Montage- und Transfersystem A3D

„Ich halte viel von Stabilität“

15 Jahren IPTE: Es begann mit fünf Mitarbeitern, heute sind es 2.200. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Test- und Automatisierungslösungen und setzt seine Erfolgsgeschichte fort. Ein Interview mit CEO Huub Baren in Heroldsberg.
Vater und Sohn: Hubert Baren (li) und Huub Baren. (Foto: Born)



Herr Baren, 1992 haben fünf Ingenieure diese Firma gegründet – wer waren sie, und was hat sie dazu bewogen, Unternehmer zu werden?

Wir fünf stammten damals aus der Firma Phillips. Es war die Zeit der Umstrukturierungen nach dem Motto „Back to the Basics“. Damit waren Konsumgüter gemeint, die damals noch im Kommen waren. Professionelle Aktivitäten, also die industrielle Ausrichtung, waren nicht so gefragt. Da wurde uns fünfen immer klarer, sich besser selbständig zu machen im Bereich Test-Engineering. Und ich gebe zu: Ich war einer der „Anstifter“.

Heute sind Sie der CEO. Wo sind die anderen vier heute?

Einer ist beratend tätig, ein zweiter hat ein eigenes Geschäft in Brüssel, die beiden anderen Kollegen sind noch hier im Unternehmen dabei – das sind Luc Switten und Vladimir Dobosch.

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Frauen waren keine dabei?

Nein, alles Männer. Offenbar ist die Welt der Zahlen, der Physik, der Mechanik eher Interessengebiet der Männer. Frauen sind möglicherweise anderen Themen zugeneigt und eher sozial dominiert. Das ist wohl traditionell so gewachsen.

Die Entwicklung der IPTE ist Ergebnis einer konsequenten und langfristigen Strategie, heißt es in Ihren Pressemeldungen. Was heißt das konkret?

Nun, grundsätzlich planen wir in unserem Unternehmen in langen Zeiträumen und fällen nur nachhaltige Entscheidungen. Es gab wohl drei zeitliche Episoden bisher: Zunächst die neunziger Jahre, die geprägt waren vom großen Wachstum der Elektronik. Die Aktivitäten der IPTE sind gleichermaßen mitgewachsen. Damals waren unsere beiden Geschäftsbereiche, nämlich einerseits die Fabrikautomatisierung und andererseits der Electronic Manufacturing Service, zu jeweils gleichen Teilen ausgeprägt. In der Zeit zwischen 2001 und 2006 haben wir eine Stabilisierung verzeichnet, der Jahresumsatz wuchs inzwischen auf 138 Millionen Euro an. Die Entwicklung seither kann man nicht anders als rasant bezeichnen: Wir erwarten einen Jahresumsatz in Höhe von 250 Millionen Euro. Dieser enorme Schub ist in der Akquisition von Barco in Belgien begründet, das ist allein ein Volumen von rund 65 Millionen Euro.

Wer oder was ist Barco?

Barco ist ein Unternehmen, das sich mit visuellen Systemen auf dem medizinischen und industriellen Markt bewegt. Es hat sich auf Display-Lösungen spezialisiert und einen eigenen Bereich für das Bestücken von Leiterplatten entwickelt. Diesen Bereich haben wir übernommen, denn er passt zu unserem Geschäftsbereich EMS. Derzeit gibt es einen sehr positiven Markt in der Elektronik, deshalb war dies für uns eine gute Ergänzung.


1993 haben Sie mit 0,8 Millionen Euro angefangen, nunmehr hat sich der Umsatz verdreihundertfacht – soll das so weitergehen?

Die Aussichten sind gut. Die Elektronikindustrie wird sich auch 2008 positiv weiterentwickeln, in Europa rechnen wir mit fünf bis zehn Prozent Wachstum. Auch die dynamischen Automatisierungsaktivitäten geben uns neue Impulse: Allgemein wird die Produktion effizienter gestaltet, außerdem ausgebaut, weil sie wächst, und schließlich wird sie ersetzt und erneuert. Deshalb können wir allein im nächsten Jahr wieder um zehn bis 15 Prozent aus eigener Kraft wachsen.


Wie und woher rekrutieren Sie das hierfür erforderliche Fachpersonal – haben nicht auch Sie Schwierigkeiten mit dem Fachkräftenachwuchs?

Unsere beiden Geschäftsbereiche sind grundsätzlich verschieden und erfordern Personal mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Für den Bereich Fabrikautomation benötigen wir qualifizierte Konstrukteure und Elektro- sowie Software-Ingenieure, da ist es schwierig. Da wir in ganz Europa tätig sind, können wir die Situtaution aber international betrachten. So sind wir in Portugal und Rumänien dabei, Werke aufzubauen, da dort die Personalsituation besser ist. Bei unserer Contract-Manufacturing-Aktivität entzerren wir die Situation durch so genannte Frontend- und Backend-Organisation. Die Frontends kümmern sich um die Kunden und in den Backends werden die Aufträge bearbeitet. In den Backends arbeiten allein 1.000 Mitarbeiter in Osteuropa.


Sie sind auch in China präsent – was machen Sie da?

Wir produzieren dort, um unsere europäischen Kunden zu beliefern – und nur die. Das wird hier vom europäischen Markt übrigens sehr geschätzt.


Auch in Rumänien sind Sie unterwegs.

Ja, denn die Frage der Effektivität einer Arbeitsstunde wird hier anders beantwortet. Alles in allem kostet dort eine Personalstunde vier Euro, bei uns sind es mindestens 25 Euro. Die Differenz gibt uns die Möglichkeit, unsere Position auf dem Markt in Benelux zu festigen und zu verteidigen. Die Produktion im Osten verläuft – genauso wie hier – geführt und angeleitet, hat also die gleiche Qualität. Pilotprojekte erledigen wir aber nach wie vor hier bei uns.


Wie sollen die kommenden 15 Jahre für die IPTE aussehen?

Mein Idealbild ist die Kontinuität der Firma, besonders für alle Mitarbeiter in West- und Osteuropa gleichermaßen. Auch den Kunden wollen wir die Sicherheit geben, dass es uns die nächsten Jahre noch gibt. Es besteht überhaupt kein Interesse daran, die Firma zu veräußern – ich bin selbst Teilhaber und will die Strategie auch weiter mitbestimmen.


Sie sind jetzt 66. Denken Sie an Ruhestand?

Ja, auch daran denke ich. Obwohl ich mich fit fühle: Ich schwimme jeden Tag und spiele regelmäßig Tennis. Aber in absehbarer Zeit soll die Position des CEO weitergegeben werden – an wen, werden wir sehen. Dann möchte ich als Vorsitzender des Boards – das ist bei uns eine Mischung zwischen Aufsichtsrat und Vorstand – weiter strategisch mitarbeiten.


Und wie sieht Ihre Strategie aus?

Ich beobachte die Wirtschaft – natürlich auch den Wettbewerb, studiere Zahlen, bereite Akquisitionen vor und plane Niederlassungen. Zwei bis drei Niederlassungen stehen für die nächste Zukunft an. Strategien müssen solide sein und langfristig angelegt. Das dauert oft, man braucht viel Geduld und Überblick. IPTE handelt immer mit großer Weitsicht – und auf jeden Fall halte ich viel von Kontinuität und Stabilität.


Das Gespräch führte Petra Born

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