Fahrerlose Transportsysteme

Alles für den Käse

Modernste Technik für automatische Abläufe in einer Käserei
Das fahrerlose Transportfahrzeug in einem der Reifelager. (Foto: MLR)
Es müssen nicht immer Automobilwerke sein, in denen Fahrerlose Transportsysteme (FTS) arbeiten: Bei einem mittelständischen Unternehmen der Lebensmittelbranche in Bayern hat diese Technik ebenfalls Einzug gehalten. Bei der Schönegger Käse-Alm in Steingaden ist ein FTS-System mit ganz unterschiedlichen Aufgaben betraut.

Mehr als 1.000 Meter über dem Meeresspiegel hütet die Schönegger Käse-Alm die Tradition des Käsens. So uralt die Rezepturen sind, so modern ist die Technik: Das Unternehmen hat 2008 ein neues Käse-Reifelager eröffnet und in modernste Transport- und Lagertechnik von MLR investiert, um logistische Aufgaben zu vereinfachen. Denn eine Charge mit 238 Käselaiben wiegt immerhin knapp 1,5 Tonnen, und der Käse muss monatelang regelmäßig alle zwei bis drei Tage in der so genannten Pflegestation mit Salzwasser abgebürstet werden. Das ist ein großer Arbeitsaufwand. Hinzu kommt, dass verschiedene Käse zu unterschiedlichen Zeiten gepflegt werden müssen. Dabei hilft ein Fahrerloses Transportfahrzeug (FTF).

Das blitzsaubere Gerät aus Edelstahl ist ein mit Magnetnavigation freifahrender MLR-Gabelhubwagen vom Typ Phoenix mit 4,6 Tonnen Tragfähigkeit und einer Hubhöhe von 3.800 Millimetern. Es bedient das Kühl- und das Reifelager, beschickt und entsorgt die Käsepflegemaschine und bringt die Gestelle zum Verpacken in den Versand – alles entsprechend genau vorgegebener Zeiten. Im Reifelager stehen die mit den Käselaiben bestückten Edelstahlgestelle vierfach hintereinander und zweifach hoch. Als Stapel mit zwei Gestellen werden sie vom FTF im Lager bodeneben aufgenommen, mit maximal einem Meter pro Sekunde vorwärts beziehungsweise rückwärts transportiert und zum Zielort gebracht. Bei der Auslegung des Fahrzeugs war zu beachten, dass der Boden nass sein kann und streckenweise 1,5 Prozent Steigung hat.
Das Entstapeln an der Käsepflegemaschine auf die dort installierte Fördertechnik, das erneute Aufeinanderstapeln der Gestelle nach der Pflege sowie das Vereinzeln im Versand besorgt das FTS ebenfalls. Alle Gestelle sind mit einem Barcode versehen. Damit lassen sie sich sowohl vom Barcode-Leser auf dem Fahrzeug als auch mit einem mobilen Scannerterminal identifizieren. Die Anlage kann rund um die Uhr arbeiten. Daher gehört zum System auch eine Ladestation mit Ladegerät und Batteriewechselgestell; der Tausch geschieht manuell.

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Damit sämtliche Funktionen wie gewünscht durchgeführt werden, laufen alle informationstechnischen Fäden im multifunktionalen Logistic Operating System Logos zusammen. Dieses Steuer- und Leitsystem ist eine MLR-eigene Entwicklung. Bei Schönegger erfasst es die eingehende Ware und übermittelt die Daten an das Warenwirtschaftssystem, verwaltet den Käse im Reifelager chargenbezogen (= gestellbezogen) und sorgt für die exakte Abarbeitung der detaillierten Käsepflegeprogramme. Dabei können sich diese Programme während der Reifung durchaus ändern. Logos verwaltet auch den Käse, der sich nach der Reifung im Kühllager befindet. Selbst die Käsegestelle werden von Logos betreut, denn es wird verständlicherweise zwischen verschmutzten und sauberen Gestellen unterschieden.

Verschmutzte Gestelle schickt das Leitsystem zum Waschen, saubere Leergestelle gelangen zur Einlagerungszone. Logos – installiert in zwei Cold-Standby-PC – generiert sämtliche Transportaufträge für das automatische Fahrzeug und stellt sicher, dass jede Charge entlang der logistischen Kette rückverfolgbar ist. Damit lässt sich jederzeit feststellen, wann, wo und durch wen die Ware erhalten, hergestellt, verarbeitet, gelagert und transportiert wurde. Für eine schnelle Hilfe bei Problemen mit dem FTS sorgt eine Online-Kopplung zwischen Schönegger und MLR; mit ihr ist es möglich, sowohl Software- als auch Hardware sofort zu prüfen und notwendige Maßnahmen einzuleiten. pb

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