Editorial

Zeit für Besinnung?

Liebe Leserinnen und Leser,

die diesjährige HMI war mit viel Spannung erwartet worden – auch von der handling-Redaktion. Ob die Messe wirklich erfolgreich war und die Fachkontakte Früchte tragen werden, bleibt abzuwarten. Der Auftakt jedenfalls geriet bemerkenswert verhalten – beinahe leere Hallen und Parkhäuser, gedämpfte Stimmung, ja fast ein Gefühl, als bewege man sich in Watte eingepackt. Erst ab Dienstag stellte sich dann das gewohnte Bild der bevölkerten Flure wieder ein. 210.000 Besucher, 6.150 Aussteller, 224.800 Quadratmeter. Die HMI sei ein Innovationsfeuerwerk gewesen, hieß es in einem der Resümees am Ende der Messewoche, freilich vor düsterem Himmel.

In der Tat fiel auf, dass die gegenwärtige Krise auch enorme Antriebskraft zu haben scheint: Viele Firmen hatten gleich einen ganzen Strauß von Neuigkeiten mitgebracht, neue Produkte, neue Lösungsansätze, neue Ideen. In den vergangenen Boom-Jahren musste die Industrie mit hechelnder Zunge die Aufträge abarbeiten, da blieb wohl wenig Zeit zum Nachdenken. Das ist jetzt anders. Forschung und Interesse gelten der Energieeffizienz in allen nur denkbaren Bereichen – sie war überragendes Thema in allen Hallen, nicht nur als bloßes Schlagwort, sondern mit beeindruckenden Aussichten.

Besonders auffallend war, dass niemand gejammert hat. Obwohl drastische Umsatzeinbrüche, Verluste, Kurzarbeit und Entlassungen über den meisten Unternehmen nicht mehr nur als Damoklesschwert hängen, sondern bei vielen längst Wirklichkeit geworden sind, war die Stimmung in Hannover gut – bemerkenswert optimistisch und zuversichtlich. „We try to react“, sagte zum Beispiel Sonia Bonfiglioli, die diese Zeit als „moment of challenge and opportunities“ beschreibt.

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Der sonst unablässig stampfende und brummende Maschinenbau ist gewaltig ins Stocken geraten und leise geworden – keine Aufträge, keine Investitionen. Jeder hält sein Geld zusammen. Das ist Innehalten und Aushalten zugleich. Das bisher gewohnte Bild unserer Boom-Branche stimmt nicht mehr. Die wirkliche Lage nicht zu verleugnen – sie desolat zu nennen dürfte nicht übertrieben sein – und dennoch nicht in Panik zu geraten, sondern von Hoffnung getragen an der Zukunft zu arbeiten, das war das eigentlich beeindruckende und bleibende Erlebnis der HMI. Diese Haltung hat Stil. Es dürfte nicht übertrieben sein, sie Demut zu nennen.


Liebe Leserinnen und Leser, nutzen Sie dieses Frühjahr für neuen Schwung!

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Petra Born

stv. Chefredakteurin

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