Motek und Bondexpo

Der Mensch ist dran!

Motek und Bondexpo 2018. Neue Handlingsysteme stellen den Menschen in den Mittelpunkt und erhöhen Motivation und Produktivität. „Das Zeitalter der praxisgerechten Ergonomie hat begonnen“. Ein Beitrag von Bettina Schall, Geschäftsführerin des Messeveranstalters P.E. Schall.

Dipl.-Kffr. Bettina Schall, Geschäftsführerin Messeunternehmen P.E. Schall GmbH & Co. KG. © Schall

Maximale Flexibilität, Modularität und Vielseitigkeit – darauf schauen Produktionsplaner, wenn sie Montagesysteme für Industrie und Logistik beschaffen. Noch ein Trend, der dem demografischen Wandel sowie dem Fachkräftemangel Rechnung trägt: Ergonomie. Moderne Hilfseinrichtungen entlasten den Werker, statt ihn anzustrengen. Ältere, Jüngere, Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten heute, ohne ihren Körper über Gebühr zu belasten. Wie durch Superkräfte unterstützt fühlen sich Anwender von Exoskeletten. Die smarten Anzüge unterstützen den Werker dank Servotechnik beim Tragen schwerer Lasten und verstärken die Hubkraft, wo nötig. So wird der Kompressionsdruck auf den Rücken vermindert und die Wirbelsäule entlastet. Mitarbeiter haben am Ende ihrer Schicht noch volle Kraft, Fehlerquote und Krankheitstage sinken.

Co-Bots sollen Menschen entlasten
Prominentes Beispiel für entlastende und trotzdem (teil-) automatisierte Prozesse sind die Co-Bots. Seit einigen Jahren bevölkern die sanften Riesen manche Technik-Messe. Bei den komplementären Fachmessen Motek und Bondexpo dürfen diese Trends nicht fehlen. Eine echte Hilfe sind die menschenähnlichen Systeme allerdings nur, wenn sie nicht nur Bierflaschen öffnen können, wie uns gerne auf Veranstaltungen präsentiert wird. Vielmehr sollten sie schwere und monotone Arbeiten übernehmen können, die den Menschen entlasten und so dafür sorgen, dass Vorgänge prozesssicher und schneller werden. In der Automobil-Produktion sind die techno-androiden Helfer schon Alltag. Gleichzeitig gilt es die Sicherheit im Blick zu behalten. Dank berührungsempfindlicher Membrane und moderner Sensorik können Mensch und Roboter unfallfrei kollaborieren, also Hand in Hand arbeiten.

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Höhenverstellbare Tische, Werkzeugablagen auf Armhöhe und Tablet-Halter im Blickfeld: Moderne Hand-Arbeitsplatzsysteme schonen den Körper und helfen, sich ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren. Dabei können individuelle körperliche Eigenschaften wie Körpergröße und optimaler Greifraum berücksichtigt werden, ebenso Behinderungen oder andere Einschränkungen. Praktische Arbeitsplatzsysteme lassen sich ohne Werkzeug innerhalb weniger Minuten einstellen – mit Handkurbel oder elektrisch. Einige Hilfsgeräte lassen sich mit dem Fuß, also ohne Bücken, bedienen. Für die Sicherheit sollten die Kabel verdeckt geführt werden. Hightech-Systeme, wie sie im Fraunhofer „Future Work Lab“ in Stuttgart, dem Innovationslabor für Arbeit, Mensch und Technik, gezeigt werden, arbeiten unter anderem mit Induktionsschleifen. Sie versorgen den Arbeitstisch kabellos mit Strom und Internet. Die Systeme in der Informationsumgebung „Zukunftswelten der Arbeit“, die zum Teil noch gar nicht auf dem Markt sind, stellen sich nach Identifizierung vollautomatisch auf die Bedürfnisse der Arbeiter ein.

Digitale Unterstützung
Zu ergonomisch gestalteten Arbeitshilfen kommen digitale Optionen hinzu. Denn die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine wird zunehmend enger. In Zeiten, in denen Industrie 4.0 Wirklichkeit wird, sind Systeme gefragt, die die Digitalisierung genauso abbilden können wie moderne Produktionsanlagen. So sind häufig Bildschirme eingebaut, Tablet-Halter vorgesehen oder Workstations mit kompletten PCs angedockt. Aus der ERP-Datenbank werden dann stets die aktuellen (Montage-)Aufträge angezeigt, und ein digitaler Assistent zeigt per Anleitung oder Lichtsignale, wie und wo gefügt und geschraubt werden muss. Einige Systeme, die im Fraunhofer Future Work Lab gezeigt werden, sind so flexibel, dass sie sich auch kognitiv an den jeweiligen Mitarbeiter anpassen können – vom reinen Nachschlagewerk über den Hinweis bei kniffligen Stellen bis hin zur Step-by-Step-Arbeitsanleitung.

Bei der Entnahme von C-Teilen sind Vereinzelungslösungen interessant. Aus Kanban-Behältern oder Sichtlagerkisten mit Kleinteilen greift es sich rasch und einfach. Oft schützen Behälter mit Unterteilungen vor Zwangshaltungen und überflüssigen Bewegungen. Behinderten Menschen eine Teilhabe an der Arbeitswelt zu ermöglichen, ist nicht nur von karitativem Nutzen. Wer den Fachkräftemangel spürt, denkt auch an Arbeitsplatzsysteme, an denen Rollstuhlfahrer haltungskorrekt arbeiten können. Rollstuhlfahrer beispielsweise, die im Sitzen arbeiten, haben einen kleineren Greifraum, können sich schlecht bücken und strecken und ermüden häufig schneller als Menschen ohne Handicap. Modulare Komponenten, Hubkraftverstärker und mehrachsige Schwenkarme ermöglichen eine Materialbereitstellung, die sich Menschen mit Behinderungen individuell anpassen lässt.

„Work smart, not hard!“
Wer lean arbeitet, sollte Verschwendung vermeiden. Ein wichtiger Aspekt ist es beispielsweise, die Energie und Arbeitskraft der Mitarbeiter schonend einzusetzen, um sie langfristig zu erhalten. Wenn etwa Arbeiten nicht doppelt durchgeführt werden und der Werker weniger Zeit mit Suchen verschwendet, schont das Körper und Ressourcen. „Work smart, not hard!“ Dafür braucht es den passenden Informationsfluss: Daten und Anweisungen müssen zur richtigen Zeit in der richtigen Menge und ansprechend aufbereitet sein. Dies geschieht über mobile Geräte wie Tablets, Smart Watches oder Smartphones. Eine Industrie-4.0-fähige, vernetzte Montageumgebung ist effizienter und ermöglicht einen höheren Automatisierungsgrad. Zum Beispiel könnten Informationen über den Fortschritt der aktuellen Arbeitsaufgabe per Sensoren erfasst und an übergeordnete Systeme weitergegeben werden. Dann findet etwa die Materialbereitstellung automatisiert statt, oder die Qualität wird mehrstufig Inline geprüft, womit in der stückzahlflexiblen Variantenproduktion nicht nur der gefordert hohe Qualitätsstandard, sondern auch die gebotene Wirtschaftlichkeit gewährleistet ist.

Schall/pb


Motek und Bondexpo
Die 37. Motek – Internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung – und die 12. Bondexpo – Internationale Fachmesse für Klebtechnologien – finden vom 08. bis 11. Oktober 2018 in der Landesmesse Stuttgart statt. Besucher erhalten hier das weltgrößte Angebot an Lösungen für die Automatisierung der Montage. Dazu gehören auch Zukunftsthemen wie MRK und Industrie 4.0 mit praktisch abbildbaren, umsetzbaren Lösungen. Auch Systeme zur Schnittstellenoptimierung, Bus-Systeme sowie alles rund um den Kommunikations-Standard OPC UA für die „Smart Factory“ werden Messethemen sein. Ergänzend zur Montage-Leitmesse findet auch in diesem Jahr wieder die Bondexpo statt; hier geht es um Fügetechnik, Leichtbau-Montage und Klebetechnologie.

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