Ballenpressen von HSM

Van Hees verdient Geld mit gepresstem Müll

Gepresster Müll Einsparungen von mehr als 100.000 Euro pro Jahr, einen Return on Invest von neun Monaten und geringere Personalkosten: Der Zusatz- und Gewürzehersteller Van Hees verdient dank seiner fünf HSM-Ballenpressen mit seinem Müll sogar Geld.

Heute verrichten fünf V-Press 860 bei Van Hees ihren Dienst. © HSM

„Wir hatten einen Schatz, den wir nicht entdeckt hatten.“ Marc Wohlbold, Projektleiter Produktion bei Van Hees half, den Schatz zu heben. Lange suchen musste er bei dem Zulieferer für die Fleischproduktion dabei nicht. Das Gold lag quasi in den Mülltonnen, genauer in 20-Kubikmeter-Containerpressen, in denen alle Verpackungsabfälle aus der Produktion unsortiert und ungepresst entsorgt wurden.

Der Recycling-Dienstleister hat dieses Material nicht einmal vergütet. Hinzu kam ein Prozess, der sich am Van-Hees-Stammsitz in Walluf/Hessen eingeschliffen hatte: Die Verpackungsabfälle aus Produktion und Versand wurden lose in 1,1-Kubikmeter-Behältern aus der Werkhalle befördert. Das Material blieb unverdichtet, da wurde dann schon mal ein Container mit 15 Kilogramm Abfall nach draußen geschoben – und dieser Weg war auch noch weit, denn Abfüllerei und Mischerei befinden sich im ersten Obergeschoss, die 30 Container fuhren also Aufzug. 12 480 Aufzugsfahrten kamen jährlich zusammen.

175 Stunden monatlich für Müll
15 Minuten Arbeitszeit pro Leerung, inklusive warten auf den Aufzug, macht 175 Stunden im Monat, „grob überschlagen ein Mannjahr nur für das Hin- und Herschieben von Müll“, rechnet Wohlbold aus. „Ein Unding“ fand er, schon kurz nachdem er 2011 seine Stelle bei dem erfolgreichen Mittelständler in Familienhand angetreten hatte.

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Marc Wohlbold richtete das Augenmerk der Firma auf das Thema Müll, „vielleicht kein sexy Thema“, sagt er, „aber eines mit viel Einsparpotenzial“. Vor allem, wenn man so viel Abfall händelt wie Van Hees. Die 4.000 Produkte der Firma werden in Walluf aus 1.400 Rezepturen hergestellt, alle davon entweder in Big Bags oder in Säcken verpackt. Aufgrund der Rohstoffe sind die jährlichen Abfallmengen stattlich: 113 Tonnen Big Bags, 90 Tonnen Folien, 90 Tonnen Karton und 60 Tonnen Papier.

Wohlbolds erster Schritt in Sachen Abfallmanagement: Das Unternehmen begann die Fraktionen zu trennen. Dann wechselte Van Hees den Entsorger und bekam fortan seine Wertstoffe vergütet. Die dritte Stufe der Abfall-Evolution war die Optimierung des betriebsinternen Ablaufes und die Überlegung, Ballenpressen in der Produktion aufzustellen, so dass künftig nur noch gepresste 400-Kilogramm-Ballen durch das Unternehmen transportiert werden.

Ballen von 320 bis 420 Kilogramm Gewicht werfen die Pressen bei Van Hees aus. © HSM

Marc Wohlbold sah sich drei Hersteller an und entschied sich schließlich für eine HSM V-Press 860 S. HSM passte die vertikale Ballenpresse an die Bedürfnisse des neuen Kunden an und versah die Maschine mit einem Hydrauliköl, das für die Lebensmittelbranche zugelassen ist. Außerdem bekam Van Hees eine Maschine mit vertikaler Schiebetür zum Befüllen, weil sie einfach schneller zu schließen sei wie eine seitliche Tür, sagt Wohlbold. Schließlich bestellte Van Hees eine S-Version der V-Press 860 mit einem verstärkten Presskasten, weil in Walluf große Mengen Kunststoffe (Polypropylen) anfallen.

Fünf Jahre im Dauereinsatz
Fünf Jahre nach dem Ersteinsatz der V-Press 860 S „läuft diese Maschine immer noch einwandfrei“, berichtet Wohlbold. „Sie hat noch nie wirklich Probleme gemacht.“ Und das im schweren Dauereinsatz, denn das Pressen von Big Bags ist kein Kinderspiel. Das Material ist ohnehin expansiv, hinzu kommt die hohe Aggressivität der Reste: Salze, Acetate, Gewürze etc. Wohlbold: „Regelmäßiges Warten und einmal im Jahr eine intensive Grundreinigung und es kann weitergehen.“

Heute verrichten fünf V-Press 860 bei Van Hees ihren Dienst. Drei in der Mischerei, eine in der Abfüllung und eine bei der Warenannahme und -ausgabe für Kartonagen. Hinzu kommen noch zwei handbetriebene mobile Ballenpressen V-Press 60, die im Versand für Ordnung und Sauberkeit sorgen. Mit dem Service des Herstellers ist man in Walluf zufrieden. Im Servicefall sei spätestens am übernächsten Tag jemand von HSM vor Ort. „Große Ausfälle gab es aber noch nicht“, sagt Wohlbold.

Auch die Belegschaft hat sich schnell mit ihren neuen kraftvollen Helfern angefreundet. Dass die vertikalen Ballenpressen von HSM auch noch wenig Platz in der engen Produktion benötigten, steigere ihr Renommee zusätzlich.

Gut vermarktbare Ballen von 320 bis 420 Kilogramm Gewicht werfen die Pressen bei Van Hees aus. Weil nur noch alle paar Tage ein Ballen transportiert werden muss, spart das Unternehmen 12.480 Aufzugsfahrten pro Jahr, hat Wohlbold ausgerechnet. Hinzu kommen Erlöse – je nach Marktlage – von aktuell durchschnittlich 90 Euro pro Tonne für den Big-Bag-Ballen. Van Hees verkauft den Wertstoff entweder selbst oder nutzt eine Trading-Firma, je nach Angebot. Beim Wertstoff Big Bag hat man darum für die Presse einen ROI von neun Monaten errechnet, bei weniger teuren Wertstoffen sind es zwölf Monate – diese Ergebnisse, sagt Wohlbold, beziehen sich rein auf die Vermarktung, die eingesparten Aufzugsfahrten und die Personalkosten sind noch nicht einmal berücksichtigt.

Auch Marc Wohlbolds Vorgesetzter ist mit den Neuerungen im Abfallmanagement am Stammsitz zufrieden. Die Erwartungen seien schließlich übertroffen worden und wenn die Preise gut sind, verdiene Van Hees mit dem Abfall aus der Produktion sogar Geld, sagt der Projektleiter. as

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