Editorial

Effizienz ist Marketing

Neben neuen Runden in der Endlosschleife der EU-Schuldenkrise rutscht unvermittelt wieder die Energie in den Mittelpunkt des Interesses. Brüssel winkt mit einer im Ministerrat abgesegneten Effizienzrichtlinie, Verabschiedung vermutlich im Herbst, bei deren Zustandekommen sich Deutschland nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Auch andere Staaten haben zur Verlängerung der Suppe kräftig beigetragen. Deswegen werden die Ziele einer 20prozentigen Emissionsminderung nicht erreicht werden. Stattdessen müssen wir mit Einsparungen von 17, vielleicht auch nur 15 Prozent auskommen. Die Richtlinie sieht nämlich vor, dass die Staaten den Energieverbrauch bis 2020 jährlich um 1,5 Prozent senken. Wie sie das machen, bleibt im weiten Umfang ihnen selbst überlassen. Nicht alleine die Einsparung zählt. Auch eine bessere Produktivität aus gleichen Energieäquivalenten wird angerechnet. Gemeinsames Handeln fordert EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Interview. Von Harmonisierung ist nur bei den Zielen die Rede, bei den Maßnahmen keine Spur.

Umwelt- und Klimaschutz wird weltweit nach nationalen Interessen definiert. Siehe Rio. Und im eigenen Land ist Klientelpolitik an der Tagesordnung. Dabei ist eigentlich jedem klar, dass Klimaschutz Zukunftssicherung ist. Aber auch die verwässerte Festlegung der Sparziele geht der Industrie zu weit. Beim BDI wird schon vorgebaut: „Tief enttäuscht.“ Dies gilt vor allem, weil die bisherigen Maßnahmen nicht in ausreichendem Umfang nachträglich berücksichtigt werden.

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Der BDI vertritt weiterhin Meinungen, die von den Mitgliedern bereits stillschweigend in die Schublade geräumt wurden. Effizienzstrategien in der Wirtschaft stehen in der Agenda heute oben auf. Die Konstrukteure und Ingenieure beweisen täglich, dass die Reserven, die in der Wirtschaft energietechnisch stecken, gehoben werden können. Die Einsparpotenziale im Maschinen- und Anlagenbau gehen weit über die 20-Prozent-Marke aus Brüssel hinaus. In einigen Fällen ist von 70 Prozent die Rede. Investitionen werden deswegen vor der Entscheidung auf Effizienz hin geprüft. Da verhält sich der Unternehmer nicht anders als die Hausfrau beim Kauf eines neuen Kühlschranks.

Die positiven Auswirkungen dieser neuen Einkaufspolitik werden die Unternehmen in den nächsten Jahren bei den Energierechnungen zu spüren bekommen. Das wird den Trend zu mehr Effizienz beim Energieeinsatz noch stärken. Gleichzeitig ist die Effizienzstrategie der Maschinenbauer Marketing par excellence, denn der Maschinenbaustandort Deutschland kann seine herausragende, weltweite Vorrangstellung unterstreichen. Damit gewinnt nicht nur die Umwelt sondern auch die Wirtschaft,


Herzlichst Ihr

Bernd Waßmann

stellv. Chefredakteur

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