Werkzeuge im Rennsporteinsatz

Werkzeuge - schnell wie die Formel 1

Nach dem ersten vollen Test-Tag zur Formel-1-Saison 2011 in Frühjahr in Barcelona haben die Techniker des HRT-F1-Teams in der Nacht alle Hände voll zu tun; denn schon am nächsten Morgen muss ihr Fahrzeug für den nächsten Lauf wieder in Topform sein. Um den Rennwagen wieder auf fit zu machen, setzen die Mechaniker vor allem Druckluftwerkzeuge von Desoutter ein: Schleifmaschinen zum Fräsen, Schmirgeln und Polieren am Chassis, der Karosserie und den Verkleidungen sowie verschiedene Bohrmaschinen.

Mit fast derselben Drehzahl wie ein Cosworth-Rennmotor - rund 18.000 Umdrehungen in der Minute - bearbeitet ein Werker mit einem KC-320-Schleifer und seinem Hartmetallfrässtift die angerissene Verbindung zwischen dem Fahrzeugunterboden und der Verschleißplatte. Dabei wirbeln Kunststoffspäne und Klebstoffreste aus einer Gewindeöffnung am Chassis hervor. Die Verschleißplatte ist in der Formel 1 vorgeschrieben, besteht aus Hartkunststoff und wird im Fachjargon "Skid" genannt. Kriegt der Fahrer die Kurve nicht richtig, dann schrammt der Skid über den erhöhten Fahrbahnrand, wodurch das Material beschädigt wird. "Ein Rennwagen hat gerade einmal 2,5 Zentimeter Bodenfreiheit", erläutert Ernst Kopp, Chefmechaniker des 45-köpfigen HRT-F1-Teams. "Der unsanfte Bodenkontakt mit den Curbs, das sind die Fahrbahnrandmarkierungen, hinterlässt Riefen und Kratzer, die unbedingt ausgeschliffen, aufgefüllt und wieder poliert werden müssen."

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Ein Composite-Spezialist bevorzugt Luft

"Desoutter verfeinert seine Werkzeuge und entwickelt sie ständig weiter. Wegen ihrer Flexibilität und Zuverlässigkeit sind sie unsere erste Wahl." Ernst Kopp, 54, Chefmechaniker des HRT-F1-Teams. (Fotos: Desoutter)

Bei der Inspektion des Skids fällt auf, dass auch ein Gewindeeinsatz im darunterliegenden Kohlefasermaterial des Unterbodens ausgerissen ist. "Kein Problem", versichert Kopps Mitarbeiter Kai Freimann. "Mit dem 375 Watt starken KC-Stabschleifer kann ich das beschädigte Befestigungselement schnell herausfräsen und Platz zum Einkleben eines neuen schaffen." Manchmal muss er, je nach Materialstärke, auch noch vier Niete ausbohren, mit denen die Gewindeeinsätze unlösbar in der Kohlefaserlage verankert sind. Aber auch dafür habe er sein Patentrezept, meint Freimann: die DR-Pistolenbohrmaschine . "Für die gesamte Materialbearbeitung eignen sich Druckluftgeräte am besten", sagt der Leiter der Composite-Abteilung und blickt auf sein Arsenal an Desoutter-Werkzeugen. Es ist gerade mal ein knappes Dutzend. "Aber durch die ausgeklügelte modulare Bauweise kann ich diverse Antriebseinheiten mit unterschiedlichen Schleif- oder Bohrvorsätzen für praktisch jede Aufgabe flexibel zur richtigen Maschine kombinieren."

Vielseitige Werkzeuge durch Baukasten

Der Kohlefaser-Spezialist des HRT-F1-Teams greift nach seiner Universalbohrmaschine vom Typ DR300-QR und zeigt, wofür das QR in der Typenbezeichnung steht: Quick-Release - den schnellen Wechsel des Vorsatzes. Nur drei Sekunden später hat Freimann den Bajonettverschluss entriegelt und die Winkelbohrmaschine in einen um 30 Grad geneigten Stabbohrer verwandelt. Sogar 360 Grad-Bohrköpfe ließen sich aufstecken, schildert der Anwender. Dann könnten die Bohrmaschinen selbst unmögliche Bohrpunkte erreichen. Deshalb kommen diese nur etwa 500 Gramm leichten, aber 300 Watt starken Geräte beispielsweise im Flugzeugbau zum Einsatz, heißt es bei Desoutter. Sie sind übrigens mit ihren bis zu 30.000 Umdrehungen in der Minute sehr schnell.

Von Null auf 12.000 - stufenlos

Eine weitere Problemzone, die immer wieder den Einsatz von Druckluftschleifern erfordert, sind die Chassisvorderkanten. "Von der Fahrbahn aufgewirbelte kleine Steinchen werden durch die hohen Geschwindigkeiten zu Geschossen", veranschaulicht Kai Freimann die Entstehung der kleinen Krater im Kohlefasermaterial an der unteren Fahrzeugfront. Es geht schon auf Mitternacht zu, als die Spezialisten der Composite-Abteilung in einem letzten Arbeitsschritt diese Oberflächen wieder perfekt glätten. Die zahlreichen Einschlaglöcher an den für die Fahrtwindleitung entscheidenden Bauteilen wurden zuvor mit Spezialspachtelmasse aufgefüllt und von einem SXRB-Exzenterschleifer beigeschmirgelt. "Diese Fäustlingsschleifer lassen sich stufenlos von nahezu 0 bis 12.000 Touren in der Minute einstellen. So können wir vom groben Vorschliff über das feine Schmirgeln bis hin zum Feinstpolieren alle Arbeitsschritte mit einem einzigen Werkzeug durchführen", so Freimann. Der dazu nötige Wechsel der Schleifmittel sei dank Kletthaftung denkbar einfach. Und die integrierte Staubabsaugung entfernt unliebsame Staubpartikel direkt am Entstehungsort, indem sie abgetragenes Schleifmehl durch sechs Löcher im Schleifteller absaugt, bevor es in die Umgebungsluft gelangen kann.

Nieten statt Schrauben

"Das gründliche Polieren senkt den Luftwiderstand des Wagens und kann pro Runde Zeitvorteile im Zehntelsekundenbereich bringen", erläutert Ernst Kopp die letzten Routinearbeiten an der Karosserie vor dem Rennen. Aber auch für unplanmäßige Arbeiten sieht er sein Team gut vorbereitet - egal, ob es ums Entgraten, Fräsen, Bohren, Schleifen oder Polieren gehe: "Die kompakten Werkzeuge gelangen im Reparaturfall an jede Stelle am Fahrzeug, liegen gut in der Hand und lassen sich durch ihre kleinen Abmessungen einfach perfekt führen."

Gute Anwendungsbeispiele seien etwa abgebrochene Halterungen, Verkleidungsaufnahmen oder die Bremsenkühlung. Da sich bei Gewindeverbindungen durch starke Erschütterungen und Vibrationen im Rennbetrieb Schrauben oder Muttern losrappeln können, werden an ihrer Stelle Blindnietverbindungen eingebracht. Die sind absolut verliersicher, müssen aber im Reparaturfall ausgebohrt werden, um beschädigte Teile ausbauen und ersetzen zu können. Sehr eng sei es allerdings an diesen Stellen, so dass sich diese Arbeiten nur mit wirklich kleinen Bohrmaschinen wie den DR-Modellen ausführen lassen. Doch für den Chefmechaniker punkten die anpassungsfähigen Pneumatikgeräte noch mit einem weiteren wichtigen Vorteil. Da die Formel-1-Rennen weltweit ausgetragen werden, stelle Druckluft die universelle Antriebsenergie dar. "In Asien, Australien oder Europa können je nach Rennort die Stromanschlüsse und Betriebsspannungen wechseln", meint Kopp, da lasse sich nicht jedes Elektrowerkzeug an jedem Ort betreiben. Druckluft hingegen sei überall verfügbar, und deshalb habe er stets Desoutter-Werkzeuge in seinem Renngepäck. "Bei guter Pflege sind das Werkzeuge fürs Leben", ist Kopp überzeugt. Außer einem turnusmäßigen Lamellenwechsel an den Motoren hätten seine Geräte bislang keine Reparaturen benötigt. "Solange diese Pneumatikgeräte über die Druckluft mit etwas Öl geschmiert werden, behalten sie ihre exzellente Leistungsdichte. Und Verschleiß ist ein Fremdwort." bw

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