Der Mittelstand will wachsen…

…aber mit welchen Mitarbeitern?

Mehr Umsatz, mehr Investitionen, steigende Beschäftigung: Der deutsche Mittelstand schaltet nach einem schwachen Jahr 2013 wieder auf Wachstum. 55 Prozent der Unternehmen rechnen für 2014 mit steigenden Umsätzen, nur sieben Prozent erwarten ein Umsatzminus. Im Durchschnitt sollen die Umsätze um 1,2 Prozent steigen - vor einem Jahr erwarteten die Mittelständler im Schnitt nur ein Umsatzplus von 0,8 Prozent.

70 Prozent haben bereits jetzt Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Zudem wollen die Unternehmen wieder deutlich mehr investieren und ihre Belegschaften massiv aufstocken: 28 Prozent planen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen - nur neun Prozent wollen Stellen einsparen. Damit ist die Beschäftigungsdynamik so stark wie zuletzt Mitte 2011. Die Folge: Der Wettbewerb um gut ausgebildete Mitarbeiter wird wieder härter. Mehr als sieben von zehn Mittelständlern bezeichnen es als schwierig, geeignete neue Mitarbeiter zu finden. Und sechs von zehn Unternehmen haben aktuell offene Stellen, die sie mangels Bewerbern nicht besetzen können.

Die Folge sind vielfach Umsatzausfälle - etwa weil Aufträge nicht angenommen werden können oder weil weniger produziert wird als abgesetzt werden könnte. Immerhin jedes neunte Unternehmen beklagt erhebliche Umsatzeinbußen von mehr als fünf Prozent aufgrund fehlender Fachkräfte - weitere 42 Prozent der Unternehmen berichten von geringfügigen Umsatzeinbußen. Hochgerechnet summieren sich die Umsatzausfälle im deutschen Mittelstand auf insgesamt 31 Milliarden Euro jährlich.

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Das sind Ergebnisse des aktuellen "Mittelstandsbarometers" von Ernst & Young (EY). Die Studie wird halbjährlich durchgeführt. Ihr liegt eine Umfrage unter 3.000 mittelständischen Unternehmen im Dezember 2013 und Januar 2014 zugrunde.

Im vergangenen Jahr haben sich die mittelständischen Unternehmen noch bei Neueinstellungen zurückgehalten, nun aber sollen die Belegschaften wieder auf breiter Front aufgestockt werden: 28 Prozent der Befragten wollen in den kommenden Monaten neue Jobs schaffen, nur neun Prozent wollen Stellen streichen. Zum Vergleich: Vor einem halben Jahr planten nur 18 Prozent Neueinstellungen, immerhin zwölf wollten hingegen Stellen abbauen.

Allerdings dürften wieder mehr Unternehmen Probleme bekommen, offene Stellen tatsächlich zu besetzen. Aktuell geben 60 Prozent der mittelständischen Unternehmen an, nicht alle vakanten Positionen besetzen zu können - drei Prozent würden ihre Belegschaft sogar um mehr als fünf Prozent aufstocken, wenn sie genügend ausreichend qualifizierte Bewerber fänden. Hochgerechnet gibt es bei den mittelständischen Unternehmen in Deutschland derzeit 326.000 offene Stellen, die nicht besetzt werden können.

Der Fachkräftemangel hat sich im vergangenen Jahr insgesamt aber leicht abgeschwächt: So ist der Anteil der Unternehmen, die über sehr große Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern berichten, im Vergleich zum Vorjahr von 75 auf 71 Prozent gesunken. Aber immerhin 17 Prozent haben nach eigenen Angaben sehr große Schwierigkeiten, geeignete neue Mitarbeiter zu finden.

Grund für die leichte Entspannung beim Fachkräftemangel dürfte die konjunkturell bedingt etwas schwächere Nachfrage nach neuen Mitarbeitern und die starke Zuwanderung nach Deutschland unter anderem aus den europäischen Krisenländern gewesen sein. Dennoch: Bei immerhin gut der Hälfte der Befragten (53 Prozent) führte der Fachkräftemangel zu realen Umsatzeinbußen - bei jedem neunten sogar zu erheblichen Einbußen von mehr als fünf Prozent. Im vergangenen Jahr entgingen dem deutschen Mittelstand Umsätze von hochgerechnet etwa 31 Milliarden Euro.

Der Fachkräftemangel trifft mittelständische Unternehmen stärker als Großkonzerne, so Kleinere Unternehmen in ländlicheren Regionen, deren Produkte in der breiten Bevölkerung wenig bekannt sind, haben es tendenziell schwerer, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. bw

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