Routenzugsystem verschlankt die Intralogistik bei Eberspächer

Verkehrsberuhigung in der Werkshalle

Innerbetrieblicher Transportaufwand bindet nicht nur Personal und Flurförderzeuge, sondern macht auch die Belieferung der verschiedenen Stationen unberechenbar, weshalb oft direkt in der Halle große Vorratslager angelegt werden müssen. Eberspächer Climate Control Systems, Spezialist für das Thermomanagement im Fahrzeug, stellte daher die Intralogistik des Esslinger Werks Mitte 2013 auf einen Routenzug um: das System der CSP Cut Systems.

Routenzugsystem verschlankt die Intralogistik bei Eberspächer

Die Eberspächer-Gruppe beliefert Pkw- und Nutzfahrzeughersteller weltweit von 35 Produktionsstätten aus mit Abgasanlagen, Fahrzeugheizungen und Bus-Klimatisierungslösungen sowie mit Fahrzeugelektronik. Am Stammsitz in Esslingen werden vornehmlich kraftstoffbetriebene Standheizgeräte gefertigt, doch die Montage mit ihrer Vielzahl an Einzelteilen sowie der Abtransport von Fertigware, leeren Behältern und Produktionsabfällen stellte die Logistik vor große Herausforderungen. Simon Reinert, Prozessplaner in der strategischen Logistik: „Die langen Fahrwege zum Lager in Verbindung mit einem hohen Materialbedarf und der notwendigen Flexibilität bei der Materialbereitstellung hatten eine sehr hohe Frequenz beim Staplerverkehr zur Folge.“ Hinzu kommt, dass die verschiedenen Komponenten in vier unterschiedlichen Ladungsträgern – von der Palette über Gitterboxen bis zu kleinen Kisten auf Rollwagen – befördert werden und entsprechend vier verschiedene Bodenrollertypen im Einsatz sind. Die Stapler konnten jedoch nur einen Ladungsträgertyp je Fahrt befördern, was dem Ideal der effizienten Lean Production widersprach, so Reinert: „Um die Kunden zufriedenzustellen, muss die gesamte Lieferkette reibungslos funktionieren. Deshalb haben wir unsere Logistikprozesse überprüft und optimiert.“ Großes Potenzial sah der Systemlieferant in der Materialversorgung per Routenzug. Die von Eberspächer geforderte Flexibilität bei den Trägerarten war bei der Auswahl das entscheidende Ausschlusskriterium. Nur der Routenzugexperte CSP, der als einer der ersten derartige Transportmittel in Deutschland einführte, konnte entsprechend anbieten.

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Generell setzt sich das ITS-Zugsystem des Unternehmens aus einer Zugmaschine und bis zu sechs angekoppelten Anhängern mit je 1.000 Kilogramm Zuladungskapazität zusammen, wodurch das Volumen mehrerer Staplerladungen von nur einer Person abgewickelt werden kann. Die Züge verkehren je nach Anforderung auf festen Routen innerhalb des Betriebs und fahren dabei festgelegte Punkte ab, an denen Material, fertige Produkte, Leergut und Abfälle auf- beziehungsweise abgeladen werden. „Jede Station wird so regelmäßig besucht und verlässlich versorgt“, erklärt Edgar Schrade, einer der beiden Geschäftsführer von CSP. „Dadurch lassen sich die Lager an den Arbeitsplätzen verkleinern und dennoch stabilere Fertigungsprozesse erreichen. Die Kosteneinsparungen in der Intralogistik können je nach Situation bis zu 75 Prozent betragen.“ Um nur eine möglichst schmale Fahrspur in der Halle zu belegen und ein Anecken auch in Kurven auszuschließen, sorgt eine spezielle Deichselkonstruktion dafür, dass alle Wagen derselben Spur folgen. Standardmäßig sind die Anhänger mit 1.200 mal 800 Millimeter Fläche auf die Maße von Europaletten ausgelegt und weisen eine Innenhöhe von 2.000 Millimeter auf. Für andere Anforderungen gibt es jedoch auch Klein- und Sondergrößen bis hin zu in der Länge teleskopierbaren Systemen, die sich dem Ladungsträger anpassen lassen.

Eigens entwickelte Unterflurbrücke

Die Wagen selbst können von beiden Seiten beladen werden. Dazu wird der Bodenroller einfach in den Anhängerbogen geschoben oder gezogen und die integrierte Hub-Vorrichtung aktiviert. Diese hebt die Ladung vom Boden an, um eine sichere Fahrt zu gewährleisten. Gleichzeitig wird so ein übermäßiges Abnutzen der Rollen vermieden. Die Steuerung kann je nach Ausführung direkt am Hänger oder über eine Fernbedieneinheit beim Fahrer erfolgen. Das verkürzt die Ladezeiten, weil der Fahrer das Absenken des gewünschten Bodenrollers vorn starten kann. Für die Flexibilitätsansprüche von Eberspächer entwickelten die Spezialisten von CSP eine Anhängerkonstruktion mit einer Inlet-Brücke, die eine Beförderung aller Bodenroller ohne Umbau ermöglicht: Mittels dreier querstehender Tragschienen lassen sich damit statt Paletten und Gitterboxen auch drei Reihen Kleinladungsträger einladen und stabil transportieren. So kann der Standheizungsbauer beispielsweise in einem Zug die Versorgung mit Einzelteilen und die Abholung der Abfallbehälter kombinieren.

Der Zug für das Esslinger Werk umfasst vier mit der Unterflurbrücke ausgestattete Anhänger und fährt je nach Arbeitszeiten und aktuellem Schichtmodell im Durchschnitt einmal pro Stunde eine Tour von 25 bis 30 Minuten Dauer: Zunächst werden die angeforderten Materialien im Produktionslager eingeladen, mit diesen werden anschließend nach einer festen Route die Pufferlager in der Halle versorgt. Das dort angefallene Leergut sowie volle Abfallbehälter werden dabei aufgeladen und zurück ins Lager transportiert. Den Rest der Zeit kann der Fahrer zum Laden oder für etwaige Batteriewechsel nutzen, oder er unterstützt die Kommissionierung.

Der Effekt der veränderten Intralogistik hat sich nach dem ersten Jahr Praxiseinsatz deutlich gezeigt: „Wir haben Flurförderzeuge eingespart und den Verkehr reduziert“, berichtet Prozessplaner Reinert. „Außerdem haben sich die Wiederbeschaffungszeiten verkürzt und die Bestände in der Produktion verringert, was letztlich Platz spart.“ Langfristiges Ziel von Eberspächer ist die Versorgung einzelner Arbeitsplätze nach dem Kanban-Prinzip, das auf einer Orientierung am tatsächlichen Verbrauch basiert. „Eine solche Versorgung ist nur mit einem Routenzug realisierbar.“ Das Unternehmen schafft dazu derzeit die Vorraussetzungen, indem es die Fertigung neu gestaltet und klare Transportwege zu den Arbeitsplätzen schafft.

bw

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