Heben und Bewegen

Logistik für Maschinen

Der Weg von der Herstellung zum Kunden
Maschinenlogistik ist ein hoch spezialisierter Bereich in der Transportwelt. Für die vielfältigen Anforderungen der ­Maschinenbauer sind geeignete Fahrzeuge, ausreichende Hallenkapazität, hubstarke Kräne und viel Maschinenkompetenz notwendig. Zu den wenigen Spezialisten in Europa gehört eine Spedition aus Krautheim. Sie hat ein eigenes Maschinenzentrum und in den Lagerhallen mit zwei Tandemkranen ist Platz für rund 180 Bearbeitungszentren.

Logistikdienstleistungen, die sich nur auf den Transport einer Maschine beschränken, sind für die Bedarfskette vieler Maschinenbau-Unternehmen unzureichend. Problematisch wird es nämlich bei den Herstellern immer dann, wenn die fertige Anlage noch nicht vom Kunden abgerufen ist, der Produktionsplatz jedoch für den neuen Auftrag frei werden muss. Nur wenige Maschinenbauer verfügen für diese Fälle über ausreichend eigene Lagermöglichkeiten. Auch die Speditionen können nicht helfen, da sie in ihren Hallen keine Krananlagen haben, um die tonnenschweren Maschinen sicher zu bewegen.

„Im Prinzip gab es für die Zwischenlagerung großer Maschinen nur zwei Möglichkeiten“, erläutert Roland Rüdinger, einer der zwei Geschäftsführer der Rüdinger Spedition aus Krautheim, die Situation. Wenn die Maschine verpackt werden musste, behält sie der Verpacker bis zum Versand in seinem Lager. Wird die Maschine per LKW ausgeliefert, bleibt bis zum Abruf nur der Warteplatz auf dem Tieflader. „Als spezialisierte Maschinenlogistiker mussten wir für unsere Kunden eine Lösung für diese Problematik schaffen“, meint der Logistikspezialist. Die Experten bauten zwei Hallen mit Tandem-Krananlagen. Sie haben 32 beziehungsweise 20 Tonnen Nutzlast.

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Tandemsteuerung und Hallenkapazität

Mit der Tandemsteuerung der Kran-Hubwerke (20 und 15 Tonnen beziehungsweise 16 und 10 Tonnen) lassen sich die Maschinen sicher und gleichmäßig anheben. Das vermeidet die vertikale Schräglage beim Aufsetzen. Gleichzeitig verhindert die Steuerung auch ein verziehen der Anlage durch Spannungseintritt beim Hebevorgang. Im Gegensatz zum Ein-Haken-Kran, bei dem für das Anheben der Maschine eine Traverse benötigt wird, ist diese beim Zwei-Haken-Kran (Tandem) nicht erforderlich. Noch mal der Logistik­spezialist: „Für Maschinenhersteller ist das eine wesentliche Erleichterung, denn sie müssen keine geeignete Traverse für den Abladevorgang beim Empfänger mitliefern.“ Die teuren Traversen werden entweder für jede Maschinengröße oder manchmal auch als verstellbare Variante angefertigt und vom Maschinenhersteller nur zum Abladen der Maschine ausgeliehen. Inzwischen sieht es in den beiden Hallen aus wie auf einer Maschinen-Messe. Und genauso betriebsam geht es immer häufiger zu. „Einige Firmen nutzen abgetrennte Hallenteile als Ausstellungsraum für ihre Anlagen, um sie Kunden vorzuführen“, erzählt Rüdinger. Insbesondere die Fläche für Gebrauchtmaschinen wächst ständig. Händler, die Maschinen aufkaufen, bringen sie in das Maschinen- und Anlagenzentrum nach Boxberg, arbeiten sie auf und bieten sie von hier Kaufinteressenten aus dem In- und Ausland an.

Für einen Anlagenbauer, der überwiegend im Auftrag ausländischer Kunden komplette Fabrikationsanlagen konstruiert und fertigen lässt, holen die Logistiker bei den Zulieferern die einzelnen Bauteile und Maschinen und deponieren sie in einer der Kranhallen. Sobald alle Teile vorhanden sind, werden dafür bis zu 20 Container angeliefert. Bevor mit den Verpackungsarbeiten begonnen werden kann, muss ein unabhängiger Gutachter bestätigen, dass die Anlage komplett ist. Nach der Verpackung verplombt der Gutachter die Container. Abschließend setzt einer der Tandemkrane die Container auf das Tieflader-Chassis. „Die Zusammenführung der Ware und deren Pufferung wird besonders von Firmen in Anspruch genommen, die aufgrund ihrer verringerten Fertigungstiefe verstärkt Teile hinzukaufen“, erklärt Rüdinger die zunehmende Bedeutung der Sammelfunktion. Inzwischen hat ein Unternehmen sogar damit begonnen, in der Halle die Maschine zusammenzubauen, damit sie vor der Auslieferung den notwendigen Probelauf absolvieren kann.

„Bevor wir mit der ­Maschinenlogistik begannen, haben wir intensiv die An­forderungen des Maschinenbaus recherchiert. Trotzdem war es dann überraschend, wie vielfältig sich die Bedarfspalette entwickelte“, gibt der 43jährige Geschäftsführer der Spedition zu. Für das Erkennen der logistischen Problematik meint er abschließend: „Fast jede Maschine ist anders. Auf dem Weg aus der Produktion zum Abnehmer müssen wir immer spezifische Erfordernisse beachten. Insofern ist Maschinenlogistik mit viel Individualität verbunden.“ W. Musiol (ma)

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