Geschicktes Puffern für einen besseren Gepäckabfertigungsprozess auf Flughäfen

Eine für alle gibt’s nicht

Es ist anerkannt, dass bestimmte Formen der Kurzzeit-Lagerung oder Pufferung von Gepäck einen wesentlichen Beitrag zu einer effizienten Gepäckabfertigung leisten. Jedoch gibt es keine universelle "Eine-für-Alles"-Lösung. Flughäfen können deswegen aus einer breiten Palette an Lösungen wählen, die den unterschiedlichen Kapazitätsanforderungen gerecht werden.

Parkhaus für die Koffer: Lagerkapazitäten für Gepäckstücke erleichtern den Flughäfen die effiziente Gepäckabfertigung. Die Lösung von Vanderlande nennt sich Bagstore und wurde mit einem Preis auf der Münchener Flughafenmesse ausgezeichnet. (Foto: Vanderlande)

"An großen internationalen Hubs gibt es üblicherweise Bedarf an automatisierten Lagersystemen, um effizient das hohe Gepäckvolumen bearbeiten und mit den Anforderungen der Spitzenleistung umgehen zu können", sagt Gijs Bartelet, Senior Systems Engineer für Baggage Handling bei Vanderlande Industries. "An dieser Stelle können Systeme wie unser Bagstore sich bewähren. Das System bietet eine hohe Lagerdichte mit schnellem, individuellem Zugang, wann immer dieser erforderlich ist. Selbst wenn Gepäckstücke über eine längere Zeitspanne hinweg eingecheckt wurden, möglicherweise viele Stunden vor Abflug oder sogar einen Tag zuvor, können sie alle gemeinsam zur Abfertigung abgerufen werden, die dann effizient innerhalb eines relativ kurzen Zeitfensters erfolgen kann. Dies ermöglicht eine optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen - Bediener warten nicht untätig auf das ankommende Gepäck, und es besteht keine Notwendigkeit für Ad-hoc-Lösungen wie raumgreifende Pufferung von Gepäck in Seitengängen oder Rutschen über mehrere Stunden." Ein Gepäckspeicher erhöht auch den Komfort der Fluggäste durch einen frühen Check-In und steigert den Umsatz des Flughafens, da Passagiere mehr Zeit zum Einkaufen haben.

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Frühgepäckspeicher mit Batch Loading

Vanderlande hat kürzlich eine Bagstore-Implementierung an einem großen internationalen Hub abgeschlossen, an dem das System in Kombination mit arbeitssparender Roboterbeladung eingesetzt wird. Dieses System wurde mit dem Interterminal Award 2011 für Innovationen der Messe Inter Airport Europa in München ausgezeichnet. Hierbei ist der Gepäckspeicher ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Gepäckstücke werden in Batches aus dem Lager herausgezogen, genau dann, wenn sie zur Beladung der Container und Wagen in der richtigen Reihenfolge benötigt werden. Tatsächlich ist dies der einzige Weg, die Roboter mit dem erforderlichen konstanten und schnellen Strom an Gepäckstücken zu versorgen, der von ihnen verarbeitet werden kann.

Ebenso wichtig ist die kompakte Grundfläche des Systems. Der mehrstöckige Speicher mit schnellem Gepäckzugriff durch den Einsatz von Regalbediengeräten, die durch die Regale fahren, verfügt über eine hohe Speicherdichte mit der besten effizienten Raumnutzung. In vielen Fällen ist dies eine wesentliche Voraussetzung für die Installation in bestehende Terminals. Die meisten Gepäckstücke können mithilfe der Regalbediengeräte in niedrigen Regalhöhen gelagert werden. Dies trägt zur Effizienz des Speichers bei, da nicht alle Ebenen des Gepäckspeichers auf die maximale Gepäckstückhöhe dimensioniert werden müssen.

Die Lagerung der Gepäckstücke in Regalen ist ebenfalls eine energieeffiziente Lösung, da die Gepäckstücke bis zu ihrer endgültigen Ausgabe innerhalb des Speichers nicht bewegt werden. "In vielen Fällen sind unsere einfachen halbautomatischen oder sogar manuellen Systeme vollkommen ausreichend. Sie sind effektive Mittel, um die Effizienz der manuellen Abfertigung oder der Spitzenglättung zu maximieren." Während diese vollautomatischen Systeme die ideale Wahl für größere Flughäfen sind, erledigen unsere einfacheren Systeme ebenfalls dort effektiv diesen Job, wo geringere Gepäckvolumina bearbeitet werden müssen", erklärt Gijs Bartelet. "In vielen Fällen sind diese halbautomatischen oder manuellen Systeme eine gute Wahl für kleinere und mittelgroße Flughäfen. Und natürlich stellen sie ein viel niedrigeres Investitionsniveau dar."

Entkoppelte Abfertigung

Diese Systeme können zum Beispiel die Verwendung von dedizierten Förderstrecken beinhalten, auf denen Gepäckstücke für individuelle Flüge oder Fluggruppen mit derselben Abflugzeit gemeinsam gepuffert werden. Mithilfe eines sorgfältigen Designs und Layouts können Lösungen wie diese effektive Wege sein, die Leistungsfähigkeit des manuellen Abfertigungsprozesses zu steigern.

Wie alle Puffersysteme lassen auch diese eine Spitzenglättung zu, so dass das Bedienpersonal vor einer nicht zu bewältigenden Auslastung zur verkehrsreichsten Zeit des Tages verschont wird. Stattdessen werden die Gepäckstücke aus dem Lager mit einer konstanten Geschwindigkeit ausgelagert, wobei der Abfertigungsprozess effektiv von der Geschwindigkeit, in der die Gepäckstücke eingecheckt werden, abgekoppelt wird. Das bedeutet, die Bediener können effizient in konstanter Geschwindigkeit arbeiten, statt mit ständig variierenden Gepäckströmen umgehen zu müssen. Dies reduziert die Anzahl der erforderlichen Bediener, und die Lohnkosten können um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Der Gepäckspeicher ermöglicht es auch, Abfertigungspunkte zu einem späteren Zeitpunkt zu öffnen als zu den Check-In-Zeiten. Dies erhöht die Produktivität pro Quadratmeter, da die gleichen Abfertigungspunkte für eine höhere Anzahl an Flügen eingesetzt werden kann.

Wichtig: Jede Situation ist anders. Dadurch ist es grundlegend, eng mit dem Flughafen zusammenzuarbeiten und genau zu verstehen, welche Herausforderungen und Einschränkungen im Einzelfall vorliegen. Das macht es für Systemlieferanten wichtig, Zugang zu allen Technologien und Systemlösungen zu haben und nicht auf ein einziges Konzept beschränkt zu sein, sondern jeweils mit der optimalen Lösung aufwarten zu können - von einer einfachen Pufferstrecke bis hin zu einem Gepäckspeicher mit intelligentem Direktzugriff. "Und natürlich ist Erfahrung mit Lösungen dieser Art unerlässlich", folgert Gijs Bartelet. "Die Systeme und gegebenenfalls die unterstützende IT müssen in der Praxis nachgewiesen werden. Somit ist eine gute Referenzliste, die das ganze Spektrum der Kapazitäten abdeckt - von kleinen Regionalflughäfen bis hin zu internationalen Hubs  ein wichtiges Kapital."      bw

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