24. Deutscher Logistik-Kongress 2007

,,Effizienz - Verantwortung - Erfolg"

Der 24. Deutsche Logistik-Kongress in Berlin

Sowieso in Berlin, aber zum Logistik-Kongress „sehr gerne gekommen“: Bundeskanzlerin Angela Merkel. (Fotos: BVL)

Logistik ist wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren des Wirtschaftslebens, ja des Alltags schlechthin. Logistik verbindet Partner in Wertschöpfungsketten und stellt die Produktions- und Märkteversorgung sicher. Für jedes Unternehmen und jede Volkswirtschaft ist sie von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Der deutschen Logistikwirtschaft geht es gut, die Geschäftsaussichten sind weiter positiv. Allerdings fehlen Leute.


Das Motto sei eher als Gleichung zu verstehen, erläuterte Prof. Dr. Raimund Klinkner: Effizienz plus Verantwortung = Erfolg. Effizienz ist die Zielerreichung bei definierter Qualität im Verhältnis zum dafür notwendigen Aufwand, definierte der Vorstandsvorsitzende der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Dabei berücksichtigten Ziele und Qualitätsansprüche mehr denn je auch die Nachhaltigkeit, also den Dreiklang Ökologie, Ökonomie und Soziales. Durch verantwortliches Handeln werde die Balance zwischen diesen Punkten erreicht, so Klinker weiter. Die Logistik ermögliche es, an globalen Erfolgen teilzuhaben, ohne die Wertschöpfung in Deutschland und Europa aufzugeben.

Engpass Aus- und Weiterbildung

Die deutsche Logistikwirtschaft zeigt sich im vierten Quartal 2007 insgesamt in starker Verfassung. 170 Milliarden Umsatz und zweieinhalb Millionen Beschäftigte sind eindrucksvolle Kennzahlen. Auch für das kommende Jahr sind die Geschäftsaussichten gut. Mit einem aktuellen Wachstum von durchschnittlich sechs Prozent im Jahr ist die Logistik einer der Motoren der konjunkturellen Entwicklung. Insgesamt entstehen in der Logistik bundesweit pro Jahr circa 100.000 neue Arbeitsplätze über alle Führungsebenen hinweg. Für die Weiterbildung der Mitarbeiter der operativen und mittleren Ebenen gibt es derzeit allerdings kein ausreichendes außeruniversitäres Angebot. Auch für Akademiker in der Logistik muss Deutschland seine Ausbildungsaktivitäten kurzfristig aufstocken. Immerhin bietet die Logistik interessante Perspektiven, aber die Kapazitäten an den Universitäten reichen nicht aus. Derzeit bilden die 50 Universitäten und Fachhochschulen rund 3.000 Logistik-Akademiker aus – 5.000 akademisch ausgebildete Fachkräfte fehlen aber jedes Jahr.

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Alte Barrieren überwinden

„Die Verknüpfung von industrieller Produktion mit logistischer Fertigkeit und Fähigkeit dürfte in Zukunft in wesentlichem Umfang über den Erfolg des Standortes Deutschland entscheiden“, stellte Bundeskanzlerin Merkel fest. In ihrer Rede im Rahmen des Kongresses machte sie klar, dass die Logistikbranche „auch engstens mit dem Gedanken der Innovation und der Kreativität verknüpft ist“. Sie fand, Deutschland sei hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur schon ganz gut ausgestattet. Allerdings müsse noch erhebliche Überzeugungsarbeit geleistet werden, was die Verknüpfung der einzelnen Transportwege anbelangt. „Wir müssen altes Denken, alte Barrieren überwinden und uns auf vollkommen neue Wege einstellen“, mahnte die Kanzlerin. Die mithin einräumte, dass neue Wege auch beschwerliche Erfahrungen mit sich bringen können. Aber: „Wir werden einen Weg finden“, versprach Frau Merkel und sagte „in den nächsten Jahren über elf Milliarden Euro jährlich“ für das Verkehrssystem zu.

Deutscher Logistikpreis vergeben

Die Firma Claas aus dem ostwestfälischen Harsewinkel ist Träger des diesjährigen Deutschen Logistik-Preises der BVL. Die Jury zeichnete das mittelständische Familienunternehmen im Rahmen der Gala-Veranstaltung in Berlin für ein vorbildliches Logistik-Konzept aus; es umfasst die Prozesse vom Lieferanten bis zum Kunden. 80 Prozent des Geschäftes von Claas werden angesichts der landwirtschaftlichen Erntezeiten in nur vier Monaten abgewickelt. Viele nach höchst individuellen Anforderungen der Kunden gefertigte Produkte müssen in einem kurzen Zeitraum mit Spezialtransportmitteln ausgeliefert werden. Diese ungewöhnlichen Anforderungen – gepaart mit der weiteren Internationalisierung des Geschäftes und der Notwendigkeit, unternehmensweit einheitliche Standards zu setzen – waren die Auslöser für das Projekt: Im Jahr 2004 startete das Unternehmen eine internationale Supply-Chain-Initiative, um die logistischen Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen. In die Initiative wurden Einkauf, Produktion, Transportlogistik und Ersatzteillogistik samt Service gleichermaßen einbezogen. In den Teams arbeiteten Vertreter der unterschiedlichen Werke und Fachrichtungen mit.

Wissenschaftspreis verliehen

Der Internationale Deutsche Wissenschaftspreis Logistik 2007 ging an Dr.-Ing. Marc Schleyer vom Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme (IFL) an der Universität Karlsruhe. Seine Arbeit trägt den Titel „Discrete Time Analysis of Batch Processes in Material Flow Systems“. Sie präsentiert für die Praxis allgemeingültige Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Batchbildung auf Warte- und Durchlaufzeiten in Logistiksystemen. Batchprozesse, die in logistischen Systemen – bedingt durch Transport, Auftragspooling und Sammelbearbeitung – häufig vorkommen, wurden unter generellen Bedingungen in der Analyse berücksichtigt. Im Gegensatz zu herkömmlichen, analytischen Verfahren kann man nicht nur Mittelwerte bestimmen, sondern auch diskrete Wahrscheinlichkeiten für Kennwerte. Hierdurch werden Aussagen über das Servicelevel eines Logistiksystems möglich. Die präsentierten Verfahren sind effizient in ihrer Rechenzeit, so dass in einer kurzen Zeit eine Vielzahl von Szenarien quantitativ bewertet werden kann. pb

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