Montagetechnik (2,5 S.)

Kühler Kopf für die Schaltung

Ein Verkettungssystem und ergonomische Arbeitsplätze ermöglichen eine höhere Produktivität bei der Kühlgerätemontage
Durch den Einsatz einer angepassten Montagelinie stiegen die Stückzahlen bei einem Hersteller von Kühlaggregaten. Die Arbeitsplätze aus Standardkomponenten eines Baukastensystems haben eine hohe Flexibilität, Vielfalt und ermöglichen das Abfangen von Auftragsspitzen.

Wer erinnert sich nicht an den letzten Sommer? Temperaturen in Rekordhöhe ließen die Nachfrage nach Kühlgeräten emporschnellen. Aber nicht nur der Mensch, auch die Elektronik brauchte ihre verdiente Erfrischung. Das steigerte den Absatz von Wärmeaustauschern und Filterlüftern zur Klimatisierung von Schaltschränken bei Pfannenberg. Die dadurch notwendige Bestandsaufnahme der Montage zeigte Zeitverluste durch wenig organisierte Arbeitsabläufe, zu geringe Ergonomie am Arbeitsplatz und unzureichende Möglichkeiten bei Auftragsspitzen mehr Mitarbeiter einzusetzen. Prozessingenieur Frank Sauer bringt es auf den Punkt: „Wir mussten mehr produzieren und hatten dafür keine Ausbaureserven. Die bisherige Anlage war zu umständlich aufgebaut, nicht präzise genug und entsprach nach ergonomischen Gesichtspunkten nicht mehr den heutigen Anforderungen.“ Die auf der Anlage montierten Kühlgeräte sind mit zwei Metern Höhe und 75 Kilogramm Gewicht nicht gerade handlich. Deshalb war bei der Anlagenprojektierung ein hohes Maß an Kreativität gefragt. Es entstanden ungewöhnliche Arbeitstische, aufgebaut aus Standardbauteilen eines Bosch Rexroth-Programms.

Anzeige

Technik im Dienste der Menschen

Die Tischgröße ist auf die Werkstückträger abgestimmt, so dass man sie auf dem Tisch drehen und die Kühlgeräte von beiden Seiten bestücken kann. In die Tischplatte eingelassene Kugelrollen machen das Handling der schweren Geräte leicht. Der Prozessingenieur erläutert: „Die simpel erscheinende Lösung ist für die Montagemitarbeiter eine enorme Arbeitsentlastung, denn bislang mussten sie jedes Werkstück anheben, um es zu drehen.“ Ebenfalls entlastend macht sich der Einsatz von zwei in die Linie integrierten Hubtischen bemerkbar. Während man die Kühlgeräte früher mit Hilfe eines Lastkrans aufstellte, senken die Mitarbeiter jetzt den Hubtisch ab, lassen das Kühlgerät bequem über die Rollen gleiten und setzen es schräg auf den Werkstückträger auf. Ein weiterer Hubtisch mit Rollen und Zentriermöglichkeit dient als Verpackungsarbeitsplatz. Insbesondere die Höhe der Kühlgeräte brachte zuvor noch ganz andere Probleme mit sich. Während Komponenten, die im unteren Bereich zu montieren waren, die Mitarbeiter buchstäblich in die Knie zwangen, war zum Anbau von Bauteilen im oberen Bereich oft eine Leiter erforderlich. Diese unangenehmen Arbeitspositionen haben nun ein Ende. Durch die Idee, den Arbeitsplatz auf einer Seite des Verkettungssystems mit einem Podest auszustatten, lassen sich die Montagearbeiten jetzt bequem im Sitzen oder Stehen ausführen. Monteure, die Arbeiten im unteren Teil des Kühlgeräts ebenfalls lieber stehend vornehmen möchten, können außerdem das Gerät herumdrehen und sich auf die gegenüberliegende Seite stellen.

Erleichterung durch Vielfältigkeit

Neben diesen Details hat die Montagelinie noch eine Reihe anderer Annehmlichkeiten, von denen sowohl die Mitarbeiter als auch das Unternehmen profitieren. Die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze sorgt für ermüdungsfreieres Arbeiten und reduziert Fehlerquellen wie Konzentrationsmangel. Die Stationen haben Beleuchtungssysteme, Regale und Behälter für die Teilebereitstellung sowie Informationstafeln mit Angaben zu den jeweiligen Arbeitsschritten. Basis hierfür ist ein vielseitig nutzbares Aluminiumprofil mit ausgefeilter Geometrie. In die Nuten des Profils lassen sich Rollen, Querträger, Streckenstützen und weitere Komponenten zur Arbeitsplatzgestaltung einsetzen. Die Rollen klipst man in einen 300 Millimeter langen Rollenträger mit einem Abstand von jeweils 50 Millimetern ein. In Position hält sie ein ebenfalls nur aufgestecktes Kunststoff-Führungsprofil. Gleichzeitig sorgt es für die sichere Führung der Werkstückträger auf der Strecke. Wie die Nuten am Profil ermöglicht auch die T-Nut am Arbeitsplatz vielfältige Anbaumöglichkeiten an fast allen Stellen und lässt schnelle Änderungen der Position zu. Das Verkettungssystem erlaubt auch den Einsatz individueller Aufnahmen. Kunststoffecken sind als Abstandshalter Bestandteil des Programms. Sie verhindern, dass Mitarbeiter sich die Finger zwischen zwei Werkstückträgern einklemmen und ermöglichen die leichtere Kurvengängigkeit.

Flexibilität sorgt für einfachen Anbau

Verglichen mit der früheren Montagelinie ergeben sich zahlreiche Vorteile: Die Arbeitsplätze sind besser ausgeleuchtet, es ist mehr Raum für die Mitarbeiter vorhanden und die Vorgänge transparenter. Bei der bisherigen Anlage waren die Aufgaben nicht an einen definierten Arbeitsplatz gebunden. So kamen Werkzeuge an unterschiedlichen Stellen zum Einsatz, waren nicht fixiert und standen deshalb den Mitarbeitern nicht immer direkt zur Verfügung. Das führte zu unproduktiven Nebenzeiten, die mit dem Einsatz des Verkettungssystems schon nach kurzer Zeit reduzieren wurden. Wie flexibel vor allem die Verkettung der manuellen Arbeitsplätze ist, zeigt sich nicht nur im Anlagenlayout aus Standardbauteilen sondern auch in den leichten Erweiterungsmöglichkeiten. Jedes Kühlgerät durchläuft eine 100-Prozent-Prüfung, bevor es das Werk verlässt. Steigende Produktionszahlen veranlassten den Kühlgerätespezialisten kurz nach der Projektierungsphase dazu, einen zweiten Arbeitspatz mit Prüffeld einzurichten. Bedingt durch den starren Aufbau des bisherigen Systems hätte der Anbau eines weiteren Arbeitsplatzes die Monteure vor eine große Herausforderung gestellt. Die Erweiterung des jetzigen Systems bereitete jedoch kaum Schwierigkeiten. Das einheitliche Konzept mit aufeinander abgestimmten Komponenten machte es möglich, innerhalb kurzer Zeit ein weiteres Prüffeld in die Anlage zu integrieren. Guido Matthes

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Energieeffiziente Antriebe

Da ist noch mehr drin

Umfassender Ansatz für weniger EnergieverbrauchIn Maschinen und Anlagen stecken in der Antriebstechnik große Potenziale zur Effizienzsteigerung. Deshalb beginnt für Rexroth dieses Thema mit der Bereitstellung einer Plattform effizienzoptimierter...

mehr...
Anzeige

Montagetechnik

Jeder Handgriff sitzt

Prozessoptimierung bei Handarbeitsplätzen. Mit dem Assistenzsystem Elam von Armbruster reduzierte Fluitronics Fehlerquote und Umrüstzeiten bei der Ventilblockmontage.

mehr...
Anzeige

Highlight der Woche

Trays oder KLTs direkt vom Bodenroller palettieren

Das Palettiersystem der SAST-Serie von Hirata ist besonders kompakt und benötigt nur eine geringe Standfläche. Es palettiert und depalettiert Trays oder KLTs direkt von handelsüblichen Bodenrollern.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige

Highlight der Woche

Läger optimal planen
Die Planung staplerbedienter Palettenläger stellt eine große Herausforderung dar, gilt es doch, den Zielkonflikt aus Lagergröße bzw. Stellplatzanzahl, Umschlagleistung und Investitionsaufwand bestmöglich aufzulösen. Das Kompetenzzentrum Fabrikplanung der Hinterschwepfinger Gruppe unterstützt mittelständische Unternehmen bei der idealen Auslegung von staplerbedienten Lägern und Logistikzentren.

Zum Highlight der Woche...

Flexibles Lichtband

LED von der Rolle

Das flexible Lichtband LLE Flex IP67 Excite von Tridonic bietet Schutz vor Staub und Wasser und kann in Feuchträumen wie Badezimmern installiert werden. Eine stabile Farbtemperatur ohne Farbortverschiebung lässt auch die Kombination mit anderen...

mehr...