Ladungssicherung

Bunte Ladung in Silber und Schwarz

Ladungssicherung in der Großverzinkerei. Alles, was von der Verzinkerei Voigt & Schweitzer oberflächenveredelt wird, muss im Verteilverkehr vom Kunden abgeholt und wieder ausgeliefert werden. Dabei dürfen sich Rohware und verzinkte Teile auf keinen Fall berühren. Eine Herausforderung für Fahrer und Ladungssicherung.

Jede Steckrunge Runge hält 2,5 Tonnen Belastung stand. In einer Reihe gesteckt, realisiert der Fahrer binnen weniger Minuten eine künstliche Stirnwand. © Elting Metalltechnik/Carsten Hinnah

Wenn Disponent Bernd Wörner eine Rundtour zur Abholung von Rohware und Anlieferung oberflächenveredelter Teile zusammenstellt, dann wartet auf die Fahrer an jedem Abholort trotz jahrzehntelanger Dispositions-Erfahrung eine kleine Wundertüte: Komponenten für den Fahrzeug- und Behälterbau, Balkongeländer, Treppenwangen sowie Schlosserware. Neben einem filigranen handgeschmiedeten Gartentor werden massive Teile aus duktilem Guss transportiert. „Die Ladungsgüter sind in Geometrie, Stückzahl, Gewicht und Materialstärke so vielfältig, dass es bei uns keine zwei identischen Touren gibt. Jede Ladung stellt eine eigene Konstellation dar, die sich auch noch mit jeder Teilbe- und -entladung ändert“, sagt Wörner. „Bunte Ladung“ also im Sinne von Vielfalt und Variantenreichtum. Farblich unterscheiden sich die Güter hingegen nur in zwei Tönen: Schwarz und Silber, Rohware und oberflächenveredelte verzinkte Teile. Aber auch das macht es für die Fahrer nicht wesentlich einfacher. Denn um den Korrosionsschutz nicht zu gefährden, dürfen unbehandelte und verzinkte Oberflächen auf keinen Fall aneinander reiben, sie müssen also sortenrein auf der Ladefläche untergebracht werden.

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Diese Herausforderung müssen die Fahrer jeden Tag und bei nahezu jeder Ent- und Beladung bewältigen. Dabei hilft zum einen Agilität im Kopf. „Deshalb geben wir Bewerbern im Vorstellungsgespräch einen völlig vertrackten Zauberwürfel (Anmerkung: auch „Rubiks Cube“ genanntes Geduldsspiel aus den 1980er-Jahren). Wer das Drehpuzzle lösen kann, ist sofort eingestellt“, sagt Wörner augenzwinkernd. Auf Hardwareseite hilft das formschlüssige Ladungssicherungssystem Variosave von Elting Metalltechnik. Anstelle von Spanngurten arbeitet das zertifizierte System mit soliden Stahlrungen, die zur formschlüssigen Sicherung in die Rungentaschen der im Fahrzeugboden eingelassenen Schienen gesteckt werden.

Die Ladung wird also nicht kraftschlüssig überspannt und festgezurrt, sondern abgesteckt – „plug and play“ statt klettern und zurren. Der Transport ohne aufwändiges Verzurren spart enorm Zeit und schont die Waren. Mit dem über die ganze Ladefläche verteilten Schienenraster kann nahezu jede Ladung an jedem Punkt der Ladefläche gesichert werden. Sollte das einmal nicht ausreichen, bietet der Außenrahmen vielfältige Anschlagpunkte für Spanngurte. „Bei Teilbe- und -entladungen müssen die Güter nicht mehrmals täglich verschoben und neu gezurrt werden, einfach die Rungen der Ladungssicherung umstecken, Formschluss wiederherstellen, fertig“, sagt Wörner.

Auch bereits vor Variosave setzte die Verzinkerei teilweise auf das Prinzip der formschlüssigen Ladungssicherung. Ältere Bestandfahrzeuge besitzen jeweils drei kurze Rungenbatterien mit acht Steckplätzen am Rand der Ladefläche. Ein Formschluss in Reinkultur konnte damit ausschließlich zwischen Stirnwand und erster Rungenbatterie außen hergestellt werden. Die in Längs- und Querrichtung im Fahrzeugboden eingelassenen Variosave-Schienen mit durchgehend aneinander gereihten Rungentaschen setzen das Prinzip nun konsequent um. Die Steck- und damit Sicherungsoptionen vervielfachen sich damit. Vor allem ermöglicht Variosave eine saubere und verlässliche Abteilungsbildung zwischen Rohware und verzinkten Gütern.

Dabei bedeutet jeder Gurt weniger circa drei Minuten Zeiteinsparung. im Mittel sparen die Fahrer pro Beladung fünf Gurte mit dem Steckrungensystem ein und damit eine Viertelstunde auf dem Betriebshof der Verzinkerei. „Das Rungenstecken ist einfach schneller und effektiver. Bei kraftschlüssigen Gurten muss der Fahrer die Gurte öffnen – gegebenenfalls umladen – und wieder niederzurren, so dass die Zurrwinkel stimmen. Was ich nicht an Gurten öffnen muss, habe ich direkt gespart“, sagt Wörner. Bei Auslieferung und Rückladung im Verteilverkehr kommen nochmal circa fünf bis acht Minuten pro Entladestelle im Schnitt hinzu. Bei den Halbtagestouren werden vier bis fünf Kunden abgefahren. Im Tageseinsatz mit erweitertem Radius sind es sechs bis zehn Kunden. „Kumuliert bedeutet das mindestens eine bis anderthalb Stunden Zeiteinsparung täglich durch das System – und das ist eine konservative Schätzung“, erklärt Wörner. Auch die Kunden profitieren unmittelbar vom zeitsparenden Verfahren: Wartezeiten für deren Staplerfahrer verkürzen sich, Laderampen werden nur so lange wie unbedingt nötig blockiert.

Der Schulungsaufwand im Vorfeld ist überschaubar. Die Fahrer müssen das Prinzip „plug and play“ – das denkbar einfach ist – einmal verstehen und dann bei jeder Beladung aufgrund der jeweiligen Zusammensetzung die Ladungssicherung immer neu denken. Dennoch kann beim Rungenstecken im Vergleich zu rein kraftschlüssiger Ladungssicherung wenig falsch gemacht werden. „Erfahrungsgemäß stellt sich hier sehr schnell Routine ein und irgendwann beherrschen die Kollegen das Steckrungensystem im Schlaf“, sagt Wörner.

Hinzu kommt: Bei filigranem, verformungsanfälligem Ladegut wie beispielsweise dünnen Blechen oder einem französischen Balkongeländer, drohen die Teile durch Zurrkräfte und Zurrpunkte verformt zu werden. „Dann habe ich ruck-zuck einen Transportschaden. Je weniger ich zurren muss, desto weniger Druck wirkt auf das Material ein.“ Und auch wenn es nicht immer völlig ohne Gurte gehe, so reduziere das Rungenstecken die Anzahl der benötigten Anschlagmittel – und damit nicht nur den Zeitaufwand, sondern auch das Schadensrisiko drastisch. „Das spiegelt sich auch am Ende des Jahres in der Reklamationsübersicht wider“, verdeutlicht Wörner.

Zweiter positiver Nebeneffekt: Die Rungen erhöhen nach Wörners Erfahrung die Arbeitssicherheit. Denn das Niederzurren muss immer vom Boden aus erfolgen, nachdem die Gurte über die Ladegüter gelegt wurden, das bedeutet viel Kletterei und bei Nässe Rutschgefahr. Mit den Rungen kann der Fahrer Eigensicherung betreiben und sich daran festhalten und abfangen, wenn er keinen festen Stand hat – an deinem Spanngurt nicht. Nach den ersten Testfahrzeugen orderte das Fahrparkmanagement in Maintal deshalb Neufahrzeuge stets mit Variosave-System. as

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