Sägetechnik meets Material Handling:

Stop and shop an der Stahlsäge

"Stop and shop" -  so in etwa lässt sich das Produkt- und Leistungs-Spektrum des mittelständischen Metallhandelsunternehmens Keller-Stahl, Frauenfeld/Schweiz, charakterisieren. Gegründet vor über 150 Jahren und mit Metallprodukten aller Art in den Bereichen Baustahl, Stahlhandel und Sanitär/Wasser aktiv, engagieren sich 40 Mitarbeiter für eine bedarfsgerechte Regional- und Nahversorgung des Bau- und Metallhandwerks in der Ostschweiz. Bedarfsgerecht bedeutet, dass es sowohl das Selbstabholer-Geschäft als auch die termingenaue Auftragsabwicklung zum Teil mit Just-in-Time-Belieferung der Baustellen zu organisieren gilt; zumal die Kunden oftmals keine ganzen Materialstäbe, sondern eine bestimmte Anzahl maß- und passgenauer Zuschnitte ordern.

Aufsicht der Sägetechnik- und Materialfluss-Ausrüstung bei Keller Stahl; vorne rechts ist die Hub-/Senkstation zur Anbindung des Hochregal-Lagers, in der Mitte die 32 Meter lange Transportrollenbahn und links die Rollenbahn-Peripherie (Zufuhr/Abfuhr) des Gehrungs-Bandsägeautomaten zu sehen.

Folglich können das Einzelstücke oder auch kleine Serien sein, und diese müssen, angepasst an die jeweiligen Prioritäten, sukzessive abgearbeitet werden. Berücksichtigt man das enorme Lieferprogramm im Stahlhandel (Träger, Blankstahl, Rohre, Hohlprofile, warmgewalzter Handelsstahl, verzinkter Handelsstahl, Bleche, rostbeständiger Stahl, Aluminium und Metamont Inox), wird schnell klar, dass die in Produkten und Stückzahlen variierenden Aufträge nur mit Hilfe von leistungsfähigem Säge- und Kommissioniertechnik-Equipment zu erledigen sind.

Aufträge aller Größen

Einfach gestaltet sich das in dem organisch Halle um Halle gewachsenen Handels- und Anarbeitungsbetrieb nicht, weshalb Dimitrios Tripkis, Verkaufs- und Abteilungsleiter Stahl/Leichtmetall bei Keller-Stahl, und Reto Lüthy, Geschäftsleitung, einen unkonventionellen Weg zur Ablauf-Rationalisierung einschlugen: "Etwa 25 Prozent der zu bearbeitenden Aufträge im Stahlhandel betreffen das über den ganzen Tag anhaltende Abholgeschäft mit Laufkundschaft aus Handwerk und Gewerbe. Das Auftragsgeschäft mit Schlosserei- und Metallbau- sowie Stahlbau-Firmen macht demnach 75 Prozent aus. Für beide Bereiche müssen wir entsprechende Kapazitäten vorhalten." Pro Tag werden rund 100 Aufträge aller Größenordnungen bearbeitet, wobei viele aus mehreren kleinen Positionen bestehen. Unsere Erfolgsfaktoren sind sofortige Material-Verfügbarkeit, kurzfristige und flexible Anarbeitung sowie Lieferfähigkeit nach Terminwunsch.

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Für Abholer sofort bereitstellen

Kommt ein Kunde vorbei, muss das benötigte Material quasi sofort aus dem Lager bereitgestellt und gegebenenfalls an einer Säge zugeschnitten werden können. Parallel dazu muss die Auftragsbearbeitung mehr oder weniger ungehindert ablaufen, damit unsere fünf eigenen LKW mit der kommissionierten Ware rechtzeitig bei den Kunden vor Ort sind.¿ In der Praxis setzt dies die erwähnte Leistungsfähigkeit von Lager-, Materialfluss- und Sägetechnik voraus. Hier baut Keller-Stahl seit über 25 Jahren auf die Kompetenz von Kasto.. Zusammen mit diesem Unternehmen wurde das besagte Projekt 'Ablauf Rationalisierung' angegangen.

Mehr Sägen, mehr Durchgängigkeit

Angriffspunkte waren dabei der Ausbau der Sägekapazitäten sowie eine durchgängige Materialfluss-Organisation zwischen Hochregallager und Sägemaschinen. Die Problematik dabei war, dass sich in dem nach und nach gewachsenen Hallenkomplex in einer Halle das Hochregal-Materiallager befindet und in der anderen ein Teil der Sägetechnik sowie der Kommissionier-Platz angeordnet sind.

Matthias Bühler, Verkaufsingenieur bei Kasto und zuständig für Keller-Stahl, dazu: "Bis dato gestaltete sich das Material Handling aus Zugriffs-, und Flexibilitätsgründen ziemlich zeitintensiv nach dem Prinzip 'Mann zur Ware'. Solange alle Aufträge zeitgerecht erfüllt werden konnten, war dies auch in Ordnung. Mit zunehmendem Auftragsbestand musste die Ausbringleistung allerdings erhöht werden, während der zur Verfügung stehende Platz nicht überschritten werden durfte. Hierfür wurde die in die Jahre gekommene, bestehende Säge (Baujahr 1987) ersetzt und die Sägekapazität zusätzlich durch einen Sägeautomaten erweitert. Zudem gewährleistet eine heb- und senkbare, angetriebene Rollenbahneinheit, welche für das Ausheben der aus dem Lager kommenden Materialstangen zuständig ist, mithilfe einer 32 Meter langen, angetriebenen Verbindungsrollenbahn einen direkten, nahtlosen Materialaustausch zwischen den zwei Hallenschiffen." Der Auftragsumfang umfasste demzufolge die Lieferung eines neuen Bandsägeautomaten KastoFunctional A mit materialzu- und -abfuhrseitigen Rollenbahnen, die Integration einer durch Keller-Stahl gebraucht erworbenen Bandsägemaschine KastoTwin AE 4 mit materialzu- und -abfuhrseitigen Rollenbahnen und schließlich die Verbindungs- oder Hauptrollenbahnanlage inklusive der Hub- und Senkstation zur Übernahme der Materialstangen aus dem Lagersystem.

Modifikation der Abläufe

Um auch lange Abschnitte zügig ablängen zu können, wurden beide Sägen zusätzlich noch mit Messanschlägen für Messlängen bis 8.000 bzw. 9.000 Millimeter ausgestattet. Durch die neue Organisation der Materialflussabläufe wurde das Prinzip 'Mann zur Ware' sozusagen in Richtung 'Ware zum Mann' modifiziert, was den Maschinenbedienern, die sowohl für das Hochregallager als auch für die Sägemaschinen zuständig sind, jetzt die parallele Mehrmaschinen-Bedienung erlaubt.

Die Lösung: Universell und flexibel

Während der Geradschnitt-Bandsägeautomat KastoTwin AE 4 mit seinem Sonder-Schnittbereich von 400 x 520 Millimetern hauptsächlich für die rationelle Anarbeitung von Stahlträgern genutzt wird, bewältigt der Gehrungs-Bandsägeautomat KastoFunctional A mit dem Schnittbereich 300 x 260 Millimeter (flach, 90 Grad-Schnitt) universell alle anfallenden Sägearbeiten sowohl des bedarfsgesteuerten Abhol- als auch des planbaren Auftragsgeschäfts. Dimitrios Tripkis, die Geschäftsleitung der Keller-Stahl und die Mitarbeitenden zeigen sich mit der integrierten Säge- und Materialfluss-Lösung sehr zufrieden, wie er abschließend ausführte: "Bei diesem anspruchsvollen Projekt hat sich gezeigt, was es bringt, wenn man alles aus einer Hand erhält. Die Evaluation brachte auch an den Tag, dass andere das Projekt gar nicht angehen wollten, während Kasto uns eine maßgeschneiderte Komplettlösung offerierte. Wir sind mit dem Projektverlauf und den Ergebnissen sehr zufrieden und arbeiten seit der Inbetriebnahme vor etwa 18 Monaten ohne nennenswerte Störungen. Pro Jahr führen wir im Einschichtbetrieb rund 50.000 Schnitte durch, wobei die Auslastung je nach Baukonjunktur und Witterungsverhältnissen schwankt, wir aber mit den beiden verschiedenen und sich doch ergänzenden Sägemaschinen genügend Kapazitäten haben, um die Kundenwünsche zeitgerecht befriedigen zu können." Edgar Grundler/bw

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