Automatische Stapler

Sicherer als Gabelstapler?

Unfälle mit und durch personengeführte Stapler am Arbeitsplatz gehen häufig mit schweren Verletzungen, manchmal sogar tödlich aus. Oft sind die Sichteinschränkung durch die Last, Unachtsamkeit oder Überraschungsmomente die Ursachen. Automatische Gabelstapler sind in diesem Fall eine sicherere Alternative. 

Automatische Gabelstapler können eine sicherere Alternative zu personengeführten Staplern sein. © Stöcklin Logistik

In den letzten Jahren ist der Anteil der schweren Maschinenunfälle erfreulicherweise deutlich zurückgegangen. Das gilt leider nicht für Unfälle mit Gabelstaplern. 2016 registrierte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) insgesamt 33.868 Unfälle mit Flurfördermitteln in deutschen Fabriken. Hierzu zählten unter anderem Schubkarren, Sack- und Handkarren sowie Rollbehälter und Handgabelhubwagen. Zugerechnet zu dieser Rubrik wurden ebenfalls Gabelstapler und Fahrerlose Transportsysteme (FTS). 2016 wurden hier 12.674 Unfälle mit und durch personengeführte Stapler am Arbeitsplatz gemeldet. Besorgniserregend ist nun, dass gerade bei bemannten Gabelstaplern nicht nur eine erheblich größere Anzahl von Unfällen gegenüber FTS gemeldet wurden, sondern sogar in einigen Fällen Menschen tödlich verunglückten. Im Vergleich dazu liegt die Unfallquote mit FTS, die zu tödlichen Verletzungen führte, bei null.

Zu einem erheblichen Teil werden die Fahrer selbst verletzt, beispielsweise bei Kollision mit anderen Fahrzeugen oder baulichen Einrichtungen oder durch Kippen des Staplers. Laut einer weiteren Studie sind zu 44 Prozent der Fälle Unbeteiligte betroffen, die angefahren, gequetscht oder sogar überfahren werden. Das geschieht ungefähr gleichermaßen bei der Vorwärts- wie bei der Rückwärtsfahrt sowie beim Drehen.

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Gabelstapler-Fahrer sind in ihrem Sichtfeld stark eingeschränkt und arbeiten oft unter hohem Zeitdruck. Unbeteiligte sind sich dieser Sichteinschränkung oft nicht bewusst und begehen oder kreuzen den Verkehrsbereich des Staplers plötzlich und unachtsam. Die Gabelstapler fahren zum Teil mit hoher Geschwindigkeit durch die Fabrik. Wer sich dann nicht anschnallt, setzt, ähnlich wie im Auto, sein Leben aufs Spiel. „Der Stapler kippt um, weil der Fahrer beispielsweise zu schnell in die Kurve fährt, weil er beim Rückwärtsfahren zu viel Gas gibt oder an eine Fahrbahnbegrenzung fährt“, erklärt Marcus Gaub, Referent Flurförderzeuge vom Fachbereich Handel und Logistik (FBHL).

Das Fahrzeug arbeitet kontinuierlich und benötigt keine Pausen. © Stöcklin Logistik

Die häufigsten Unfallursachen mit Gabelstaplern hat die Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (BGF, Quelle: DGUV Information 208-004) zusammengefasst: Anfahren von Personen, Umstürzen des Gabelstaplers, fehlerhafte Lastaufnahme, Fahr- und Bedienungsfehler, falsches Be- und Entladen von Fahrzeugen, Montage- und Reparaturarbeiten sowie unbefugtes Mitfahren von Personen sowie unbefugte Benutzung.

Sind Fahrerlose Transportsysteme eine Lösung? Allein mit Blick auf die Unfallstatistik geantwortet, muss die Antwort „ja“ lauten. Automatisch fahrende Gabelstapler bewegen sich mit einer fest definierten Höchstgeschwindigkeit von in der Regel nicht mehr als etwa 1,6 Meter pro Sekunde (was ungefähr der Schrittgeschwindigkeit eines Menschen entspricht) durch die Hallen. Automatisch fahrende Stapler sind mit Sicherheitslaserscannern ausgestattet, die Menschen und Hindernisse schon weit im Voraus erkennen. Die Fahrzeuge reagieren dann sofort und reduzieren die Geschwindigkeit, Außerdem bewegen sie sich auf definierten Fahrwegen, so dass sie keine unerwarteten Richtungsänderungen vollziehen. Durch das langsamere und vorausschauende Fahren des automatischen Gabelstaplers stellt sich erfahrungsgemäß eine höhere gefühlte Sicherheit unter den Werkern ein.

Die langsame Geschwindigkeit bedeutet allerdings nicht, dass der Transportroboter in der Performance gegenüber Personen geführten Gabelhubwagen das Nachsehen hätte. Das Fahrzeug arbeitet kontinuierlich und benötigt keine Pausen, sogar die Ladezeiten sind aufgrund moderner Batterietechnik recht kurz. Flotten von fahrerlosen Fahrzeugen sind einfach skalierbar, reichen also die Fahrzeuge in der Flotte nicht aus, so kann unkompliziert ein weiteres hinzugefügt werden. Die Investition in ein fahrerloses Palettenfahrzeug ist überschaubar und rentiert sich schon in kurzer Zeit.

Die Personensicherheit besitzt natürlich beim Einsatz von FTS immer die erste und oberste Priorität und mögliche Gefährdungen sollten schon bei der Planung in einem ganzheitlichen Materialflusskonzept betrachtet werden.

InSystems Automation implementiert die Transportroboter individuell in die Fertigungsumgebung beim Kunden und erstellt eine Spezifikation, um mögliche Risiken bereits im Vorfeld auszuräumen. In Kooperation mit Stöcklin Logistik und Bluebotics bietet Insystems das Proant 576 für Paletten bis maximal 1.200 Kilogramm Last an. Der fahrerlose Gabelhubwagen nimmt Paletten vollautomatisch auf und navigiert anhand einer einmalig eingelernten Umgebungskontur vollständig automatisch auf virtuellen Linien zum Ziel.

Das Fahrzeug hat verschiedene Sicherheitssysteme: So überwachen zwei Sicherheitslaserscanner hinten und zwei Sicherheitslaserscanner vorn am Fahrzeug fortwährend den Fahrbereich. Zwei Lichttaster an den Gabeln sorgen wiederum für eine sichere Aufnahme der Ladung. Somit können Paletten nur abgesetzt werden, wenn der Ablagebereich frei ist. Weitere Laserscanner an den beiden Seiten des Fahrzeugs überprüfen den Fahrweg nach möglichen Hindernissen. Das Proant passt seine Geschwindigkeit der Umgebung an und kommt immer sicher zum Stehen. Hierfür sorgen die in den Sicherheits-Laserscannern festgelegten geschwindigkeitsabhängigen Warn- und Schutzfelder, durch die das Fahrzeug seine Geschwindigkeit verringert oder stoppt. as

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