Editorial

Revolution noch ohne Schwung

Industry 4.0 hat gute Chancen zum industriellen Stichwort der Saison zu werden. Gern paart sich der Ausdruck mit der Metapher „die nächste industrielle Revolution“. Jetzt aber bekommt der Begriff die offizielle Weihe: Die Hannover Messe nutzt ihn – abgewandelt – für ihre Zwecke und erklärt „Integrated Industry“ zum Leitmotto der Messe 2013. Wir erinnern uns: Unter dem Titel Digital Factory wird der Wandel schon seit etlichen Jahren eingeleitet. Die Revolution lässt auf sich warten – oder die Revolutionäre kommen nicht recht in Schwung. Zur Messe erreichten uns zahlreiche Firmenmitteilungen, die das Ausstellungsmotto unter das Leitmotiv der Messe stellen. Ein willkommener Aufhänger, mehr ist es wohl noch nicht.

Die totale Vernetzung aller Produktionsaggregate und -materialien stellt sich als eine gewaltige Herausforderung dar, die bis zur Umsetzung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Allein ein Blick auf die zahlreichen Schnittstellen der Maschinensteuerungen gibt Auskunft darüber, wie umfangreich hier eine Standardisierung angegangen werden will – und dies angesichts eines Weltmarkts, der in vielen Ländern noch überhaupt nicht aufnahmebereit für diese Technologie erscheint.

Mit der Technik der Schnittstellen variieren die Protokollsprachen. Wir stehen hier vor dem gleichen Wirrwarr wie im Consumer-Bereich. Ob Android, IOS oder Windows – jeder will irgendwie das Gleiche und bietet doch eine kaum perfekte Lösung, die in regelmäßigen Abständen aufgehübscht wird und den Nutzer nur wenige Generationen alter Geräte bereits ohne Update alleine lässt.

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Was der Verbraucher aber gemeinhin in aller Ruhe daheim am Rechner erledigen kann, setzt in der industriellen Anwendung professionelle Systemintegratoren voraus, deren Schlüsselposition mit Umsetzung von Industry 4.0 immer wichtiger werden. Wenn es nur das wäre. Damit steigen aber die Kosten nur schwer kalkulierbar an. In einigen Bereichen liegt der Kostenanteil der Systemintegration heute bereits bei 70 Prozent. Da ist ein Ende aber sicherlich noch nicht erreicht. Aussichten, die Unternehmen zögern lassen.

Aber: An der Vernetzung von Produktionsabläufen führt wohl kein Weg vorbei, wenn die hiesige Industrie wettbewerbsfähig bleiben will. Die Unternehmen müssen sich darauf einrichten. Damit einher geht aber auch eine Veränderung in den Verantwortlichkeiten. Der IT wächst noch stärkere Bedeutung zu. Und Verantwortung. Denn eines will rechtzeitig geklärt sein: Wer hält den Kopf hin, wenn Maschinen, Material und Menschen aneinander vorbeireden?

Viel Erfolg auf diesem spannenden Weg.

Herzlichst
Ihr
Bernd Waßmann
Stellv. Chefredakteur handling

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