ERP

Entscheidungsmarathon in Freudenberg

IBF aus dem siegerländischen Freudenberg ging 1964 als Ingenieurbüro mit der Konstruktion und dem Bau von Sondermaschinen an den Start. An zwei lokalen Standorten werden heute Sondermaschinen zur Automatisierung von Fertigungsabläufen entwickelt. Zum Angebot von IBF an die Industrie gehören unter anderem Betriebseinrichtungen, Handhabungssysteme, Portalroboter und Lösungen aus der Fördertechnik. Des Weiteren ist IBF Vertriebspartner von Festo, Hersteller von pneumatischen, elektrischen und elektronischen Antriebs- und Steuerungskomponenten für die Industrie- und Prozessautomatisierung, sowie der mk Technology Group aus Troisdorf mit Konstruktionsprofilen, Fördertechnik und Betriebseinrichtungen für die Fabrikautomation. Das in zweiter Generation in Familienbesitz befindliche Unternehmen bedient mit seinen 42 Mitarbeitern etwa 1.000 industrielle Bestandskunden und steuert im Geschäftsjahr 2010 auf einen Gesamtumsatz von etwa acht Millionen Euro zu. Der bisherige Softwarelieferant Asseco Germany AG (ehemals AP AG) hatte im Jahr 2005 angekündigt, sein bei IBF erst fünf Jahre zuvor installiertes ERP-Produkt P2 nicht mehr weiterzuentwickeln. Da jedoch der Aufwand für die Umstellung auf das Nachfolgeprodukt nicht geringer gewesen wäre als bei einem von dritter Seite und sogar die Datenübernahme nicht ohne Weiteres möglich war, fiel ¿der Startschuss zur Suche nach einer leistungsstarken und innovativen ERP-Lösung aus den Händen eines motivierten und engagierten Partners, der sich mit uns und unseren Abläufen identifiziert und eine glatte Einführung eines Neusystems bewerkstelligt¿, wie Ralf Müller rückblickend erklärt. Das ERP-Projekt lag in seinem Verantwortungsbereich als Leiter IT & Web-Services.

Anzeige

Umfassender systematischer Auswahlprozess

Maschinenbeispiel servomotorisch betriebener Entstapelautomat (Fotos:IBF)

In den Wochen und Monaten darauf folgten Anbietermarktsondierung und diverse Messebesuche, außerdem wurden IBF-Kunden befragt, welche Systeme sie einsetzen ¿ mit dem Gedanken im Hinterkopf, durch eine mehrheitlich gleiche ERP-Infrastruktur die externe Datenkommunikation zu optimieren; erste Gespräche mit den möglichen Kandidaten schlossen sich daraufhin an. ¿Wir haben in Marathonsitzungen die für uns relevanten Angebote verglichen und vor allem die Systeme dahingehend untersucht, wie gut unsere Prozesse darin abgebildet werden könnten¿, berichtet Jens Bitterlich, der wie sein Bruder Jörg zu den Söhnen des Firmengründers Gottfried Bitterlich gehört und sich mit ihm die IBF-Geschäftsführung teilt. ¿Näher angeschaut haben wir uns neben APplus von Asseco insbesondere ABAS, 3S und Complan & Partner, außerdem Microsoft mit ihrem Dynamics AX, Alphaplan, SAP Business One und Business All-in-One sowie ParityERP-Handel, das vom autorisierten Partner Activware angeboten wurde.¿ Die zugrunde gelegten Anforderungen waren äußerst anspruchsvoll: Im Mittelpunkt stand neben einer ausgereiften Funktionalität in allen handelsspezifischen Belangen vor allem die flexible Anpassbarkeit der ERP-Lösungen an vorhandene und künftige Spezialitäten. Dass solche Modifikationen und Erweiterungen am Standard möglichst komfortabel umzusetzen sein sollten, ohne dabei die Releasefähigkeit einzuschränken, war genauso gesetzt wie das nahtlose Einbinden vom Fremdsystemen, um unternehmensübergreifend integrierte Prozesse zu ermöglichen. Anfang 2009 ging der Benchmarkprozess in die entscheidende Phase. So erhielten die vier verbliebenen Anbieter Pflichtenhefte, es wurden Präsentationen sowie Workshops am zentralen Standort Freudenberg abgehalten und schließlich Testinstallationen mit Echtdaten etabliert. Sogar die Support-Abteilungen der Wettbewerber wurden getestet mit durchaus interessanten Ergebnissen. "Von einem Haus haben wir auf eine Support-Anfrage hin gar keine Antworten bekommen", berichtet Ralf Müller. "Wenn das in der Pre-Sales-Phase schon nicht richtig funktioniert, wie soll das dann erst im Echtbetrieb aussehen?" erklärt er den damaligen Gedankengang, der zum Aus des Anbieters führte.

Entscheidung fußt auf vielen Aspekten

Dass Ende 2009 der Auftrag an Parity Software aus Schwieberdingen und deren Professional-Partner Actiware ging, der im mittelhessischen Angelburg ansässig ist, begründet Ralf Müller wie folgt: "Bei ParityERP handelt es sich um ein System, das funktional seit 30 Jahren gewachsen ist und seine Stärken in Handel und Fertigung hat. Während andere Anbieter am Markt gekommen und wieder verschwunden sind, hat das Unternehmen seinen Kunden zu keiner Zeit Technologiebrüche zugemutet, viele aus der ersten Stunde sind bis heute dabei ¿ vom Investitionsschutz gesehen kaum zu toppen. Entscheidend war für uns insbesondere, dass das Komplettsystem offen und flexibel ist." Besonders hebt er den Application Component Server (PACS) hervor, der Anpassungen am Standard und Integrationen vereinfacht und es "ohne hart auf die jeweilige Datenbank zu gehen" ermöglicht, externe Programme einzubinden ¿ bei IBF beispielsweise solche für den Etikettendruck, Scanner-basierte Kanban-Lösungen, Webshop-Applikationen oder die zugekaufte CRM (Customer Relationship Management)-Anwendung. "Das erspart uns einen Großteil der Programmierarbeit und ebnet den Weg zur integrierten Komplettlösung", wie Ralf Müller konstatiert, ¿zumal im Gegensatz zum Gros der anderen Angebote die Anpassungen am Standard über Release¬wechsel hinaus erhalten bleiben.¿ Wie wichtig das für IBF ist, zeige sich am Beispiel der ¿ausgeklügelten Preisfindung¿, für die aus dem Partnernetzwerk immer wieder vorgegebene Konditionen verändert werden müssten mit entsprechend regelmäßigem Anpassungsaufwand.

Integration auch im Rechnungswesen

Gleich im ersten Quartal 2010 besuchte Ralf Müller Workshops und Schulungen, um selbst fit im Umgang mit dem neuen System zu werden. "Ich hatte schon etliche Veranstaltungen ähnlicher Art besucht, aber keine zuvor mit derart hohem Qualitätsanspruch und fundiertem Wissen des Referenten, der sich komplett an den Belangen der Teilnehmer orientierte und schlichtweg Nägel mit Köpfen machte." Entsprechend gut vorbereitet machte er sich Ende April 2010 selbst an die Anpassung von ParityERP-Handel und schulte danach in kleinen Gruppen die 30 künftigen Anwender; hierbei kamen immer wieder wertvolle Impulse aus den Abteilungen zur weiteren Verbesserung. Zum 1. Juli 2010 schließlich erfolgte der Echtstart zunächst mit der Warenwirtschaft AB1000 des Komplettpakets. Zu dessen Modulen zählen Einkauf, Angebotserstellung, Fakturierung, Abwicklung von Retouren und Gutschriften, Lagerverwaltung (für die von IBF vorgehaltenen rund 6.000 Artikel) und Logistik. Derzeit werden auch die Stücklisten für die IBF-Konstrukteure im Sondermaschinenbau in AB1000 eingebunden, um die Entnahme der zur Fertigung benötigten Materialien verwalten und integriert das Fertigteil als versandfertig zurückmelden zu können. Anfang 2011 erweitert IBF den Einsatz auf das Rechnungswesen mit dem integrierten Finance-Programmpaket FB1000. Dieses löst dann eine Varial-Anwendung ab, mit der jedoch zuvor noch der laufende Jahresabschluss inklusive Inventur getätigt wird. Darüber hinaus schaut IBF-Geschäftsführer Jens Bitterlich mit einem Auge auch schon auf die Einbindung der EDI-Funktionalitäten, um "die Kundenbindung zu kräftigen und die Effizienz weiter zu erhöhen". Im Auswahlprozess hatte er eine ¿einfach supportbare Lösung, die gehirngerecht intuitiv nutzbar ist¿ eingefordert und anerkennt jetzt im Rückblick den subsidiären Ansatz, den Parity Software mit einem Netzwerk autorisierter Partner an der Seite verfolgt. Demgemäß sollen die Anwender möglichst eigenständig unterwegs sein können und nur dort externe Unterstützung abverlangen müssen, wo sie selbst nicht weiterkommen - - dann aber umso präziser und schnell. Für Jens Bitterlich kommen in diesem Punkt ein gewisser Stolz auf das mit seinem Projektteam Erreichte und deutliche Kostenvorteile zusammen: "Wer kann schon von sich behaupten, ein Einführungsprojekt dieser Größenordnung und Qualität mit einer Anzahl von Projekttagen im kleinen zweistelligen Bereich realisiert zu haben?" Andreas Becker

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Wawision

ERP-System zum Selberbauen

In ERP-Systemen laufen alle Daten in einem Tool zusammen. Wawision ist ein flexibles System, das sich jeder individuell aus dem Modulkatalog und dem App-Store zusammenstellen kann.

mehr...
Anzeige

Barcodescanning

Herzstück Software

Barcodescanning-Anbindung an das ERP-System Dynamics AXProduktionsfaktor Geschwindigkeit: Die von SMAG produzierten Peiner-Greifer für die Schifffahrt können darüber entscheiden, ob ein Schiff ein oder zwei Tage im Hafen liegt, während seine Ladung...

mehr...

Ersatzteilmanagement

Zeitfresser unerwünscht

Standardisierung und Vernetzung in der Lager- und Umschlaglogistik senkt ProzesskostenErsatzteile umpacken, sie zu sichern und Ladungs- und Lagereinheiten zusammenstellen, kostet Zeit und Geld. Zu viel, wenn die Verpackungsplanung nicht stimmt und...

mehr...
Anzeige

Highlight der Woche

Produktionsanlagen effizient und kostenoptimiert automatisieren
Hirata bietet sowohl schlüsselfertige Komplettanlagen als auch die Teilautomatisierung einzelner Produktionsschritte: Palettieren, Montieren, Messen/Prüfen, Kleben/Vergießen, Lasermarkieren usw. Dadurch können unterschiedlichste Aufgabenstellungen sowohl technisch als auch wirtschaftlich optimal gelöst werden. 

Zum Highlight der Woche...
Anzeige

Highlight der Woche

FMB 2018: Innovationen für Maschinenbau und Produktion
Vom 7. bis 9. November 2018
finden Sie auf der 14. FMB – Zuliefermesse Maschinenbau in Bad Salzuflen die neusten Technologien, Produktinnovationen und Automatisierungslösungen in den zentralen Bereichen Konstruktion, Fertigung und Montage. Hier treffen Sie Branchenpartner und Entscheider mitten im Spitzencluster für intelligente technische Systeme.

Zum Highlight der Woche...

Etikettendruck

Alle Schnittstellen

Hermes+ spendet Etiketten in einem Arbeitsgang, ganz gleich, ob die Produkte dabei stehen oder in Bewegung sind. Die Drucker sind mit einer Auflösung von 200, 300 und 600 dpi in linker und rechter Ausführung erhältlich.

mehr...