Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Helmut Schmidt rauchte Menthol-Zigaretten, trank Cola und stritt als Bundeskanzler gegen jene studentische Jugend um den Nato-Doppelbeschluss, die heute in den Chefsesseln der deutschen Wirtschaft sitzt. Das war Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals wurde die Produktkostenanalyse entwickelt, einhergehend mit der sogenannten Zielkostenanalyse. Beides sind probate Mittel, Ausgaben innerhalb des Unternehmens zu senken, sorgen sie doch für erhöhte Transparenz bei zugekauften und eigengefertigten Waren.

Helmut Schmidt ist als Eldest Statesman aktueller und angesehener denn je. Bei der Produktkostenanalyse gilt das Gegenteil. Zwar hat die Methode seit der Entwicklung eine Reife erreicht, die den Einsatz in der produzierenden Industrie nahelegt. Dennoch ist es damit nicht weit her. Obwohl die Produktkosten für Hersteller von zentraler Bedeutung sind, bereitet es offensichtlich erheblich Schwierigkeiten, in einem frühzeitigen Stadium, nämlich im Entwicklungsprozess, Kosten zu ermitteln, zu bewerten und zu beeinflussen.

Gerade aber da ist dies von hoher Wichtigkeit. Während des Produktentstehungsprozesses werden 75 Prozent der Aufwendungen für ein Produkt festgelegt. Aber die häufige Änderung an Stücklisten, Konstruktionen, Materialien, Lieferanten, Mengen oder Dimensionen machen daraus eine komplexe Angelegenheit. Ingenieure verzichten deswegen auf diese Kostenanalyseergebnisse. Demgegenüber steht aber das Plus: Es lassen sich namhafte Einsparungen erzielen. Fachleute sprechen von einem Viertel, manche gar von einem Drittel. Die andere Seite sind die zugekauften Teile. Hier werden in der Phase der Preisanalyse Produkte zerlegt und in Kostenparameter aufgeteilt, etwa Lohn-, Material-, Fertigungs-, Veredelungskosten und viele weitere Ausgaben, die die Gesamtkosten eines Produkts darstellen. Das gibt dem Einkauf eine starke Argumentationshilfe an die Hand.

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Während rund 80 Prozent der Unternehmen glauben, sie müssten die Produktkosten senken, vertrauen gerade mal 22 Prozent auf die Prozesskostenanalyse als Mittel der Optimierung. Das ergab kürzlich eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, der Uni St. Gallen und des Beraters Costdata Cost Engineering. Wie immer ist das Bild differenziert. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer zeigen ab 50 Mio. Euro Umsatz verstärktes Interesse (61 Prozent Anwender). Kritischer ist der Maschinenbau zu betrachten. Bei Unternehmen mit weniger als 100 Mio. Euro Umsatz schaut gerade mal jeder Zehnte genau hin. Auf diesen Unternehmen ruht jetzt und künftig erheblicher Kostendruck. Insofern ist es ein schlechtes Vorzeichen, dass die deutsche Industrie den Trend verpennt.


Ihr

Bernd Waßmann

Stellvertr. Chefredakteur handling

PS: Ab Seite 32 werfen wir gemeinsam mit dem Messeveranstalter P. E. Schall, mit dem uns eine Medienpartnerschaft verbindet, schon mal einen Blick auf die diesjährige Motek. Übrigens: Unsere Messe-Hauptausgabe, die am 27. September erscheinen wird, stocken wir um mehr als 17.000 (registrierte Motek-Besucher) auf dann insgesamt 45.600 Exemplare auf!

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