Meinung

Markt der Möglichkeiten

Die Datenspäher haben es mühelos wochenlang in die Topnachrichten gebracht, so ungehemmt lauschten Geheimdienste aus den USA, Großbritannien, Frankreich und wer weiß, wo sonst noch, an den Datenkabeln, dass einem normalen Beobachter Hören und Sehen vergeht. In den USA sind 35.000 NSA-Mitarbeiter mit Aufzeichnung und Auswertung befasst. Große Aufregung deswegen in Teilen Europas. Die Amis lässt das kalt. Die New York Times berichtet mal so nebenbei - quasi Notizen ab Seite vier. Dabei ist der Abgriff von Informationen ein internationales Phänomen, von dem sicherlich erst die Spitze des Eisbergs an die Oberfläche kam.

Aber die Schlapphüte haben auch die Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt, das bislang in vielen Unternehmen zu wenig Beachtung findet. Netzwerke der Industrie werden zwar vermeintlich ordentlich abgeschirmt. Dennoch gelingt es Hackern immer wieder, auch in die Netze großer Industrieunternehmen einzudringen. Betriebsspionage bezieht sich heute auf das Abgreifen firmeninterner Daten. Parallel setzt die Industrie auf flexibilisierte Fertigungsstrukturen, die eine individuelle Produktion von Serienprodukten ermöglichen. Kein Auto gleicht heute mehr dem anderen. Die Modellvarianten gehen in die Tausende. Moderne Fertigungstechniken wie Industry 4.0 machen es für die Unternehmen möglich, auf Kundenwünsche wirtschaftlich einzugehen. Industry 4.0 ist gleichzeitig für Datendiebe der Markt der Möglichkeiten. Je umfangreicher Menschen, Material und Maschinen untereinander auf Datenebene kommunizieren, umso empfindlicher geraten unsere Netze. Und die Digitalisierung ganzer Produktionsstätten und Fertigungsverfahren ist der absehbare nächste Schritt der Fabrikationsevolution. Die Datenspionage hält locker Schritt mit der technischen Entwicklung, wenn sie nicht sogar einen Zahn mehr zulegt.

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Die Gefahr der Datenspionage ist nicht aus der Luft gegriffen. Auf rund 750 Milliarden Euro schätzt Interpol den Schaden allein für europäische Unternehmen. Soviel steckt die EU in Rettungspakete zur Sanierung von Staatsfinanzen.

Die Kontaktaufnahme zwischen Werkstück und Maschinen ist unabdingbarer Bestandteil des Konzepts Industry 4.0. Die einschlägigen Messen werden den Fortschritt in den nächsten Jahren propagieren. Wer weiß aber, was zusammen mit den gespeicherten produktionsspezifischen Daten auf den Werkstücken zusätzlich in die Maschinen- und Unternehmensnetzwerke eindringt? Digitale Sicherheit wird zu einem essenziellen Problem für die Industrie. Der Handlungsbedarf ist nicht mehr zu übersehen. Digitale Sicherheit wird zum zweiten Thema der Stunde. Dessen müssen wir uns bewusst werden.

Herzlichst

Ihr

Bernd Waßmann

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