Unterflur-Antrieb zur Fließfertigung

Linienführung unterirdisch

In der neu eingerichteten Produktionshalle von Walter Maschinenbau im tschechischen Standort Kuřim werden tonnenschwere CNC-Werkzeugschleifmaschinen in Fließfertigung produziert. Die gesamte Fertigung erfolgt auf einem ebenerdigen Montageband.

Für den Transport der Werkstücke sind unterhalb des Montagebandes zwei Loxrail-Schienenkonstruktionen im Fundament verbaut, auf denen die Montageplattformen mittels Stangenantrieb befördert werden. © Walter Maschinenbau

Walter Maschinenbau ist Hersteller von Schleif-, Erodier- und CNC-Messmaschinen für die Produktion und das Nachschärfen von Metall-, Holz- und PKD-Werkzeugen. Seit 1996 zählt auch das südmährische Kuřim nahe Brünn zu den Produktionsstätten des zur United Grinding Group gehörenden Maschinenbauers und wurde seither kontinuierlich ausgebaut. Nach der 2014 erfolgten Erweiterung der mechanischen Präzisionsfertigung mit neuen Bearbeitungszentren und automatisierter Paletten-Beschickung hat Walter jüngst eine bestehende Montagehalle in nur dreimonatiger Bauzeit mit moderner Produktionstechnologie ausgestattet. Hier werden nun an einer neuen Montagelinie Werkzeugschleifmaschinen der Helitronic-Modellreihe hocheffizient in Fließfertigung produziert.

Montageband zieht Plattformen mit

Den betriebsbereiten Einbau der Förderlogistik hat der Intralogistik-Spezialist Losyco in nur acht Tagen bewerkstelligt. Hierzu wurde die Montagelinie auf gut 80 Metern mit zwei Loxrail-25-Schienensträngen für Lastaufnahmen bis 15 Tonnen ausgestattet. Durch den Unterflur-Einbau der kompletten Förderkonstruktion ließ sich die Fertigungslinie bodenbündig – ohne hinderliche Absätze oder Zwischenräume – in die Halle integrieren. Um das Transportsystem unterhalb der Montagelinie im Hallenboden zu verbauen, wurde eigens ein spezielles Antriebskonzept mit besonders niedriger Bauhöhe entwickelt. Die Montageplattformen werden über die gesamte Strecke von einem darunter installierten Stangenzug verfahren. Dadurch gleiten sie mit dem Montageband in kaum merklicher Geschwindigkeit wie ein fließender Teppich voran. Zum Antrieb der durchgängigen Unterflur-Konstruktion kommt am Ende der Montagelinie ein Kettenförderer zum Einsatz, der die Schwerlast-Plattformen in definierter Länge fortbewegt. Anschließend wird der Antrieb um eine Station zurückgefahren und neu eingekoppelt. So ist eine ungehinderte bodenbündige Fließfertigung auf ganzer Linie gewährleistet. Die Montageteams können die Fertigungsschritte unmittelbar vom Band aus durchführen. Nach Qualitätskontrolle und Funktionstests wird die fertige Maschine direkt in die Versandhalle befördert.

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Mit dem Projektmanagement für die Einrichtung der neuen Fertigungslinie hatte Walter Wysshus Engineering aus der Schweiz betraut. Zu den Kernkompetenzen zählen Beratung, Management und Umsetzung von Lean-Manufacturing-Strukturen einschließlich der Auswahl und Beschaffung geeigneter Automatisierungs- und Fertigungstechnologie. In Kuřim lagen die Herausforderungen im engen Zeitplan und der termingerechten Koordination aller Gewerke.

Besonders stabiles Fundament

Konstruktiv anspruchsvoll gestaltete sich die Einbringung des Hallenfundaments, das in Teilbereichen mit einer Tiefe von vier Metern für besonders hohe Traglasten verstärkt wurde. Insbesondere beim Anlagenabschnitt für die kontinuierliche Maschinenabnahme muss der Untergrund erschütterungsfest beschaffen sein, damit die im Produktionsfluss an den Maschinen vorgenommenen Schleiftests und Messungen nicht durch Vibrationen beeinträchtigt werden. Um die Qualitätsprüfungen mit derselben Exaktheit wie bei einer Standplatzmontage durchzuführen, wurden in diesen Bereichen mehr als 100 Tonnen Stahl zur Stabilisierung verbaut. Eine in die Montagelinie integrierte Vorrichtung hebt die Maschinen aus dem Schienenstrang, um optimale Prüfbedingungen für das kontinuierliche Schleifen zu schaffen. An den Schnittstellen zeigt sich, wie unkompliziert die Einbindung anderer Systeme gelingt und wie positionsgenau das Fördersystem funktioniert. Besonders die präzise Übergabe der Maschinen an die Hebevorrichtung war entscheidend. 

Variable Unterflur-Fördertechnik

Das Bielefelder Unternehmen Losyco hat das Loxrail-System maßgeschneidert und den individuellen Projektanforderungen entsprechend angefertigt. Der Hersteller kann sowohl das Schienenlayout als auch die gewünschte Antriebstechnik bis hin zur Installation den jeweiligen kundenspezifischen Erfordernissen anpassen. Als wartungsarme, energie- und kosteneffiziente Alternative zu konventionellen Fördersystemen ist Loxrail in Ausführungen mit Führungswellen von 25 sowie 40 Millimeter Durchmesser verfügbar. Für beide Varianten führt der Hersteller Transportwagen mit entsprechenden Radsätzen als Einzel- oder Doppelrolle zur Aufnahme von Traglasten von 16 bis 100 Kilonewton im Programm. Wegen des reibungsarmen Laufprofils der Rollen lassen sich selbst tonnenschwere Werkstücke leichtgängig, sicher und positionsgenau per Hand befördern.

pb

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