Editorial

Genau hinsehen

Auf der Hannover Messe wurde es von Kuka ganz klar als Nahziel ausgegeben: Die Abhängigkeit von der Automobilindustrie muss schnell verringert werden. Für die Augsburger bedeutet dies: Bald soll jeder zweite Euro der Robotersparte aus anderen Sektoren kommen.

Automobile, ganz klar, sind ein zyklisches Geschäft, konjunkturanfällig noch dazu. Zudem befindet sich die Automobilwirtschaft im Umbruch: In einem überschaubaren Zeitrahmen, bei der nächsten oder übernächsten Neuanschaffung, könnten die Verbraucher beginnen, die persönliche Mobilität neu zu definieren. Benötige ich für meinen und den familiären Bedarf eigentlich eine derart große Limousine? Ist die Nahbereichsbeweglichkeit nicht von größerer Bedeutung? Welche Antriebskonzepte haben Zukunft? Strom, Wasserstoff oder doch fossile Energieträger? Die Automobilwirtschaft hat gegenwärtig die notwendigen Antworten noch nicht parat, sondern experimentiert mit wenig praxisgerechten Konzepten im nutzfreien Raum. Dabei müssen die Antworten bald auf den Tisch. So oder so.

Das könnte den Sektor der individuellen Mobilität komplett neu regeln und ordnen. Die traditionellen, starken europäischen und asiatischen Marken sind nicht automatisch auch bei den geforderten Antworten die Gewinner. Das kann zu Marktturbulenzen führen, die nebenbei die Zulieferindustrie durcheinanderwerfen. Für die Hersteller von Robotern sowie Montage- und Handlingeinheiten kommt der gegenwärtige breite Konjunkturaufschwung gerade zur rechten Zeit, um die eigenen Positionen und Abhängigkeiten zu definieren und neu zu justieren. Was Kuka trifft, das bedeutet insgesamt ein deutliches Handicap der gesamten Branche: die Abhängigkeit von der hohen Wertschöpfung aus der Mobilitätsbranche.

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Natürlich, längst sind die neuen Zielbranchen für den gesamten Bereich ausgeguckt: Medizintechnik, Pharma, Nahrungs- und Genussmittel, aber auch Lifestyle-Branchen wie alternative Energien, Kosmetik, Mode, Möbel und Holz. Damit stößt die Branche aber auch in Bereiche vor, die bekanntlich kostenmäßig ihren Druck regelmäßig und routiniert an die Zulieferer weitergeben, weil die eigenen Margen eng sind. Die Eroberung der neuen Marktsegmente wird kein Selbstläufer. Gleichwohl ist sie notwendig und dürfte auch erfolgreich anzugehen sein, denn die neuen Zielbranchen erkennen die Notwendigkeit ausgefeilter Fertigungstechnologien, um wettbewerbstechnisch bestehen zu können. Nur, nicht immer fällt das unbedingte Verständnis für die Bedürfnisse der neuen Zielgruppen auf: Reinraum, Takte, Flexibilität und Mobilität seien hier einige Stichworte. Es wird notwendig sein, genauer hinzuschauen. Denn das Verstehen, wie die Zielbranchen ticken und was sie treibt, wird notwendig sein, um Robotik sowie die Montage- und Handhabungstechnik weiter im Weltmarkt zu etablieren. Die gegenwärtigen Erfolge bei der Rückeroberung verlorenen Terrains dürfen nicht verdecken, wie substantiell das Besetzen neuer Felder sein wird.


Ihr

Bernd Waßmann

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