Automatisiertes Logistikcenter schafft Flexibilität und Planungssicherheit im Fruchtsaftkeller

Flüssige und schlüssige Logistik

Güldenkron in Nistertal ist ein traditionsreiches Familienunternehmen, das sich im Bereich der Fruchtsaftherstellung und Lohnabfüllung zu einem Lieferanten für Industrie- und Handelskunden etabliert hat. Das Unternehmen ist sowohl auf nationalen als auch auf internationalen Märkten aktiv. Das neu erbaute Logistikcenter am Standort Nistertal verbessert die gesamte Lagerhaltung für die in Flaschen, Bag-in-Boxes und Tetra Paks abgefüllten Fruchtsäfte. Durch die Automatisierung werden die Lagerhaltungskosten reduziert, wobei die Flexibilität der Fruchtsaft Kellerei auch bei sich ändernden Rahmenbedingungen erhalten bleibt. Als Generalunternehmer plante und realisierte Still als Hersteller von Flurförderzeugen und Intralogistik-Systemen den vollautomatischen Palettentransport von der Produktion bis zur sequenzgenauen Tourenbereitstellung. Genauer gesagt: nach der Beladung des LKW werden die Paletten ohne Umstellung in der richtigen Reihenfolgen ausgeliefert. Die Einlagerung der Palettenware in das von Still gelieferte und aufgestellte Palettenregalsystem erfolgt mit vier automatisierten Kommissionierstaplern des Typs MX-Q. Das gesamte Regalsystem bietet Platz für mehr als 10.000 Paletten und umfasst neun Gassen á 100 Meter. Auch die Auslagerung bis zur kompletten Tourenbereitstellung wird über einen mehrstufigen Transport durch die Schmalgangfahrzeuge MX-Q und drei automatisierte Hochhubwagen EGV-S organisiert. Infolge der durchgängigen Automatisierung wird ein schneller und präziser Warenzugriff garantiert. Doch vor allem wird bei täglich etwa 500 Ein- und Auslagerungen nahezu die maximale Wirtschaftlichkeit der Flurförderzeuge im Gegensatz zu einem Paletten-Hochregallager mit Regalbediengeräten erreicht.

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Verkehrsweg überbrückt

Die Fruchtsaftkellerei Güldenkron stellte die Intralogistik auf neue Füße. (Fotos: Still)

In der Produktionshalle wird die Palettenware mit Staplern an die Übergabestation zur Fördertechnik geliefert. Auf dem Doppelkettenförderer wird die Ware per Barcode-Scanner erfasst und voll automatisiert verpackt. Die Verpackungseinheit besteht aus einem Kantenschutzanleger mit einer Heißklebeeinheit und zwei Magazinen für unterschiedliche Palettenhöhen sowie einem vollautomatischen Ringwickler, der die Palettenware in Folie eingewickelt. Nach erfolgreicher Konturenkontrolle wird die Palettenware gewogen, Versandlabels werden gedruckt, das Lagergut vollautomatisch etikettiert und im Lagerverwaltungssystem vereinnahmt. Mit dem Stetigförderer und zwei Palettenaufzügen wird das Lagergut über einen ca. zehn Meter breiten Verkehrsweg zum Hochregallager transportiert. Dort übernimmt ein automatisierter Verschiebewagen mit einer Rotationseinheit die Palettenware und befördert sie entlang der schrägen Rückseite der Lagerhalle zu den versetzten Übergabestationen der einzelnen Gassen des Hochregals. Der verantwortliche Projektleiter von Still, Frank Domke erklärt: "Eine große Herausforderung bei diesem Projekt war sowohl die Überbrückung des Verkehrweges als auch die optimale Nutzung der speziellen Geometrie des Logistikcenters. Durch ein besonderes, fördertechnisches Konzept lösten wir diese Aufgabe: Einerseits wird der Verkehrsweg mit Palettenaufzügen und einer Förderstrecke überbrückt, andererseits bedient ein Verschiebewagen die versetzten Übergabestationen der neun Gassen mit Paletten. Durch dieses Konzept wird insbesondere auch der nicht rechtwinklige Einlagerungsbereich optimal genutzt. Dadurch erhöht sich effektiv die gesamte Lagerplatzkapazität im Logistikcenter."

Paletten automatisch identifiziert

Früher war es ein echtes Problem, Paletten mit handgeführten Hubwagen in einem Zwischenlager abzuliefern, um sie dann von einem fahrerlosen Transportfahrzeug abholen zu lassen. Aus diesem Grund hat der Waldhäuser Sicherheitsexperte Sick zusammen mit dem schwedischen Navigationsexperten NDC einen 'Pallet-Finder' für das sichere Auffinden und Aufnehmen von zufällig und undefiniert abgestellter Paletten entwickelt. Nähert sich der mit dem 'Pallet-Finder' ausgerüstete Kommissionierstapler MX-Q einer Palette, so bestimmt er zuerst ihre Position. Der zweidimensional messende Scanner sieht die Palette und vergleicht ihr elektronisches Erscheinungsbild mit Varianten, die im Fahrzeugcomputer gespeichert sind. Hieraus identifiziert der Automatisierungsrechner den Typ und die Lage der Palette und legt selbstständig einen geeigneten Anfahrpunkt fest, um die Palette aufzunehmen. Auf Abweichungen der Palettenstandorte reagiert der automatisierte Kommissionierstapler flexibel.

Mehrere Fahrzeuge parallel

Sämtliche automatisierten Fahrzeuge sind mit einer mobilen Personenschutzanlage (PSA) ausgestattet. Diese besteht aus mehreren Sick-Scannern pro Fahrzeug, die permanent dessen Umfeld überwachen und die Fahrzeugbewegungen stoppen, falls sich Menschen oder andere Objekte im Sicherheitsbereich befinden. Diese Sicherheitstechnik erlaubt einen parallelen Einsatz von manuellen und automatischen Fahrzeugen bei Güldenkron in der Tourenbereitstellung. Zum weiteren Lieferumfang gehört ein visualisierter Materialflussrechner (MFR) ein Lagerverwaltungssystem (LVS) und ein Fahrzeugleitrechner (FLR). Der MFR bildet den Leitstand für die Bedienung der Fördertechnik, plant die Zuordnung von Fahraufträgen zu Fahrzeugen und wickelt die gesamte Kommunikation zum übergelagerten LVS und zum nachgelagerten FLR ab. Der FLR übernimmt die Verkehrsplanung auf den engen Fahrkursen, kommuniziert mit den autonomen Fahrzeugen und wickelt die Aufnahme und Abgabe der Lasten ab. Zudem wird der Ladezustand der Batterien überwacht und eventuelle Fahrten zur den Batterieladestationen signalisiert und durchgeführt. Ferner werden Sonderfahrten und Auskunftsfunktionen dem System betreffend zur Verfügung gestellt und Fahrzeuge an- und abgemeldet. Der FLR meldet Palettenbewegungen an den MFR, der diese an das ebenfalls von Still gelieferte LVS weiterkommuniziert. Das LVS übernimmt die Bestandsverwaltung in allen Bereichen des Automatiksystems sowie in einem manuellen Kommissionierlager und im Tiefkühllager auf Produktionsseite. Es steuert die Kommissionierung, plant die Tourenbereitstellung und kommuniziert seinerseits mit dem übergelagerten Warenwirtschaftssystem der Fruchtsaftkellerei bei allen Prozessen zwischen Wareneingang und Verladung. Die Steuerung des gesamten Materialflusses des Logistikcenters wird durch die gelieferten Systeme (Lagerverwaltungssystem, Materialflussrechner und Fahrzeugleitrechner) sichergestellt.

Rasche Inbetriebnahme

Durch die schnelle Fahrkursprogrammierung ist die Inbetriebnahme der automatisierten Fahrzeuge sehr einfach. Die vergleichsweise geringen Gerätekosten und niedrigen Kosten für Wartung und Reparatur ermöglichen einen wirtschaftlichen Einsatz für Transporte, die bisher mit manuell geführten Staplern ausgeführt worden sind. Alle Stapler sind weiterhin manuell und damit flexibel einsetzbar. So werden insgesamt Investitions- und Betriebskosten reduziert. Der Geschäftsführer der Fruchtsaftkellerei Alexander Müller: ¿Durch die moderne Intralogistik können wir auch in Zukunft flexibel auf veränderte Anforderungen des Marktes reagieren. Das modulare System lässt sich jederzeit weiter ausbauen. Für uns ist die Zuverlässigkeit und die Langlebigkeit der einzelnen Komponenten des gesamten Intralogistiksystems sowie der Service besonders wichtig. Außerdem liefert uns Still das ganze System aus einer Hand.¿ Gerd Knehr, bw

Automatisierte Fahrzeuge ohne Bodeninstallation

Transporte, die bislang aus wirtschaftlichen Gründen mit manuell geführten Flurförderzeugen abgewickelt wurden, lassen sich heute rentabel automatisiert durchführen. Für regalbezogene Transporte bilden die vier automatisierten Schmalgangstapler MX-Q die geeignete Lösung im Hochregallager des Saftherstellers. Der MX-Q ist für schmale Gänge mit einer Lagerhöhe von bis zu 15 Metern konzipiert und findet seinen Weg selbstständig per Magnetpunktnavigation. Dieser Kommissionierstapler wird insbesondere dann sinnvoll eingesetzt, wenn größere Wegstrecken auch außerhalb der Gänge zurückgelegt werden müssen. So werden lediglich vier Kommissionierstapler für die Bedienung der neun Gassen mit je 100 Metern benötigt. Das spart Investitions- und Betriebskosten. Für die automatisierten Horizontaltransporte hat der Staplerfabrikant eigens den Hochhubwagen EGV-S weiterentwickelt. Lastzyklen mit bis zu vier Metern Höhe garantieren die Übergabe und Übernahme von Lasten an und von Schmalganglagern. Die schmale Bauform ermöglicht das Navigieren auf engstem Raum per Lasertriangulation. Schnell und problemlos ist die Inbetriebnahme der automatisierten Serien-Fahrzeuge, da keine Bodeninstallation wie bei klassisch induktiv geführten FTF nötig ist. Drei EGV-S bedienen die 22 Tourenbereitstellungsbahnen sequenzgenau. Über dem Ende jeder kompakten Blockbahn zeigt ein TFT Bildschirm Verladeinformationen und Tourendaten für den LKW-Fahrer an. Die drei EGV-S Hochhubwagen mit jeweils bis zu 1.000 kg Tragkraft sind somit nicht nur eine echte Alternative - ein wesentlicher Vorteil ist auch eine erhebliche Kosteneinsparung, da keine fest installierte Fördertechnik in der Vorzone notwendig ist. Ein weiteres Argument für die Automatisierung im Vergleich zu einem manuell geführten Lager ist die Reduktion der Kosten für Gewaltschäden an Regalen, die bei automatisierten Fahrzeugen aufgrund der Präzision beim Fahren nicht mehr auftreten. Durch die automatisierten Fahrzeuge von Still werden damit einerseits die Gesamtkosten reduziert und andererseits wird die Lagerkapazität effektiv gesteigert. Die Flexibilität bleibt dabei auch in Zukunft erhalten.

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