Editorial

Alter oder altern

Die Volatilität der Märkte und die Flexibilität der Arbeitsbedingungen und Maschinenparks zog sich wie ein roter Faden durch die Vorträge des 11. Fachkongresses Fabrikplanung Ende April in Ludwigsburg. In Zeiten, in denen das Management der Autofirmen Absatzschwankungen von 30 Prozent einplanen muss, Werkzeugmaschinenbauer gar von 70 Prozent, ist lineare Absatzentwicklung in der Produktionsplanung eigentlich obsolet. Darauf müssen Produktioner reagieren. Und auf die Veränderungen in der Alterspyramide.

In seinem Ludwigsburger Referat machte Prof. Gunter Reinhart, Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften der TU München, auf einen Aspekt in der Produktionsplanung aufmerksam, der allen bewusst ist, aber in der Umsetzung noch immer scheitert. Der demografische Wandel verlangt nach altersgerechten Arbeitsplätzen – und in Fortführung nach alternsgerechten. Auf dem ‚N‘ liegt die Betonung. Es ist bedeutungsschwanger. Ganztätiges Stehen, schweres Heben und eine hohe Wiederholhäufigkeit in der Montage lassen den Alterungsprozess durch Verschleiß schon relativ früh einsetzen. Was wir heute in diesem Umfeld kennen, ist die „reaktive Gestaltung der Arbeitsplätze“, wie Reinhart ausführt. Alternsgerechte Beschäftigung verlangt aber nach einem präventiven Aufbau der Arbeitsplätze; und zwar bereits zu Zeiten, zu denen das Heben schwerer Teile bei jungen Mitarbeitern noch als aktives und bezahltes Fitnesstraining durchgeht.

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Dem Verschleiß unterworfene Mitarbeiter, fachmännisch: Leistungsgewandelte, unterliegen mit zunehmenden Alter Verlusten in der Motorik, leiden unter Umgebungseinflüssen und erfahren ein Nachlassen von Sensorik, Sensomotorik und Kognition. Je älter, je mehr.

Der nachhaltige Umgang mit der Ressource Mitarbeiter ist deswegen ein unabdingbarer Aspekt der Produktionsplanung in Zukunft – und am besten schon heute.

Das setzt eine flexible Gestaltung der Arbeitsplätze unter Hinzuziehung von Hilfsmitteln wie Variabilität der Arbeit, Begrenzung der Belastung und Unterstützung auch durch einfache Maßnahmen wie Sitz- oder Stehhilfen voraus. Und das bezieht die Flexibilität moderner Produktionssysteme mit ein.

Roboter zum Beispiel werden durch sensitive Sicherheitssysteme mehr und mehr zum freundlichen und hilfreichen Assistenten der menschlichen Mitarbeiter. In unserem monatlichen Special – diesmal zum Thema Roboter – zeigen sich Lösungsansätze für die Entlastung des Menschen. Wir benötigen auch im Alter fitte Arbeitskräfte, denn bei der EU spricht man schon von der Rente mit 70.

Bis dahin ist es noch ein Weilchen, vermutet die Redaktion handling.


Herzlichst

Ihr

Bernd Waßmann

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