Editorial

Vor der Hoffnung keimt die Angst

Der Ifo-Index der deutschen Wirtschaft steigt und steigt, vom letzten Monat mal abgesehen. Von der guten Stimmung ist aber in einigen Märkten noch nichts angekommen. So fällt die Bilanz des VDMA über das letzte Jahr noch verheerender aus, als es zunächst angekündigt war. Statt 20 Prozent sackte sie sogar 25 Prozent in den Keller. Die Bestellungen gingen um 38 Prozent zurück. Einzelne Branchen lagen noch gewaltig darüber. Bei den Baumaschinen betrug der Rückgang 45 Prozent, in der Productronic, also bei den Geräten und Maschinen für die Elektronik-Produktion, 42. Deswegen werden sich die Robotik und Automationsunternehmen mit 33 Prozent minus nicht glücklicher schätzen. Ein bisschen weniger schlimm sieht es bei der Antriebstechnik aus: 26 Prozent weniger. Unter den Branchenschnitt rutschen die Fördertechnik (minus 20 Prozent) und die Elektrische Automation mit einem Verlust von 24 Prozent. Nur der Vollständigkeit halber und keineswegs tröstend: Hütten- und Walzwerkszeugseinrichtungen legten um satte 32 Prozent zu. Aber, dort war das Vorjahr bereits verheerend ausgefallen.

Da scheint es eher ein Wunder, dass die Maschinenbauer bislang noch nicht zur Entlastung auf Entlassungen zurückgegriffen haben. Strategische Personalreserven, darum geht es. Der nächste Aufschwung kommt mit Sicherheit, kündigt sich gar schon zaghaft in einigen Branchen an. Da muss der Maschinenbau sein qualifiziertes Personal halten, weil es knapp zu werden droht. Einiges an Entlastung brachte bereits der Abbau von Zeitarbeitsplätzen. Dennoch, die Krise ist für den Maschinenbau ist noch nicht ausgestanden. Erfahrungsgemäß hinkt der Auftragseingang stets ein halbes Jahr hinter der allgemeinen Entwicklung der Märkte hinterher. Das beutet im Umkehrschluss: Erfolge werden erst in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Bis dahin geht es sogar noch weiter bergab, weil jetzt die Auftragseinbrüche zu Buche schlagen und die Überhänge aus den goldenen Boomzeiten abgearbeitet sind.

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Nicht umsonst wird auf breiter Front mit einem Anstieg der Firmeninsolvenzen in diesem Jahr gerechnet. Von 40.000 ist die Rede, wenn Schätzungen abgegeben werden. Da hat die Angst in den Unternehmen Konjunktur. Eine Kapazitätsauslastung von durchschnittlich 72 Prozent lässt vor allem bei den kleineren Anbietern Ausfälle erwarten. Die sind aber oftmals entscheidender Innovationsträger als Zulieferer und deswegen ein Nerv des technischen Fortschritts. Der Maschinenbau ist noch nicht über den Berg.

Dazu kommt die erwartbare Kreditklemme, wenn der Bedarf bei anziehender Konjunktur wieder steigt. Matte 300 Millionen Euro stellt die Deutsche Bank für den Mittelstand bereit. So steigt die Stimmung kaum.

Ihr Bernd Waßmann

stv. Chefredaktuer

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