Arbeitsplatzgestaltung

Wer, wie und wofür?

Die Konstruktion eines ergonomisch optimierten Arbeitsplatzes, der die Gesundheit des Mitarbeiters schützt und gleichzeitig flexibel und optimal in der Produktion eingesetzt werden kann, erfordert Beschäftigung mit dem Thema. Wer soll was wo wie häufig durchführen und was darf das Ganze kosten?

Arbeitsplatz mit integrierter Materialzuführung und netzwerkfähiger Ausstattung zur Kommunikation mit FTS-Systemen (Zusammenarbeit Fraunhofer Institut IPA). (Bild: RK Rose+Krieger)

Arbeitsplatz ist nicht gleich Arbeitsplatz. Je nach Tätigkeit unterliegt jeder Platz eigenen Anforderungen. Bei der Konstruktion eines ergonomischen (Montage-) Arbeitsplatzes sollte die Frage nach dem Nutzen für den Arbeitnehmer, die zu leistende Aufgabe und den Betrieb an oberster Stelle stehen. In diesem Zusammenhang kann es sinnvoll sein, sich zunächst die folgenden sechs grundlegenden Fragen zu stellen: Wo steht der Arbeitsplatz? Wer arbeitet dort? Was oder welche Arbeiten erledigt der Mitarbeiter an dem Arbeitsplatz? Wie häufig erfolgen die verschiedenen Arbeitsgänge und Handgriffe? Welches Budget steht für den Arbeitsplatz zur Verfügung?

„Ist der Konstrukteur in der Lage, diese Fragen zu beantworten, hat er bereits ein recht gutes Anforderungsprofil. Zusätzlich ist es immer sinnvoll die Mitarbeiter vor Ort zu befragen“, sagt Michael Amon, Bereichsleiter Technik bei RK Rose+Krieger. Das Unternehmen ist Spezialist für Linear-, Profil- und Verbindungstechnik und bietet gemeinsam mit Partnerunternehmen Technologien an, die für die Gestaltung ergonomischer Arbeitsplätze nach Lean-Kriterien benötigt werden.

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Wer?

Grundsätzlich ist zu klären, ob an dem einzurichtenden Platz immer nur eine Person arbeitet oder ob er so angelegt sein muss, dass mehrere Personen ihre Aufgaben ausführen können. Müssen unterschiedliche Mitarbeiter an ihm arbeiten können, sollte überlegt werden, ob der Arbeitsplatz auf die jeweilige Größe der Person sowie die damit einhergehenden Greifweiten und die Tischhöhe angepasst werden kann. Hierfür bieten sich beispielsweise die Höhenverstellung des Arbeitstisches mittels elektrisch verfahrbaren Hubsäulen sowie die Anpassung der Greifweiten durch elektrisch angetriebene Linearsysteme an.

Welche Arbeiten?

Aluminiumprofile aus dem Blocan-Profilbaukasten bilden in der Regel das Grundgestell des Arbeitsplatzes. (Bild: RK Rose+Krieger)

Ein maßgeblicher Aspekt bei der Konstruktion eines ergonomischen Arbeitsplatzes ist die Art der durchzuführenden Tätigkeiten. Sind sie körperlich stark belastend? Werden die Mitarbeiter vermehrt einseitig gefordert? Hier kann die Belastung mithilfe entsprechender ergonomischer Maßnahmen mindestens minimiert, wenn nicht sogar ganz eliminiert werden.

Neben der Höhenverstellung zur optimalen Anpassung des Arbeitsplatzes an die Personengröße stehen hierzu auch Montageunterstützungssysteme zur Verfügung. Sie helfen beispielsweise dabei, das Werkstück zu wenden oder die zu bearbeitende Stelle in eine gelenkschonende Position zu bringen. Bei der Montage schwerer Werkstücke helfen Kran- oder Hubwagen dabei, die Last auf der Montagevorrichtung oder dem Arbeitsplatz abzusetzen. Allerdings muss dann auch der Arbeitstisch selbst so ausgelegt sein, dass er der hohen Lastdynamik gewachsen ist.

Anders bei der Weiterverarbeitung von Packstücken mit unterschiedlichen Abmessungen – hier ist ein Arbeitsplatz gefragt, der sich sehr schnell an die Packstückhöhe anpassen lässt, um so den Mitarbeiter zu schonen. High-end-Systeme zur Montageunterstützung sind sogar in der Lage, den Nutzer zu erkennen und dann sowohl die Arbeitshöhe vertikal sowie die Materialbereitstellung horizontal und vertikal an die Person anzupassen. Sogar die Werkzeuganreichung lässt sich komplett automatisieren. Werden sicherheitsrelevante Bauteile montiert sollte der Arbeitsplatz zusätzlich zur Nutzererkennung auch mit Quittierungssystemen ausgestattet werden.

Wie häufig?

Ein Montageunterstützungssystem ist sicherlich dann sinnvoll, wenn Produkte mit einer hohen Variantenvielfalt und seltenen Wiederholungen an dem Arbeitsplatz gefertigt werden. Dabei kann ein solches System in Verbindung mit einem entsprechenden Teilemanagement oder ergänzenden Beamer- oder Sensor-gestützten Montagehilfen eine zuverlässige Produktivität garantieren. Wechseln sich zudem dann die Mitarbeiter in einem zweckmäßigen Turnus an einem solchen Arbeitsplatz ab, wird einseitigen Belastungen vorgebeugt. Zugleich gewährleistet eine entsprechende Sensortechnik und ein geeignetes Teilemanagement ein mitarbeiterunabhängiges, gleichbleibend hohes Qualitätsniveau. Massen- oder Serienfertigungs-Arbeitsplätze einer Fertigungszelle unterliegen anderen Anforderungen. Wichtig bei der Gestaltung ist die Berücksichtigung der wesentlichen Kriterien wie Mengen, Variantenvielfalt, Bearbeitungszeiten, Häufigkeiten und sonstiger Besonderheiten.

Welches Budget?

Wie in vielen anderen Bereichen des Alltags gilt auch bei der Konstruktion von Arbeitsplätzen: Billig kann auf Dauer sehr teuer werden. Arbeitsplätze, die ohne jegliche Berücksichtigung ergonomischer Gegebenheiten ausgelegt wurden und nicht viel kosten, können die Gesundheit der Mitarbeiter langanhaltend schädigen und so für lange Ausfallzeiten sorgen. Andererseits entpuppen sich scheinbar kostenintensive Arbeitsplätze, die optimiert nach ergonomischen Anforderungen geplant wurden, auf lange Sicht als die kostengünstigere Lösung. Denn sie schonen die Mitarbeiter, reduzieren Fehlzeiten auf Dauer und sparen so nachhaltig.

Auslegung des Arbeitsplatzes

Einen einfachen Packtisch oder einen Low-Budgetarbeitsplatz kann man überall kaufen. Komplexe, ergonomische Arbeitsplätze, die den Lean-Ansätzen folgen, erfordern jedoch tiefergehende Überlegungen und eine individuelle Fertigung. RK Rose+Krieger bietet mit Lean-Solution Beratung sowie ein umfangreiches Baukastensystem für die Gestaltung individueller, ergonomischer und verschwendungsfreier Arbeitsplätze inklusive dem dazugehörigen Umfeld für Transport und Lagerung.

Zum Baukastensystem zählen elektrisch verstellbare Hubsäulen für die Anpassung der Arbeitstischhöhe ebenso wie Aluminiumprofile und Rohrverbinder für die Realisierung modular aufgebauter Montageeinheiten aus rollbaren Materialwagen, Durchlaufregalen oder auch dreh-, schwenk- und höhenverstellbaren Arbeitsplätzen. Sie erlauben die individuelle Auslegung an die Anforderungen der unterschiedlichen Produktionsprozesse und die Umsetzung kundenspezifischer Lösungen. Die zentrale Idee dieses Systems ist die Eliminierung von Material-, Zeit- und damit Geldverschwendung, die Reduktion von Nebentätigkeiten sowie die Optimierung der wertschöpfenden Prozesse. Im Ergebnis sinken Platzbedarf, Lagerbestände, Durchlaufzeiten, Transportbewegungen und Gesamtkosten. Im Gegenzug steigen Flexibilität, Qualität, Produktivität sowie die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit.

Bernd Klöpper/as

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