Meinung

4.0 braucht 5G

„5G wird das neue „Lebenselixier der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft sein“, wurde die frühere Vizepräsidentin der EU-Kommission, zuständig für die digitale Agenda, Neelie Kroes, zitiert. Die Zukunft der digitalen Wirtschaft hat bereits begonnen. In den Labors der Elektronikindustrie – Samsung gibt den Takt vor – wird am Nachfolger des Mobilfunknetzes 4G gearbeitet. Das Augenmerk gilt hier Südkorea. Das marschiert in der Entwicklung von 5G stramm vorweg. Europa und USA sind gefordert, wenn sie den Anschluss halten wollen.

Bernd Waßmann, Stellv. Chefredakteur

Was da auf uns zukommen soll, klingt vielversprechend. 10.000 Mbit/s Datendurchsatz. Das ist hundertmal so viel, wie wir es aus den Anfangszeiten von LTE kennen. Die Kapazität soll das Tausendfache betragen. Das ist eine wichtige Schlüsselzahl, weil ja vor allem die Datenmengen steigen werden. Extrem niedrige Latenz- also Pingzeiten – von unter einer Millisekunde werden versprochen. Erfreulicher Nebeneffekt: Der Energieverbrauch der mobilen Dienste sinkt um 90 Prozent.

2020 – ganz klar bereits in Sichtweite – könnte es soweit sein. Das soll Entlastung schaffen für die ächzenden Mobilfunknetze, die sich immer schneller vervielfachen. Geht man für 2010 noch von fünf Milliarden Mobilfunkteilnehmern aus, so werden für 2020 bereits 50, oder gar 100 Milliarden erwartet. Die üblicherweise genannten Kandidaten wie Waschmaschinen, Einkaufswagen und ganz vorneweg Autos werden daran ihren Anteil auf der Consumer-Seite haben. Die Industrie muss schauen, dass sie mit ihren Kommunikationsansprüchen, die sich aus 4.0 ergeben, nicht hinten runterfällt. Denn die Wirtschaft trägt daran ihren Anteil. Industrielle Funknetze sind im Begriff mit den standardisierten Ethernet-Lösungen in hautnahe Konkurrenz zu treten. Die Entwicklung von 5G ist deswegen für den Maschinen- und Anlagenbau substanziell. Die Datenmengen werden mit der Verbreitung von Industrie 4.0 exponenziell wachsen.

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Man darf vor allem gespannt sein, wie die Infrastrukturpolitik mit dieser Herausforderung umgehen wird. Man muss nur mal auf die ländlichen Regionen blicken. Da hinkt die Ausrüstung mit schnellen Internetleitungen reichlich lahm hinterher. Platz 29 im weltweiten Ranking der Webgeschwindigkeiten belegte Deutschland Ende des letzten Jahres. 8,8 MBit/s waren erreicht – in Südkorea sausen die Daten mit 22,2 MBit/s durch die Gegend. Schweden, die Schweiz, die Niederlande, Lettland, Tschechien: alles Nachbarn, bei denen die Daten erheblich schneller zirkulieren. Da wirken die Bemühungen des Infrastrukturministers Alexander Dobrindt eher behäbig. Auch die Politik muss sich massiv beschleunigen. Rasante Mobilfunknetze sind nicht die alleinige Lösung.


Herzlichst

Ihr

Bernd Waßmann
Stellv. Chefredakteur

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