Heben und Bewegen

Hohlrundprofile handhaben

Vakuumsystem für effizientes Kommissionieren
Beim Materialhandling im Metallhandel oder in der Produktion gibt es in vielen Fällen noch erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten. Oft laden die Arbeiter das Stabmaterial per Kran vom Lieferwagen ab und lagern es ein. Die weiteren Arbeitsgänge sind aufwändig genug um hier Rationalisierungspotenzial zu erkennen.

Je nach Durchmesser, Länge und Masse gestaltet sich das Handling von Stangen und Stäbe zu einem umständlichen Akt. Oft braucht es dafür zwei Personen. Berücksichtigt der Planer zusätzlich die Stillstandzeiten für den Stangenwechsel – beispielsweise vor der Sägemaschine – dann steht diese zwangsläufig länger still, was sich bei mehreren Aufträgen pro Tag zu einem echten Kostenfaktor aufrechnet. Hinzu kommt noch das spürbar unergonomische Handling der Stangen, was durchaus auch gewisse Gefahren mit sich bringt.

Gilt es dann einen Auftrag abzuarbeiten, entnimmt der Werker einzelne oder mehrere Stangen von Hand aus dem Lager, befördert sie zur Bearbeitungsmaschine und legt sie dort entweder in ein Maschinenmagazin oder spannt sie gleich im Spannstock ein.

Die Verantwortlichen der Firma Hydro Aluminium Alutubes hatten im Bereich der Herstellung von Aluminiumrohren wohl diese oder ähnliche Arbeitsabläufe im Sinn. Die Fabrikate finden zu 96 Prozent im Fahrzeugbau als Achsträger oder Strukturbauteile Verwendung. Je nach Auftrag müssen die Arbeiter die Alurohre aus dem Regallager entnehmen und auf das Beschickungsmagazin einer Sägemaschine legen. Nach dem Abschneiden der Alurohre auf eine bestimmte Länge kommen die Reststücke wieder in das Lager, so dass es durchaus möglich ist, kürzere Stangen erneut handhaben zu müssen. Bis vor kurzem wurde das Stab-/Stangenhandling von zwei Personen erledigt, wobei das Ganze doch relativ unergonomisch und unproduktiv ablief.

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Potenzial entdeckt

Aus dem Grund entschied man sich bei den Aluminiumspezialisten für eine rationellere Materialflusslösung und beauftragte die Firma EFS aus Nordheim bei Heilbronn mit der Entwicklung, dem Bau und der Installation eines flexiblen Handlingsystems. Gedacht für unterschiedlich lange (maximal 7.000 Millimeter) und dicke (Durchmesser 35 bis 90 Millimeter) Aluminiumrohre mit einer maximalen Lastmasse von 160 Kilogramm. Sie kommt zustande, weil für eine effiziente Magazinbeschickung das System gleichzeitig bis zu sieben Stangen handhaben soll. Die Nordheimer entschieden sich nach technischer Prüfung für ein Vakuum-Handlingsystem und holten sich dafür die Unterstützung des Vakuum-Spezialisten J. Schmalz aus Glatten. Während EFS das komplette Handlinggerät, den Wandkran, die Vakuumtraverse sowie die Projektabwicklung zu verantworten hatte, wurde Schmalz für die Planung und Ausführung der gesamten Vakuumanlage eingebunden.

Dabei galt es folgende Anforderungen zu erfüllen: Sicheres Handhaben von langen und kürzeren Rohren verschiedener Durchmesser und Gewichte, die (langen) Rohre dürfen sich nicht durchbiegen, flexibles und einfaches Einstellen der Sauggreifer beziehungsweise der Saugreihen auf alle denkbaren Rohr-Durchmesser, universelle Nutzung des Vakuum-Greifersystems zum lageweisen Greifen der maximal sieben Rohre oder auch von anderen Lagebildern durch individuelles Abstellen einzelner Saugerbalken/-reihen, sichere und effiziente Bedienung durch nur eine Person und – last but not least – Auslegung für den Mehrschichtbetrieb.

Unterschiedliche Abmessungen

Die in enger Zusammenarbeit zwischen den beiden Spezialisten realisierte Handling-Lösung besteht aus einem Wandkran mit Kettenzug, der einen Arbeitsbereich von X = 4.000 Millimeter (möglich wären sogar bis zu 9.000 Millimeter), Y = 6.000 Millimeter und Z = 2.340 Millimeter hat. Die Vakuum-Traverse ist so konzipiert, dass der Arbeiter die Position der Saugreihen über eine Zentralverstellung sehr schnell zwischen 30 (engste Position) und 100 Millimetern (weitester Abstand) variieren kann. Das ermöglicht ihm, Rohre zwischen 35 und 90 Zentimetern Durchmesser zu handhaben. Um sowohl kurze als auch lange Rohre verschiedener Durchmesser greifen zu können, installierten die Nordheimer in bestimmten Abständen insgesamt 240 Einzelsauger.

Sie haben einen Durchmesser von 32 Millimetern und passen sich somit gut an die unterschiedlichen Rohrdurchmesser an. Gleichzeitig sorgt der große Saugerhub der 2,5 Falten dafür, dass sich eine Lage bereits beim Ansaugen von der nächsten abhebt. Die einzelnen Längstraversen des Vakuum-Greifersystems sind separat verschlaucht, um für verschiedene Lagebilder auch die Traversen frei verfahren zu können. Weiterhin dienen sie auch als Vakuum-Verteiler, was den Verschlauchungsaufwand stark reduziert. Verschlissene Sauger kann der Werker schnell und ohne Werkzeug durch einfaches Abnehmen/Aufstecken austauschen. Die Vakuum-Versorgung erfolgt über eine zentrale Vakuumpumpe.

Die komplette Anwendung gewinnt an Effizienz, Flexibilität und Sicherheit, denn selbst die langen Rohre werden nun ohne Durchbiegen positionssicher transportiert. Die Sauggreifer ermöglichen die universelle Nutzung für alle vorkommenden Rohrtypen, und die ebenfalls als Vakuum-Speicher fungierenden Traversen halten die Rohre auch bei einem Energieausfall solange fest, bis sie sicher abgelegt sind, zumal ein Vakuum-Rückschlagventil das ungewollte Belüften der Sauggreifer verhindert. Alles in allem eine Lösung, die nicht nur beim Rohrhandling für sichere und flexible Materialbewegung sorgt. ma

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