Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien setzen auf Hochleistungsverpackungsanlagen von Beumer

Mit dem Sekt unter die Haube

Die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH mit Hauptsitz in Freyburg an der Unstrut in Sachsen-Anhalt erreichen im Lebensmittelhandel mit ihren Prickel-Tropfen einen Sekt-Marktanteil von ungefähr 50 Prozent. Die Unternehmensgruppe produziert heute mit rund 550 Mitarbeitern an fünf Standorten in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg. "In Eltville im Rheingau-Taunus-Kreis in der Nähe von Mainz haben wir einen sehr traditionsreichen Standort", beschreibt Karl-Josef Lauzi die hessische Sektkellerei. Er ist seit über 30 Jahren bei den Sektkellereien angestellt und für die gesamte Produktion von Rotkäppchen-Mumm verantwortlich. "Das Haus wurde 1811 gegründet. Wir stellen hier zum Beispiel die bekannten Sekt-Marken Mumm, MM Extra und auch Jules Mumm her."

Schaden durch Bremsen

Der Rotkäppchen-Standort in Eltville im Rheingau-Taunus-Kreis wurde bereits 1811 gegründet. (Fotos: Beumer)

Die verschiedenen Getränke werden automatisch in Flaschen gefüllt, mit Korken, Agraffe und Kapsel verschlossen und mit dem entsprechenden Etikett versehen. Anschließend werden sie in die verschiedenen Kartons verpackt. Ein Palettierer nimmt die verpackten Flaschen auf und stapelt sie auf bereitstehende Paletten. Bisher wurde die oberste Schicht der Kartons verleimt und weiter zu einem Bindeautomaten transportiert, der die palettierten Getränkekartons umschnürte. Über den Palettentransport gelangen die Getränkekartons schließlich zum Warenausgang und werden dort für die Shuttle-Lkw des Logistikdienstleisters bereitgestellt. Pro Jahr verlassen so etwa 300.000 Paletten den Standort. Doch in der Vergangenheit lösten sich während des Transports durch scharfes Bremsen, plötzliche Lenkmanöver oder in Kurvenlagen immer wieder Kartons aus dem Verbund auf den Ladeflächen und Flaschen gingen zu Bruch. "Für einen schnelleren Materialfluss in ihren Zentrallagern setzen immer mehr unserer Abnehmer auf automatische Be- und Entladesysteme", sagt Lauzi. Dazu muss die Ware ausreichend gesichert sein.

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Sicherer, stabiler und auch nachhaltig

Um Transportschäden zu reduzieren und den gestiegenen Logistikanforderungen gerecht zu werden, suchten die Verantwortlichen nach einer Verpackungslösung, die mehr Sicherheit und Stabilität der Getränkestapel gewährleistet. "Anfang 2012 kamen die Technik- und Logistikverantwortlichen der Sektkellereien schließlich mit einer konkreten Anfrage auf uns zu", erinnert sich Klaus-Dieter Enzenbach, Gebietsverkaufsleiter bei der Beumer. Um die Verantwortlichen von der innovativen Technik zu überzeugen, luden die Westfalen sie zu Verpackungsversuchen mit den Originalprodukten nach Beckum ein. "Im Technikum wurde uns die Hochleistungsverpackungsanlage Beumer Stretch Hood M vorgeführt", schildert Joachim Engler, Technischer Leiter bei den Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien in Eltville. Die Schrumpffolie als Verpackung entfiel. Auch das Wickelstretchverfahren war den Anforderungen nicht gewachsen, weil bei dieser Technik zu viel Folie verbraucht wird.

Zwei Größen, eine Anlage

"Die Hochleistungsverpackungsanlage von Beumer überzieht die palettierten Getränkekartons mit einer 40 Mikrometer dünnen Folienhaube. Damit werden diese beim Transport effektiv gesichert und gelangen unbeschadet zu den Abnehmern", sagt Engler. "Außerdem können wir mit dieser Mehrformatanlage zwei verschiedene Palettengrößen verpacken. Der Wechsel erfolgt halbautomatisch. Dazu müssen wir bei der Anlage keine Nachrüstungen vornehmen. Für zukünftige Anforderungen sind wir so gut gerüstet." Um schließlich den Nachweis zu erbringen, wie viel sicherer die mit dem Stretch Hood M verpackte Ladung ist, führten der Anlagenanbieter und Rotkäppchen gemeinsam mit der DEKRA verschiedene Fahrtests unter extremen Bedingungen durch. Das Ergebnis überzeugte die Verantwortlichen der Sektkellereien, so dass Beumer im März 2013 schließlich den Auftrag für die Lieferung, Installation und Inbetriebnahme der Hochleistungsverpackungsanlagen erhielt.

Schwarz auf weiß

Neben der Ladungsstabilität spielte für die Sektkellereien auch das Thema Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Dazu wurde der Beumer Sustainability Index (BSI) entwickelt. Mit diesem Validierungssystem bewertet der Intralogistik-Spezialist systematisch und kontinuierlich die Nachhaltigkeit an neuen Maschinen ganzheitlich auf drei Ebenen: Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung. Ökonomische Leistungsfähigkeit, Marktpräsenz, finanzielle Chancen und Risiken sind bekannte Parameter. Ökonomisch nachhaltig werden die Produkte und Anlagen aber erst, wenn sie und die zugehörigen Produktionsprozesse am langfristigen Kundennutzen ausgerichtet sind. Dabei betrachten die Maschinenbauer das jeweilige Produkt in seiner Gesamtheit, nicht nur von seiner Kostenseite. Eine intuitive Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine vereinfacht beispielsweise bei der Hauben-Serie die Bedienung und sorgt für schnelle Folienwechsel. Mit ihr lassen sich auch Betriebsparameter ändern. Außerdem arbeitet diese Anlage äußerst energieeffizient.

Löcher für die Feuchtigkeit

Für die speziellen Anforderungen entwickelten die Westfalen gemeinsam mit den Folienherstellern eine passende Lösung. "Werden die gefüllten Flaschen auf der Palette hoher Wärme ausgesetzt, die beispielsweise während des Transports durch Sonneneinstrahlung entsteht, bildet sich Kondensat", erklärt Enzenbach. "Zum Einsatz kommt deshalb in solchen Fällen eine gelochte Folie, durch die der Wasserdampf entweichen kann." Das Besondere an diesen dünnen Folien: Nach dem Einsatz können sie in das Mehrwegsystem zurückgeführt und wiederverwendet werden ¿ das reduziert den Verpackungsmüll erheblich.

Passgenau eingefügt

Die Baureihe Stretch Hood ist ein Baukastensystem, das flexibel auf individuelle Anforderungen der Anwender angepasst werden kann. ¿Um die gelochten Folien besser verarbeiten zu können, haben wir eine spezielle Vorrichtung entwickelt ¿, erläutert Enzenbach. Diese sorgt dafür, dass die Folien störungsfrei vom Greifsystem oder der Saugvorrichtung aufgenommen werden können. Denn gerade bei gelochten Folien, die zudem sehr dünn sind, besteht die Gefahr, dass die Löcher durch den Stanzvorgang an den Schnittkanten verblocken. Verändert wurde weiterhin die Fördertechnik, die jetzt unterschiedliche Palettengrößen transportieren kann. Eine Herausforderung für die Beckumer Spezialisten war der Zeitrahmen, in dem die Anlage installiert und in Betrieb genommen werden sollte. "Uns standen genau drei Wochen zur Verfügung", erinnert sich Enzenbach. Der Standort schließt nur einmal jährlich im Sommer den Betrieb. Dann werden an den Maschinen und Anlagen umfangreiche Servicemaßnahmen durchgeführt. "Wir mussten in dieser Zeit den Stretch Hood passgenau in die Linie einfügen", sagt Enzenbach. Seit August 2013 ist die neue Verpackungsanlage nun in Betrieb.

Wie eine Haut

Die palettierten Getränkekartons werden über einen Förderer der Verpackungsanlage zugeführt. Die innovative Steuerungstechnik erkennt unterschiedliche Stapelhöhen automatisch und stellt sich flexibel darauf ein. Ein Ultraschallsensor ermittelt die erforderliche Folienlänge. Die Folie wird anschließend zugeschnitten und an der Schnittkante verschweißt. Die so gebildete Haube wird aufgedehnt, über den Stapel gezogen und dabei gezielt bis zum Palettenfuß geführt und sorgt durch eine besondere Fußverstärkung für noch mehr Haltekräfte. Die Haubenstretchanlage wirkt über die hohen Rückstellkräfte der Folie. Diese liegt sehr eng, wie eine zweite Haut am gesamten Stapel an und sorgt dadurch für die benötigte Stabilität. Durch diesen schnellen und effizienten Verpackungsprozess ist die Ware sicher vor Witterungseinflüssen geschützt. Durch die glatte Oberfläche der transparenten und hochflexiblen Folie ist die palettierte Ware zudem gut sichtbar. Bis zu 100 Ladeeinheiten pro Stunde lassen sich auf diese Weise verpacken. Über eine Förderanlage gelangt die fertig verpackte Palette schließlich in den Versandbereich. Damit die intralogistischen Prozesse reibungslos ablaufen, gewährleistet Beumer mit demCustomer Support nach der Inbetriebnahme Unterstützung. "Das Servicekonzept arbeiten wir individuell für und mit dem Anwender aus", erklärt Enzenbach. Dieses beinhaltet zum Beispiel eine regelmäßige Inspektion sowie eine Ersatzteilbevorratung. Im Störfall steht rund um die Uhr mit der Hotline ein Teleservice zur Verfügung. Die Anlage sei außerdem sehr gut zugänglich, weiß Technik-Chef Joachim Engler. Auf alle Komponenten könne das Instandhaltungspersonal einfach zugreifen. "Seit der Installation läuft die Anlage sehr stabil", freut sich der geschäftsführende Gesellschafter der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien, Ulrich Wiegel. "Die Erfahrungen, die wir in Eltville gesammelt haben, konnten wir einige Wochen später bei der Installation und Inbetriebnahme der Verpackungsanlage am Standort Freyburg in Sachsen einfließen lassen. Schon am zweiten Tag war hier die Anlage einsatzbereit." bw

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