Interview

„Die Zukunft gehört der Flexibilität“

Maßgeschneiderte Anlagen im Spannungsfeld zwischen Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. 20 Jahre im Zeichen der Automatisierung von Montage- und Handhabungsprozessen - und das ist erst der Anfang. Über Schwerpunkte und die weitere Entwicklung sprach handling-Chefredakteurin Petra Born mit den beiden Firmengründern und Geschäftsführern Klaus Scholl und Willi Fröhlich.

Beispiel einer Montagestation mit Roboter. (Foto: Indat)

Vor 20 Jahren wurde Indat gegründet, seither ist das Unternehmen stetig gewachsen und behauptet sich am Markt. War das Ihre Erwartung?
Klaus Scholl: Ehrlich gesagt, nein. Wir haben damals die Gunst der Stunde genutzt und uns als Angestellte aus einem ehemaligen Ingenieurbüro heraus selbständig gemacht. Unser Tätigkeitsfeld wollten wir im Prinzip weiterführen, das waren insbesondere die SPS-Programmierung und Entwicklung von Prozessvisualisierungslösungen. Später haben wir dann, dem mechatronischen Ansatz folgend, die Hardwarekonstruktion ins Angebot übernommen. So sind wir Zug um Zug in das heutige Spektrum hineingewachsen.

Will Fröhlich: Wir hatten zwar die Idee, ein solides Ingenieurbüro mit zehn bis 20 Mitarbeitern zu formen. Dass sich irgendwann die Chance ergab, komplette Roboteranlagen zu planen und samt Maschinen- und Schaltschrankbau schlüsselfertig zu realisieren, war so nicht absehbar. Aus heutiger Sicht war es dennoch die logische Konsequenz aus einem wachsenden Tätigkeitsspektrum. Mit der Ende vergangenen Jahres in die Wege geleiteten Umfirmierung wollten wir dahinter auch ein Ausrufezeichen setzen.

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Welche wesentlichen Ziele verfolgen Sie für die nächsten 20 Jahre?
Klaus Scholl: In erster Linie wollen wir weiter gesund wachsen, die Zeichen dafür stehen gut. Die industrielle Fertigung ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Neue Materialen bieten neue Möglichkeiten der Individualisierung von Produkten, schnellere Produktlebenszyklen und eine höhere Produktvielfalt verlangen flexiblere Produktionsanlagen und -strukturen, die Themen Energie- und Flächeneffizienz gewinnen an Bedeutung, wenn es darum geht, die Produktivität zu steigern. Darin liegen jede Menge neue Chancen, und wir sind auf diese Entwicklung bestens vorbereitet.

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Klaus Scholl: Wir integrieren das Thema Flexibilität schon seit vielen Jahren konsequent in die Konzept- und Planungsphase einer neuen Anlage. Alle Anlagen bauen auf eine modulare Technologieplattform mit akzeptierten und kompatiblen Industriestandards bei Hardware, Software und Steuerung. Die Auswahl der Roboter und der Greifersysteme erfolgt hersteller-unabhängig, je nachdem, welche Lösung sich am besten in unser Konzept einfügt und unserem Anspruch in punkto Flexibilität folgt, das heißt im Idealfall genügen ein Werkzeugwechsel und Software-Anpassungen, um die Anlage für neue Anforderungen zu rüsten.

Ihre Kernkompetenz liegt im Bau von maßgeschneiderten Roboteranlagen. Widerspricht ein hoher Individualisierungsgrad nicht dem Anspruch an Flexibilität?
Willi Fröhlich: Ein Widerspruch ist es nicht, sicherlich aber ein Spagat, der bewältigt werden will. Eine maßgeschneiderte Roboterzelle erfüllt die Aufgabenstellung des Kunden möglichst zu hundert Prozent - heute und idealerweise auch morgen. Denn diese Aufgabenstellung ändert sich immer häufiger und schneller. Der Kunde muss auf schwankende Losgrößen reagieren können oder problemlos ein neues Produktderivat in die Fertigung einschleusen können. Diese Anforderungen gilt es, in einem individuellen Konzept zu berücksichtigen. Hier ist es ein Vorteil, dass wir nicht aus dem Maschinenbau, sondern aus der Elektrotechnik kommen.

Warum spielt das eine Rolle?
Willi Fröhlich: Der klassische Maschinenbauer kommt von der mechanischen Seite. Wir haben unsere Wurzeln in der Elektrotechnik, wo die Funktion und ein ganzheitlicher Blick auf den Prozess weit mehr im Vordergrund stehen. Dieses Wissen verbinden wir mit dem Engineering und dem Maschinenbau. Die ganzheitliche Sicht ist eine wesentliche Voraussetzung auf dem Weg zu einer anpassungsfähigen, skalierbaren Anlage. Nur wenn man den kompletten Prozess betrachtet, weiß man, wo man am besten ansetzt, um das Spannungsfeld zwischen Flexibilität und Wirtschaftlichkeit zu überbrücken.

Klaus Scholl: Zudem haben wir unser Leistungsspektrum entsprechend ausgebaut. Heute verfügen wir über das komplette Know-how unter einem Dach, um auch schwierigste Bearbeitungs- oder Handhabungsprozesse, an die sich andere Maschinenbauer oft nicht herantrauen, zu lösen. Manchmal sind schwierige, beengte Platzverhältnisse, ein anderes Mal hohe sicherheitstechnische Anforderungen zu bewältigen. Wir sind von der ersten Machbarkeitsstudie und umfangreichen Prozesssimulationen bis zur CE-Zertifizierung der verketteten Gesamtanlage Ansprechpartner. Auch im Bereich Softwareentwicklung haben wir aufgrund unserer Historie mehr zu bieten als der Maschinenbauer. Es reicht von der individuellen Anpassung von Standardprogrammen, der Verbindung einzelner Softwarekomponenten bis zur Anbindung an Datenbanken, ERP-Systeme und SAP.

Apropos sicherheitstechnischen Anforderungen - sie haben den Ruf, die Flexibilität einer Anlage einzuschränken.
Klaus Scholl: Es ist richtig, dass Sicherheitskonzepte vielfach die Flexibilität einer Anlage deutlich einschränken. Lösungen, die den sicheren Betrieb mit einer Mensch-Roboter-Anordnung bei voller Aufrechterhaltung der gewünschten Flexibilität ermöglichen, sind immer eine große Herausforderung. Doch wenn man die Sicherheitstechnik bei Mensch-Roboter-Kooperationen im Griff hat, erschließen sich hier große Potenziale, denn Anwendungen dieser Art werden in den nächsten Jahren zunehmen. Die Gründe liegen ebenfalls in einer steigenden Variantenvielfalt in der Fertigung und in sinkenden Losgrößen. Hier ist eine Vollautomation schnell unwirtschaftlich.

Derzeit sind die Themen Industrie 4.0 und Energieoptimierung in aller Munde. Wie sehen Sie hier die künftige Entwicklung?
Willi Fröhlich: Industrie 4.0 ist ja nur ein Schlagwort für einen weiteren, sehr markanten Umbruch in der industriellen Produktion und Logistik. Der Begriff mag aus den Köpfen irgendwann wieder verschwunden sein, den Umbruch werden wir dennoch vollziehen. Die Maschinen werden miteinander kommunizieren. Die Roboter-Hersteller werden die nächsten Jahre verstärkt die sensorischen Fähigkeiten ihrer Roboter verbessern, er wird sehen und fühlen lernen. In Verbindung mit flexiblen Greifersystemen und austauschbaren Werkzeugen werden hier völlig neue Möglichkeiten für eine autarke und hochflexible Automatisierung entstehen.

Und wie sieht’s bei der Energieeffizienz aus?
Klaus Scholl: Das Thema wird an Bedeutung weiter zunehmen. Je teurer die Energie wird, umso mehr wird in Effizienz investiert. Bei Neuanlagen ist die energieoptimierte Auslegung natürlich schon eine Selbstverständlichkeit, doch im Retrofit vorhandener Anlagen und in der Energieoptimierung bestehender, verketteter Fertigungsanlagen steckt noch viel Potenzial - nicht nur bei der Energieeinsparung. Denn der Austausch veralteter Komponenten gegen neue Technologien bringt ja noch weitere Vorteile. Üblicherweise steigt dann auch die Produktionsleistung, die Fertigungsqualität und der Bedienkomfort.

Indat bedient vor allem die Automobilindustrie. Wie sieht’s mit anderen Branchen aus?
Willi Fröhlich: Hier in Deutschland, wo wir vorwiegend aktiv sind, bleibt die Automobilindustrie mit den Herstellern und ihren Zulieferern sicherlich auch in Zukunft unser wichtigstes Marktsegment. Aber unser Name zählt auch in der Schmiede- und Gussindustrie. Auch für die Energiebranche, etwa die Fertigung von Komponenten für Wind-, Gas- oder Wasserkraftanlagen, haben wir mittlerweile eine Reihe von Anlagen entwickelt und gebaut.  pb

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