Montagetechnik für Kunststoffbauteile

Module melden sich selbst

Bei Weiss Kunststoffverarbeitung sollen künftig alle Anlagen, die Kunststoffteile montieren und konfektionieren, vollständig modular aufgebaut sein. Beim Umrüsten melden sich die Module selbsttätig bei der übergeordneten Steuerung an und lassen sich mit wenig Aufwand in den Fertigungsfluss integrieren.

Zu den Montagelinien für Kunststoffteile gehören zum Beispiel auch Module für die Arbeitsschritte Einlegen, Clipsen, Kennzeichnen und Prüfen. Die Modularisierung führt einen Schritt in Richtung "selbstorganisierende Fertigung". (Foto: Weiss)

Anlass für die Einführung dieses Konzept bei Weiss in Illertissen war der Wunsch, in der Hoch- und vor allem in der Tieflaufphase der produzierten Kunststoffkomponenten eine höhere Flexibilität zu erreichen. Geschäftsführer Jürgen B. Weiss: "Wir fertigen viele Bauteile für die Automobilindustrie. Wenn das entsprechende Automodell ausläuft, produzieren wir nur noch diskontinuierlich für den Ersatzteilbedarf. Das bedeutete bisher jedes Mal großen Aufwand für die Umrüstung der Anlagen, die beispielsweise Anbauteile einlegen oder Komponenten montieren." Dieser Aufwand wird künftig deutlich reduziert. Robert Heller, bei Weiss verantwortlich für die Konstruktion der Automatisierungseinrichtungen: "Wir haben für die einzelnen Funktionen, etwa für das Einlegen von Clipsen oder die Vollständigkeitsprüfung, standardisierte Module definiert. Auch die Förderstrecken, die wir in diesen Bereich einsetzen, wurden in Module mit dezentralen Steuerungseinheiten zerlegt."

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Standardisierte Module für verschiedene Produkte

Alle Module kommunizieren über eine Standard-Busschnittstelle miteinander. Sobald eines in die Anlage integriert wurde, meldet es sich selbsttätig an und übermittelt gewissermaßen der übergeordneten Steuerung seine Aufgabe. Die Vorteile dieses Prinzips liegen auf der Hand: Wenn ein ausgelaufener Artikel nachproduziert werden soll, hat Weiss innerhalb von zehn Minuten die Förderstrecke wieder aufgebaut und die Funktionsmodule integriert. Zudem können die standardisierten Module für verschiedenste Produkte eingesetzt werden - und man spart Platz, weil das Konzept aus standardisierten Transportstrecken besteht, zwischen denen die Module für die einzelnen Funktionen eingeschoben werden.

Ein Schritt in Richtung selbstorganisierende Fertigung

Mit der Modularisierung dezentralisiert Weiss die Intelligenz, die in den automatisierten Montageanlagen steckt, und geht einen Schritt in Richtung "selbstorganisierende Fertigung". Damit hat das Unternehmen ein grundlegendes Prinzip dessen verwirklicht, was aktuell als "Industrie 4.0" intensiv diskutiert wird. Einziger Wermutstropfen: Weiss kann dieses neue Konzept, das vollständig im eigenen Haus entwickelt wurde, nur sukzessive einführen und muss bei Produkten, die schon gefertigt werden, noch nach dem alten, aufwändigeren Prinzip vorgehen. Robert Heller: "Wegen der notwendigen Freigaben der Produktionstechnik durch die Kunden können wir bei vorhandenen Produkten kein neues Montageprinzip einführen. Aber bei jedem Neuteil werden die Anlagen nach dem neuen Konzept konstruiert." Davon profitieren auch die Kunden, weil die Fertigung von Weiss vor allem bei kleinen Stückzahlen nun deutlich flexibler wird.    pb

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