Editorial

Eine Krise am Ende?

Kaum eine Pressekonferenz war in letzter Zeit mit größerer Spannung erwartet worden als die des VDMA zur Konjunkturprognose für 2010 (Bericht auf Seite 4; ausführliche Version auf http://www.handling.de).

„Geht die Krise jetzt zu Ende?“, war die allseits mit Spannung gestellte Frage. Nun, die Antwort von VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein erinnerte an die im Volksmund Radio Eriwan zugeschriebene Redewendung „Im Prinzip ja, aber…“. Trotzdem sagte Wittenstein Beachtliches: Es gibt zwei wichtige Bereiche, die bereits wieder signifikant zulegen: Fluidtechnik und Textilmaschinen.

Klar ist: Andere Bereiche werden folgen, denn sämtliche Indikatoren sprechen dafür. Nur drei Beispiele: Der von Wirtschaftswissenschaftlern geradezu prophetisch begutachtete Ifo-Geschäftsklimaindex steigt seit März Monat für Monat wieder spürbar an. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) schätzte im September, dass die Wirtschaft jetzt wieder merklich in Schwung kommt. Der Bankenverband schlägt in die gleiche Kerbe und prognostiziert für 2010 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.

Jetzt mit Optimismus in die kommenden Monate zu gehen, ist angesichts der Rahmenbedingungen genau die richtige Einstellung. Die Verkaufszahlen steigen in vielen Unternehmen wieder, wenn auch mit der für den Maschinen- und Anlagenbau typischen Zeitverzögerung gegen- über anderen Branchen.

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Wittenstein betonte, dass eine positive Grundeinstellung der Maschinenbauer ganz erheblich mit zur Genesung der Wirtschaft beitragen kann: „Sie müssen das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung wieder gewinnen, dann werden sie auch wieder in neue Maschinen und Anlagen investieren.“

Angesichts des Aufatmens sind aber auch mahnende Worte notwendig, denn wir dürfen unsere Erwartungen nicht übertreiben. Die Krise von 2008/2009 ist die schlimmste der Nachkriegszeit – sogar um ein vielfaches heftiger als die von 1973. Das bedeutet, die Rekordumsätze der vergangenen Jahre werden vorerst nicht wieder erreicht werden.

Genauso wichtig ist, dass es nicht einfach weitergehen darf wie bisher. Die Wirtschaftswelt befindet sich mitten in einer Umwälzung. Das Streben nach kurzfristiger Gewinnmaximierung wird vielerorts gegenüber langfristigen Wachstumsstrategien zurückgedrängt. Die Spielregeln für Finanzierungen und zum Teil auch die die gesamten Wettbewerbsbedingungen haben sich verändert. Für die vorwiegend klein und mittelständisch aufgestellten deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ist das bestimmt kein Nachteil. Gerade die vielen kleinen und mittleren Unternehmen werden davon dank ihrer Flexibilität und ihres von vorneherein eher langfristig orientierten Denkens profitieren.


Mit besten Wünschen für

die kommenden Monate

Frank Fladerer, Chefredakteur

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