen Jahren verraten, was sie damals geantwortet habe: „Wissen Sie, ich bin der schwäbischen Sprache nicht richtig mächtig, aber ich kann schaffen, wie die Schwaben. Das wird schon funktionieren.“ Und es hat gut funktioniert.

In der Garage des Wohnhauses in Stuttgart-Vaihingen ging es los, Oskar Lapp kümmerte sich um den Vertrieb, Ursula Ida Lapp machte die Buchhaltung und den Versand und kümmerte sich um die drei damals noch kleinen Kinder. Die Nachfrage nach den Ölflex-Leitungen war enorm. Bereits 1963 wurde die erste eigene Fabrik gegründet, um die Leitungen selbst zu fertigen. 1965 wurde der Firmensitz in die Schulze-Delitzsch-Straße in Stuttgart-Vaihingen verlegt – auch heute noch befindet sich hier der Stammsitz des Unternehmens.

Matthias Lapp, Enkel von Ursula Ida Lapp und CEO von U.I. Lapp, nahm den Preis für seine Großmutter entgegen. © Manuel Hauptmannl

Als Oskar Lapp 1987 nach langer Herzkrankheit starb übernahm Ursula Ida Lapp mit ihren Söhnen Siegbert und Andreas die Leitung des Unternehmens. Seit 1992 besteht die Oskar-Lapp-Stiftung, die die Erforschung von Herzkrankheiten unterstützt.

Die Lapp Gruppe ist heute einer der führenden Anbieter von integrierten Lösungen und Markenprodukten im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie. Zum Portfolio der Gruppe gehören Kabel und hochflexible Leitungen, Industriesteckverbinder und Verschraubungstechnik, kundenindividuelle Konfektionslösungen, Automatisierungstechnik und Robotiklösungen für die intelligente Fabrik von morgen und technisches Zubehör. Der Umsatz des Unternehmens beträgt mehr als eine Milliarde Euro, es gibt 17 Fertigungsstandorte, 40 Vertriebsgesellschaften, 100 Vertretungen in allen Kontinenten und es sind mehr als 3.700 Mitarbeiter bei Lapp beschäftigt. Ursula Ida Lapp hat den Geist des Unternehmens maßgeblich geprägt. Das international agierende Familienunternehmen pflegt und lebt eine eigene Firmenkultur, die mit den Werten kundenorientiert, familiär, innovativ und erfolgsorientiert definiert ist. Dabei sind nachhaltiges Handeln und Verantwortung für die Mitarbeiter stets im Fokus.

„Vielen Dank für diese Auszeichnung. Das macht auch mich als Ältesten der dritten Generation stolz, die Auszeichnung für das Lebenswerk meiner Großmutter entgegenzunehmen und spornt mich natürlich auch an, vielleicht in 50 Jahren mit einer solchen Auszeichnung geehrt zu werden“, sagte Matthias Lapp in seiner Dankesrede. „Ich werde alles, was Sie heute Abend gesagt haben, gerne meiner Oma weitergeben.“

Die Gewinner des handling awards 2018 © Manuel Hauptmannl

Die Preisträger im Überblick

In der Kategorie „Komponenten für Handhabung und Montage“ wurden von der Jury Weiss Robotics (Platz1), Asyril (Platz 2) und Formhand (Platz3) ausgezeichnet.

Der handling award im Bereich „Manipulatoren, Robotik und Systemlösungen“ ging an Robert Bosch (Platz 1), Preccon Robotics (Platz 2) und Boll Automation (Platz 3).

Die Kategorie „Lager, Kommissionierung und Intralogistik“ hat in diesem Jahr folgende Sieger: SSI Schäfer (Platz 1), Kasto (Platz 2) und U.I. Lapp (Platz 3).

Mit dem Ehrenpreis für das Lebenswerk wurde Ursula Ida Lapp ausgezeichnet.

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