Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Gerhard Schubert, einer der Leitwölfe des Verpackungsmaschinenbaus, definiert Nachhaltigkeit neu. Er freut sich nämlich, dass Maschinen aus den 70er-Jahren, die er für die Markenikone After Eight gebaut hatte, heute noch laufen. „Sie haben in 38 Jahren“, schreibt Gerhard Schubert, „rund 90 Milliarden After-Eight-Blättchen verpackt.“ Auch den Besitzerwechsel von Rowntree Mackintosh zum heutigen Eigner Nestlé haben die Maschinen-Dinos mitgemacht. Zwar sind After-Eight-Verpackungen ökologisch gesehen eher ein Desaster, weil mit hohem Aufwand jedes Blättchen einzeln verpackt wird. Aber sie sind ein markentechnischer Dauerbrenner, der die gesamte Produktgattung geprägt hat, weil auch die Nachahmer-Produkte der Discounter auf diese Verpackungsform zurückgreifen.

Ist eine derart alte Maschine tatsächlich als nachhaltig zu betrachten? Sind Wartungsaufwand, Materialverbrauch und Energieeinsatz mit der Sustainability vereinbar? Nachhaltigkeit umfasst ökonomische, soziologische und ökologische Komponenten und ist keine Idee des letzten Jahrhunderts, sondern weist auf einen Gedanken in der Forstwirtschaft aus dem Jahr 1560 zurück. Der Grundsatz einer Bewirtschaftung des Waldes, der ausgewogene Entnahme und Nachwuchs des Rohstoffs Holz vorsieht, zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch die Forstwirtschaft. Wir wissen, der Gedanke ist in vielen Fällen nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

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Ähnliches beklagt auch Gerhard Schubert, der den Maschinenbau in der nachhaltigen Entwicklung weiter fortgeschritten sieht, als es die Kunden nutzen. Alle kennen und loben die Konzepte: erhöhte Energieeffizienz, vorbeugende Wartung, flexible Auslegung der Anwendung, Integration nachträglicher Funktionen, Verwendung recyclingfähiger Materialien etc. Allein, so scheint es, die Bemühungen treffen nicht auf viel Gegenliebe. Der Widerhall bleibt verhalten. Das Kaufinteresse ebenso. Am Geld liegt es wohl, mutmaßt Schubert. Doch das alleine ist es nicht. Zwar zwingt die schiere Notwendigkeit die Investoren zu einem preiswerten Einkaufsverhalten. Aber Preiswürdigkeit zeigt sich eben auch über längere Sicht.

Tatsächlich werden die maschinenbautechnischen Trends heute anderswo gesetzt. Immer stärker drücken die asiatischen, voran die chinesischen, Kunden ihre Wünsche bei Maschinenkonzepten durch. Das schlägt durch bis in die Entwicklungsabteilungen. Wo mancher schwäbische Maschinenbauer noch am liebsten für die Ewigkeit bauen würde, sucht der asiatische Markt nach preiswerten Maschinen für begrenzte Einsatzzwecke und -zeiten. Und das widerspricht allen Erwartungen an die Nachhaltigkeit. So diktieren die Hoffnungsträger des Markts ihre Bedingungen. Und diese Konditionen sind nicht immer derart, wie sie Gerhard Schubert gerne hätte. Insofern ist der After-Eight-Maschinenpark ein Symbol, das so gar nicht in die Zeit passt.

Verlag und Redaktion wünschen Ihnen geruhsame und angenehme Feiertage. Lassen Sie es ruhig angehen. Der Aufschwung bringt ein Jahr mit sich, das anstrengend genug wird.


Alles Gute wünscht Ihnen

Bernd Waßmann

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