Mobilität ist Lebensqualität für Behinderte: Automatische Verladung von Rollstühlen

Keine Barriere für den Rollstuhl

Beim Karosseriebauer Senft entstehen Fahrzeugumbauten nach Maß. Das Unternehmen aus Heidesheim bei Mainz ist seit 30 Jahren im Karosseriebau tätig. Seit einigen Jahren hat sich eine dreiköpfige Abteilung auf die Anpassung an die Bedürfnisse behinderter Menschen spezialisiert, so etwa die automatische Verladung von Rollstühlen oder die Verlegung von Pedalen und Schalthebeln. Inhaber Johannes Senft hat dabei festgestellt, dass die Verwendung von Vorprodukten zu aufwendigen Nacharbeiten führt und stark fehleranfällig ist. Aus diesem Grund entwickelt und baut er mit seinem Team eigene Systeme, die die bisherigen Lücken zwischen Vorprodukt und individuellem Einbau schließen.

Hilfreiche Unterlagen

Mit Sonderkonstruktionen macht der Karrosseriebauer Senft Rollstuhlfahrern das eigenständige Nutzen eines Pkws möglich. (Fotos: Rollon)

Diesen eigenen Weg geht er seit vier Jahren. Für aktuelle Projekte zur Verladung von Rollstühlen verwendet er Teleskopschienen von Rollon. Sowohl die Qualität der Produkte als auch die der Kundenbetreuung haben Senft restlos überzeugt. Gerade für Nicht-Ingenieure, sagt er, seien die Verkaufsunterlagen, aus denen auf einen Blick Tragzahlen und Momente hervorgehen, ausgesprochen hilfreich bei der Wahl der richtigen Linearführung. Als ebenso große Hilfe schätzt Senft die Unterstützung von Rollon bei der Berechnung. Die Statik seiner Konstruktionen wird jeweils nachgerechnet und Rollon schlägt gegebenenfalls alternative Lösungen vor. Die Überprüfung der Belastung gibt dem Kunden die Sicherheit, einen funktionsfähigen Auszug zu bekommen, was für Senft ausschlaggebend ist. Denn so ärgerlich und kostspielig Ausfälle in der Industrie auch sind, bei Funktionen am Pkw muss der Betrieb ohne Ausfälle gewährleistet sein. Mittlerweile, sagt Senft, gibt es kaum ein Projekt, an das sich sein Team nicht herantraut. Für die Verladung eines Rollstuhls in Übergröße etwa wird ein Teilauszug der Baureihe ASN verwendet. Die Tragekonstruktion ist an der hinteren Autotür befestigt, die zur besseren Handhabung seitenverkehrt eingebaut wurde. Die gesamte Verladung erfolgt vollautomatisch. Die Baureihe ASN ist eine der sieben Baureihen innerhalb der Produktfamilie Telescopic Rail. ASN bildet in Verbindung mit der Anschlusskonstruktion ein besonders stabiles System. Es ist in den Baugrößen 22, 28, 35, 43 und 63 verfügbar und nimmt in der größten Ausführung mit mehr als einem Meter Hub über 44.000 Newton radialer Last auf. Bei Senft wurde eine ASN 35 mit 530 Millimeter Länge und 558 Millimeter Hub verwendet. Die maximale radiale Belastung dieser Bauröße liegt bei 4282, die axiale bei 2997 Newton.

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Platz für Passagiere

Auch in sehr kleine Autos lässt sich mit den richtigen Ideen eine Vorrichtung zur Verladung eines Rollstuhls integrieren, die noch Platz für Passagiere und Gepäck lässt. Derartige Projekte kann das Senft-Team nach etwa drei bis vier Monaten Entwicklungszeit umsetzen. Die Lebensdauer der Konstruktionen ist in der Regel abhängig von der des Fahrzeugs, da die Vorrichtungen nicht für die weiteren Einsatz in anderen Fahrzeugen geeignet sind. Auch innerhalb eines Fahrzeugtyps verändern sich die Konstruktionen in wenigen Jahren oft entscheidend, sodass die Anpassungen beim einzelnen Auto verbleiben. Auf der Suche nach biegesteifen Teleskopauszügen stieß Senft auf die Website des Ratinger Unternehmens und war dort von der direkten Verfügbarkeit der CAD-Daten begeistert. Ein anschließendes persönliches Gespräch schuf die Basis für eine langfristige Zusammenarbeit, denn Senft braucht einen zuverlässigen Partner für die Linearführungen, wenn nach den ersten Sonderanfertigungen kleinere Serien produziert werden sollen. In den Produktkatalogen sind die zulässigen Tragzahlen und Momente für jede Baureihe mit Zeichnungen und Tabellen eindeutig angegeben, sodass anhand dieser Unterlage die Auswahl des richtigen Produkts schnell und unkompliziert erfolgen kann. Grundsätzlich gilt für Teleskopauszüge, dass bei eher kurzen Hüben die Belastbarkeit des Kugelkäfigs entscheidend für die Tragzahl des gesamten Auszugs ist. Mittlere und große Hübe, wie sie in den Karosserieumbauten von Senft benötigt werden, um die Rollstühle außerhalb des Fahrzeugs aufzunehmen, werden von der Steifigkeit des Zwischenelementes bestimmt. Die anschließende Berechnung bei Rollon dient der Bestätigung und gibt entsprechende Sicherheit für den Betrieb.

Eine Frage der Reaktion

Für die Einzelstücke, die bei Senft gebaut werden, ist auch die schnelle Reaktion auf individuelle Anfragen, z.B. nach Sonderhüben, wichtig. Die Teleskopschienen der Produktfamilie Telescopic Rail eignen sich, um im naturgemäß begrenzten automobilen Bauraum große Hübe umzusetzen. In einem Umbauprojekt kommt der Vollauszug DE43 zum Einsatz, bei dem zwei Führungsschienen das Zwischenelement bilden und die jeweiligen Läufer als festes, bzw. bewegliches Element die Verbindung zur Anschlusskonstruktion herstellen. Der so entstehende quadratische Querschnitt erlaubt hohe Belastungen bei minimaler Durchbiegung. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, weil die Belastung, also die Aufnahme und das Anheben eines Rollstuhls, im voll ausgefahrenen Zustand erfolgt, im Beispiel mit einem Auszug von 1.200 Millimetern. Sonderausführungen dieser Baureihe können auch beidseitige Hübe realisieren. Schienen, Läufer und Kugeln der Teleskopschienen bestehen aus kaltgezogenem Wälzlagerstahl und sind standardmäßig elektrolytisch verzinkt. Erhöhter Korrosionsschutz ist auf Anfrage möglich.

Acht Abläufe überwacht

Für das richtige Zusammenspiel der komplexen Bewegungen hat Senft eine eigene Steuerung entwickelt, die zeitgleich acht Abläufe über Messsysteme überwacht. Dabei sind keine Kalibrierungsfahrten möglich, sondern jede Bewegung ist Teil eines Verladeprozesses und muss ausnahmslos immer funktionieren. Zur zuverlässigen und ruckfreien Bewegung tragen auch die gehärteten Laufflächen bei, die bei Rollon zum Standard in vielen Produktfamilien gehören. Senft bezeichnet sein Angebot als ¿Nische in der Nische¿. Bei ihm werden Kunden fündig, die besondere Lösungen brauchen. Die Umbauten des Senft-Teams verbinden Mechanik und Programmierung, was nur wenige Betriebe anbieten können. Komplikationen und Fehldimensionierungen durch nicht zueinander passende Komponenten kann Senft auf diese Weise ausschließen. Einige Abläufe, z.B. die Bewegung einer Hebebühne, die den Rollstuhl ins Auto schiebt und sich dann absenkt, hat er sich patentieren lassen. Auf dem zukünftig wachsenden Markt der Mobilitätslösungen ist sein Unternehmen durch zahlreiche Vorentwicklungen gut positioniert. Die demographische Entwicklung wird zwangsläufig zu einer erhöhten Nachfrage nach maßgeschneiderten Lösungen führen, da die Bewahrung der Mobilität eine wichtige Rolle für die Lebensqualität spielt. bw

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