Werkstückträger-Transportsystem

Schlüsselrolle in der Vormontage

Werkstückträger-Transportsystem mit Softmove. Für die Sicherheit von Türen und Schlössern steht der Name BKS. Das Unternehmen im nordrhein-westfälischen Velbert produziert Schließzylinder und Einsteckschlösser. Mit einem Werkstückträger-Transportsystem von Stein gelingt hier die Vormontage von Schließzylindern wirtschaftlich.

Das Werkstückträger-Transportsystem fährt die Roboter prozesssicher und positionsgenau an, denn die Werkstücke müssen sich an der Station in exakter Lage befinden. (Foto: Stein)

1903 gründeten Adolf Boge als Werkmeister und Fritz Kasten als Schlosser in Solingen die „Rheinische Türschließerfabrik Boge & Kasten GmbH“. Schon kurz darauf konstruierten die beiden einen neuartigen Mechanismus für ein nahezu geräuschloses Schließen von Türen. Mit weiteren Innovationen erreichte das Unternehmen schnell Bekanntheit und wurde zum führenden Hersteller von Schließzylindern, Schlössern und Beschlägen. Bereits 1927 übernahm die amerikanische Firma Yale and Town das Unternehmen, fusionierte mit anderen Firmen und schuf so den Produzenten BKS mit Sitz in Velbert. Als weltweit erstes Unternehmen stellte BKS in den 1950er Jahren Panikschlösser her, mit denen sich verschlossene Türen in Notsituationen von innen öffnen lassen. Damit legte das Unternehmen den Grundstein für eine neue Regelung, die den Einsatz solcher Schlösser an den Fluchttüren von Notausgängen in Deutschland vorschreibt und bis heute gilt. 1983 wechselte BKS zur Gretsch-Unitas-Gruppe (GU) im schwäbischen Ditzingen. Die in Velbert produzierten Schlösser und Beschläge gehen an Fachhändler und Baufirmen für Großobjekte. Pro Tag verlassen Schließzylinder im fünfstelligen Bereich das Werk. Auch die Anzahl der Produktvarianten ist fünfstellig. Kurze und termingerechte Lieferzeiten bestimmen den Produktionsalltag. „Wir müssen unsere Prozesse im Unternehmen täglich in Frage stellen, um die sich permanent verändernden Marktanforderungen erfüllen zu können“, beschreibt Martin Dünnebacke, Leiter Arbeitsvorbereitung, die Herausforderung.

Anzeige

Manuelle Montage geriet an die Grenzen
Im Rahmen des Verbesserungsprozesses geriet auch die Vormontage für Schließzylinder ins Visier. Der Zusammenbau erfolgte bis dato manuell und unter Nutzung eines Lagers. Allein für Standardzylinder hält BKS rund 1.000 Varianten vor. Die steigenden Kundenanforderungen nach kurzen Lieferzeiten und hoher Liefertreue brachten die manuelle Montage an den Rand der Kapazität. Eine automatisierte Lösung sollte her – eine Kombination aus manueller Bestückung, Robotertechnik und flexiblem Transfersystem. Der Generalunternehmer Jam aus Radevormwald hatte für das Transfersystem einen Tipp: Stein Automation. Mit den Experten aus dem Schwarzwald entstand in der Folgezeit eine intensive Projektkooperation, in deren Verlauf die Partner viele Detailfragen lösten. Schließlich geriet ein Werkstückträger-Transportsystem (WTS) mit Softmove für den schonenden Transport der Güter und einer Bandbreite von 200 Millimeter in den Fokus – U-förmig angeordnet, acht Meter lang, acht Meter breit und als Durchlauflösung angelegt.

Roboter und Transfersystem verbunden
Die robotergestützte Automatisierung war bei BKS Neuland. Nun erfolgt die Montage der Schließzylinder in fünf Arbeitsschritten: Der Bediener entnimmt die auftragsbezogen bereitgestellten Bauteile aus dem Arbeitsvorrat und steckt sie auf den Warenträger. Eine Kamera kontrolliert die exakte Position. Knifflig wird es an der dritten Roboterstation – dort wird der Schließbart in den einseitig bereits vormontierten Zylinder gefügt. In diesem empfindlichen Bereich darf das Spiel zwischen den Funktionsteilen nur wenige hundertstel Millimeter betragen. „Wir müssen sicher sein, dass sich beim Transport die Positionierung nicht verstellt, sonst passen weitere Teile nicht mehr zusammen“, beschreibt Dünnebacke die Aufgabe. In dieser Montagephase übernimmt Softmove eine entscheidende Rolle – Stein hat diese Funktion für den schonenden und energieeffizienten Transport empfindlicher Güter entwickelt. Die für den Roboter genaue Positionierung ist prozessentscheidend. Sind die Teile verrutscht, gerät der Montageprozess ins Stocken und verursacht hohe Kosten. Softmove sorgt für eine feinfühlige Bewegung der Werkstückträger mit sanften Anfahrten und Stopps.

Martin Dünnebacke, Leiter Arbeitsvorbereitung bei BKS (li.) und Anlagenbediener Wojciech Motyka kontrollieren die Bevorratung der Schließzylinderteile. (Foto: Stein)

An Roboterstation vier erfolgt das Verpressen der Kernhalterringe – mit prozessüberwacht richtiger Presskraft. Der fünfte Roboter entnimmt die fertig vormontierten Schließzylinder und legt sie in definierter Position zur weiteren Montage in einer Box ab. Zusätzliche Linien übernehmen Prozessschritte wie Bestiften und Verpacken für den Versand.

Der Schritt in die Automatisierung in Verbindung mit einem Transfersystem hat sich BKS gelohnt. Das Unternehmen schätzt unter anderem die hohe Modularität der Lösung und die Anpassungsfähigkeit an ein neues Anlagenlayout. Softmove sorgt vor allem die hundertprozentig richtige Positionierung der Güter. Auch die übersichtliche und einfache Steuerung überzeugt; sie passt sich Änderungen und Umbauten an und lässt sich intuitiv bedienen. Außerdem hat das modulare Werkstückträger-Transportsystem bei BKS die Durchlaufzeiten verkürzt. „Wir haben damit viel Zeit gewonnen“, sagt Dünnebacke. Und noch ein Vorteil: Die automatisierte Lösung mit dem Transfersystem habe die Lagerhaltung überflüssig gemacht, was Kosten und Platz spart. pb

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Antriebssystem

Modular und vernetzt

Ein Highlight am Messestand von Stein wird eine komplette Anlage sein, die den energiesparenden Materialtransfer vorführt. Herzstück ist das Softmove-Antriebssystem, das die Werkstückträger schnell und dennoch schonend bewegt.

mehr...

Breitzahnriemen

Extrabreit für den Materialfluss

Habasit hat Breitzahnriemen aus der Habasync-Produktfamilie vorgestellt. Mit einer Breite bis 600 Millimeter sind sie derzeit die breitesten am Markt verfügbaren Zahnriemen und für vielseitige Transportaufgaben geeignet.

mehr...
Anzeige

Sortierlösung

Dauerhaft richtig sortieren

Die Vanriet Group hat zwei umfassende Intralogistik-Systeme für den Logistikdienstleister Geis entwickelt. Beide Lösungen sind ähnlich aufgebaut, bilden jeweils das Herzstück der Sortierbetriebe und sind Teil der Modernisierung der...

mehr...

Routenzug

Unabhängige Spuren

Routenzug mit Einzelshootertechnik. Der Grundstein für reibungslose Abläufe in der Produktion wird in der Logistik gelegt: Wird das benötigte Material dort schnell und zuverlässig an die jeweilige Stufe in der Prozesskette geliefert, können...

mehr...
Anzeige

Highlight der Woche

Trays oder KLTs direkt vom Bodenroller palettieren

Das Palettiersystem der SAST-Serie von Hirata ist besonders kompakt und benötigt nur eine geringe Standfläche. Es palettiert und depalettiert Trays oder KLTs direkt von handelsüblichen Bodenrollern.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige

Highlight der Woche

Läger optimal planen
Die Planung staplerbedienter Palettenläger stellt eine große Herausforderung dar, gilt es doch, den Zielkonflikt aus Lagergröße bzw. Stellplatzanzahl, Umschlagleistung und Investitionsaufwand bestmöglich aufzulösen. Das Kompetenzzentrum Fabrikplanung der Hinterschwepfinger Gruppe unterstützt mittelständische Unternehmen bei der idealen Auslegung von staplerbedienten Lägern und Logistikzentren.

Zum Highlight der Woche...

Transfersysteme

Stauförderer mit Aufzug

Tünkers hat einen Stauförderer mit Aufzugsmodul entwickelt. Damit können auch Streckenführungen mit Höhenabgleich zwischen Bestückung und Entnahme mit einem klassischen Stauförderer abgebildet werden.

mehr...

Kugelrollen

Manuelles Handling dank Federkraft

Sondertraverse für schwere Lasten. Die Wiedenmann Stahlmanufaktur ist auf kundenspezifische Sonderlösungen spezialisiert. Ein Beispiel: eine verstellbare Traverse für einen Windenergieanlagenhersteller mit einfacher Bedienbarkeit.

mehr...