Meinung

Liebe Leserinnen und Leser,

im Umfeld der Hannover Messe wurde der Begriff Industrie 4.0 geprägt. Im Umfeld jeder neuen HMI erfährt er stets ein update. Industrie 4.0 ist zum prägenden Begriff des Fertigungsfortschritts geworden. In vielen Entwicklungen auf der technischen Ebene besetzt Industrie 4.0 die entscheidende Rolle im Denken und Planen. Fortschritt ohne 4.0 ist in vielen Fällen einfach nicht umsetzbar. Soweit das Postulat der Apologeten.

Bernd Waßmann, stellv. Chefredakteur

Ist das so? Offensichtlich nicht. Ingenics und Fraunhofer IAO haben die Realität untersucht, und die offenbart erhebliche Differenzen zwischen öffentlicher Darstellung und industriellem Gebrauch. Rund 520 Verantwortliche des verarbeitenden Gewerbes wurden gefragt, und satte 55 Prozent bekannten, dass eine Strategie für Industrie 4.0 erst einmal erarbeitet werden müsste. Was im Umkehrschluss bedeutet: Mehr als die Hälfte der Unternehmen sind noch meilenweit davon entfernt, sich mit der Digitalisierung der Produktionstechnik auseinanderzusetzen.

Auf der Höhe der industriellen Zeit sind allenfalls die Geschäftsleitungen der Industrie, die zu 53 Prozent mit einer Strategie aufwarten können. Zur Produktion bricht der Draht dann ab. Nur jeder fünfte Produktionsverantwortliche ist strategisch eingebunden. Bei der IT sind es gar nur sieben Prozent. Diese geringe Durchdringung klingt bei der medialen Präsenz des Themas eher beschämend; allerdings vermuten die Studienautoren, dass die echtzeitfähige, intelligente Vernetzung in der Industrie auch unter anderen Begriffen geführt wird. Dennoch wird die fehlende Veränderungsfähigkeit innerhalb der Betriebe als Haupthemmnis erkannt, denn nur 29 Prozent der Firmen sind für 4.0 gewappnet. Die Firmenleitungen müssen aber die Beschäftigten mitnehmen, um nicht gegen ein Tor der Ablehnung zu laufen.

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4.0 setzt erhebliche Investitionen in die IT-Landschaft voraus – und in deren Sicherheit. Hier hakt es bei der Industrie noch gewaltig. Geld wird für die Qualität der Daten benötigt: Genauigkeit, Vollständigkeit und Aktualität sind gefragt. Bislang erfolgt die Nutzung eher offline. Da sind Lücken eher zu überdecken. Gleichzeitig bleibt das Problem Cyberkriminalität gewaltig groß, wie jüngst erst der digitale Bankraub bei verschiedenen Banken gezeigt hat. Rund eine Milliarde Euro sollen erbeutet worden sein, so die Sicherheitsexperten von Kaspersky. In vielen Fällen von den Beklauten sogar unbemerkt. Die Malware wird, wie so oft, durch Mitarbeiter eingeschleppt. Hier muss ein hilfreiches Kraut erst noch wachsen.

Aber ein anderes wichtiges Kapitel gilt der Mitnahme der für Industrie 4.0 nicht geeigneten Mitarbeiter. Was wird aus ihnen? Wie lassen sie sich qualifizieren und weiter beschäftigen? Dieses Thema bewegt die Mitarbeiter. Sie sind gehalten die Kompetenzen zu entwickeln, die für die Einführung von Industrie 4.0 als substanziell angesehen werden. Das setzt interdisziplinäres Denken und Handeln voraus, lebenslanges Lernen eingeschlossen. Besonders das IT-Wissen bedarf einer Auffrischung. Dem müssen die Anwender dann auch Raum geben.


Herzlichst

Ihr

Bernd Waßmann
Stellv. Chefredakteur

PS. Entwicklungen und Anwendungen aus dem Umfeld Industrie 4.0 eignen sich auch für die Teilnahme am handling award 2015. Näheres auf der Ausschreibungsseite handling.de/award.

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