Verpackungsmaschinen

Im Aufwind

Einfach top: Gerhard Schuberts Verpackungsmaschinen sind Überflieger
Gerhard Schubert begutachtet ein im Haus neu gefertigtes Werkzeug, das der TLM-F2-Roboter künftig zum Verpacken bewegt.
Kühnheit und Stärke – die heraldische Interpretation des Wappens derer von Hohenlohe könnte den Crailsheimer Verpackungsmaschinenhersteller Gerhard Schubert treffender nicht wiedergeben. Sein Unternehmen schreibt eine mehr als 40jährige Erfolgsgeschichte. Ein Besuch im „Packaging Valley“.

„Die Firma Schubert ist eigentlich ein Elektroladen“. Dieser Satz entfährt Gerhard Schubert höchstselbst. Auf dem Tisch vor ihm eine Tasse Kaffee, ein altmodischer Taschenrechner und ein Zollstock. Hinter ihm, jenseits der großzügigen Fensterfront des neuen Firmengebäudes, sattgrün die hügelige Weite des Hohenloher Landes. Ein Landstrich, in dem einst schlichte, bescheidene Menschen lebten, fleißige Landwirte. Die waren geradeheraus, mitunter schlitzohrig, sagt man ihnen nach, und mit der Obrigkeit oder dem Adel hatten sie am liebsten nichts zu schaffen. „Verpackungskönig“ Gerhard Schubert indes ist heute wohlgelitten, er ist einer der größten Arbeitgeber der Region. An diesem Tisch verhandelte er schon mit dem Chef von Apple – und nun plaudert er hier freundlich und kurzweilig mit der handling-Redaktion. Unter anderem über die bewegte Crailsheimer Verpackungsstory:

Die Geschichte des „Packaging Valley“ begann mit den Firmen Hesser und der schweizerischen SIG; beinahe zur selben Zeit stellten beide die ersten Verpackungsmaschinen der Welt vor. Das war Ende des 19. Jahrhunderts. „Selbermachen“, sagten sich einige Mitarbeiter dieser Unternehmen und packten das Thema aus eigener Initiative an. Vor dem Ersten Weltkrieg entstand so zum Beispiel die Firma Ganzhorn&Stirn Abfüll- und Dosiermaschinen in Schwäbisch Hall. Die beiden Inhaber trennten sich irgendwann, Stirn führte das Unternehmen weiter. Er richtete sich in einer Crailsheimer Halle ein, die von den Bomben des Zweiten Weltkriegs verschont geblieben war.

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Zunächst lief die Verpackungstechnik für den passionierten Kunstliebhaber bestens. Immer, wenn er wieder Geld verdient hatte, gab er rauschende Feste. Irgendwann geriet das der Kunst aber zuviel, und das Unternehmen endete schließlich ungut mit einer der ersten Nachkriegspleiten. Nun trat die Kölner Firma Strunck auf den Plan: Sie kaufte das gesamte Inventar der Halle, übernahm die etwa 40 hervorragend ausgebildeten Mechaniker und eröffnete in Crailsheim eine Filiale.

„Da war´s passiert“, sagt Gerhard Schubert, der Elektriker hatte werden wollen, rückblickend. 1953 suchte er eine Lehrstelle, just in jenem Jahr war aber keine frei. Eine Lehrlingsstelle bei Strunck als Konstrukteur unterdessen war zu haben – warum nicht ein Jahr lang eine Warterunde drehen, sagte sich damals der 15jährige, schaden kann das nicht. Aber es hatte den Anflug eines „Geschmäckles“, wie die Hohenloher sagen. Denn Gerhard Schuberts Onkel, vorher Flugzeugbauer bei Zeppelin, leitete die Lehrlingsabteilung bei Strunck. Trotz Verwandtschaftsverhältnis griff der junge Gerhard Schubert zu, und die Ausbildung ging gut aus. Die Mechanikerlehre schloss er 1955 ab. Der Onkel wird das Talent des Neffen erkannt haben – der wiederum arbeitete an der Werkbank am Schraubstock wie jeder andere. Und durfte auch einstecken: „Einmal habe ich auch eine gefangen“.
In dem jungen Crailsheimer steckte offenbar schon immer eine große Antriebskraft. Mit 22 Jahren kündigte er bei Strunck und bewarb sich bei der Firma Kugler selbstbewusst als Entwicklungskonstrukteur. Manche haben dieses ehrgeizige Ziel argwöhnisch betrachtet, doch Gerhard Schubert krempelte die Ärmel hoch und packte an – mit aller Kraft und großem Spaß, wie er versichert. Er hat den Maschinenpark auf Vordermann gebracht und saß im Alter von gut 24 Jahren schon auf einem leitenden Posten. Nicht wegen des Geldes sei er strebsam gewesen, erklärt er, sondern aus Lust und Interesse an der Sache. Erst Leistung, dann der Verdienst. Das gibt er auch gegenwärtig seinen Auszubildenden mit auf den Weg: „Man muss ein Ziel haben, man muss wollen, man muss dranbleiben, Prioritäten setzen und arbeiten!“

Und keine Scheu haben vor Herausforderungen. „Wenn´s schwierig wird, macht´s Spaß“. Gerhard Schubert ist bekannt als Tüftler und Denker. „Ich muss die Dinge selbst begreifen und verstehen“. Das ist seine Herangehensweise. Autodidaktisch. Er geht den Dingen auf den Grund, grübelt und forscht. Die Lösungen, die daraus entstehen, tragen das Prädikat „einfach“. Zum Beispiel die Top Loading Maschinen aus dem Hause Schubert: Sie sind nach dem Prinzip des Dreiklangs konzipiert: einfache Mechanik, wechselbare Werkzeuge, intelligente Steuerung. „Ich bin sicher, dass nur einfache Konzepte zum Erfolg führen“, meint der pragmatische, bodenständige Crailsheimer.

Der auch ganz hoch fliegen kann, namentlich im firmeneigenen Citation Jet. Begonnen hat die Fliegerleidenschaft im Segelflugzeug, die den jungen Gerhard Schubert einst gepackt hatte. Er war gut, hatte stets das Gespür für den richtigen Thermikbart, flog bei den ganz Großen mit und erhielt schließlich eine Einladung zum Training in der Nationalmannschaft. Seinen Fliegerfreund Hans-Werner Grosse fragte er: Was muss ich tun, damit ich so gut werde wie du? Die Antwort fiel ernüchternd aus: Mindestens 35 Stunden in der Woche fliegen. „Da musste ich wieder Prioritäten setzen“, entsinnt sich Gerhard Schubert. Trainieren für die Weltmeisterschaft, die Firma führen, die er 1966 gegründet hatte, und eine Familie mit drei Kindern war auch noch da. Alles zusammen ging nicht. Kurzerhand verkaufte er sein Segelflugzeug, aber die Leidenschaft blieb. Der Crailsheimer machte alsbald seinen Motorflugschein und erlangte Ende der 70er Jahre die Flugkapitänlizenz. Er besuchte dieselbe Flugschule wie dereinst Franz-Josef Strauß und drückte zusammen mit Niki Lauda die Schulbank. Seither jettet der Chef zu Kunden, Messen und Terminen. „Für uns ist das Flugzeug die lohnendste Investition“, meint Gerhard Schubert: In 35 Jahren habe ich elf Jahre Reisezeit gespart – elf Jahre geschenkte Zeit sind ein gewaltiger Vorteil, den man von seiner nichtfliegenden Konkurrenz hat“.

Stetiges Wachstum

Die Crailsheimer Verpackungsstory ist eine Erfolgsgeschichte – nicht nur für die Entwicklung der Technologie, auch für Gerhard Schubert persönlich. Seine Familie war arm, heute hat er 600 Mitarbeiter an fünf Standorten und verzeichnet seit 41 Jahren stetiges Wachstum. Seine Firma befindet sich mit einem jährlichen Umsatz von 100 Millionen Euro auch weiterhin im Aufwind. Fast ein Drittel aller Maschinen auf der Welt im Sektor der stückigen Verpackung kommen aus seinem Werk. Tochter Petra ist Präsidentin von Schubert in USA, Sohn Ralf hat seinen Platz im väterlichen Unternehmen als Bereichsleiter Technisches Büro und Montage, Sohn Gerald Schubert ist Bereichsleiter Verkauf. Im kommenden Jahr wird Gerhard Schubert 70 Jahre alt. Ob er dann einpacken wird? Seine Antwort folgt prompt: „Nein. Mein Lebenswerk ist noch nicht zu Ende.“ Es gibt noch viel, das ihn interessiert. Zum Beispiel die Musik; der frühere Bandleader Gerhard Schubert spielt Akkordeon und Keyboard. Und das Schreiben: Seite für Seite entsteht gerade seine Lebensgeschichte. Und, ganz klar, auch an der Fortentwicklung der Verpackungsmaschinen arbeitet er weiter, besonders am Innenleben. „Denn das Elektrische interessiert mich halt immer noch“. Petra Born

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