Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

2011, was ein Jahr fürs Geschichtsbuch. Die Ereignisse der letzten Monate lassen uns, global betrachtet, atemlos zurück. Sie ziehen eine lange Spur hinter sich her und werden uns auch künftig intensiv beschäftigen.

Was mit der Jasmin-Revolution in Tunesien einen verheißungsvollen Anfang nahm, ging mit einer zunehmend blutigen Arabellion in Ägypten, dem Jemen, Lybien und Syrien weiter. Ob am Ende offenere, liberale Gesellschaften stehen, bleibt einstweilen offen.

Der 11. März brachte die verheerenden Katastrophen in Fukushima, ausgelöst durch Erdbeben und Tsunami. Bis heute hat uns das Atom-Desaster in Bann geschlagen. Die Havaristen befinden sich noch nicht in einen beherrschbaren Zustand.

In den letzten Wochen überrollte uns die Aufklärung einer Gewaltwelle von Neonazis, die berechtigte Zweifel an den Verfassungsschutzdiensten hinterließ. Auch hier liegt der Beginn des Terrors lange zurück. Und niemand wollte Serienmorde an ausländischen Geschäftsleuten mit Fremdenfeindlichkeit in Verbindung bringen, die dem Image des Wirtschaftsstandorts reichlich abträglich sind. Was für eine fatale Fehlleistung.

Das trifft auch für die EU-Schuldenkrise zu. Der Euro weist Konstruktions- und Politikfehler auf, für die wir jetzt bezahlen müssen. Weder EU noch nationale Regierungen machen den Eindruck, sie wüssten, wie sie mit der Krise umgehen können. Die Euro-Krise ist wie ein Buschfeuer. Laufend entstehen neue Brandherde, wenn ein anderer eingegrenzt scheint.

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Bei alledem zeigte die bundesdeutsche Konjunktur eine bemerkenswerte Stabilität. Atemlosigkeit auch in der Konjunktur. Bis zur Motek war in unseren Branchen an einer weiteren positiven Entwicklung keinerlei Zweifel entstanden. Auch auf der SPS sahen prominente Unternehmensführer eine Krise als Thema fabulierender Politiker, Wirtschaftsforscher und Journalisten. Deutschland kämpft in einer globalisierten Welt um eine Sonderkonjunktur. Noch ist hierzulande nicht entschieden, ob vermindertes Wachstum, Stagnation oder gar Rezession drohen. Vor allem scheint das kurzfristige Auf und Ab der Wirtschaftszyklen eher der Normalfall zu werden. Darauf müssen wir uns einrichten.

Das nächste Jahr bringt damit wirtschaftlich erneut Hochspannung, auch wenn vielen ein wenig Luftholen nach dem Powerstress der letzten Monate willkommen scheint.

Die Redaktion wünscht allen Lesern Zeit zum Ausschnaufen an Weihnachten und zur Jahreswende. Einen guten Start und, wie auch immer es kommt, wir freuen uns auf ein Wiedersehen in 2012.


Herzliche Grüße und alles Gute aus der Redaktion in Darmstadt

Ihr

Bernd Waßmann

Stellv. Chefredakteur

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