Einführung eines WMS

Klare Prozesse – sichere Schnittstellen

Effiziente Einbindung eines WMS. Erst wenn Prozesse vollständig verstanden und transparent sind, lassen sich passende Systemschnittstellen wählen. Nur dann ergibt sich für ein Unternehmen die optimale technische Lösung.

Sind die Betriebsprozesse wirklich klar oder undeutlich? Für die Einführung eines WMS müssen alle Vorgänge umfassend durchleuchtet werden.

In der Lagerlogistik sind zunehmend Schnelligkeit und Effizienz gefragt. Enterprise Resource Planning Systeme (ERP) sind hier für die Planung unabdingbar, sie sind aber nicht geeignet, auch die Prozesse im Lager in Echtzeit abzubilden – also beispielsweise automatisch den kürzesten und schnellsten Weg zur Kommissionierung auszugeben, basierend auf den tatsächlichen und aktuellen Daten. Für Bewegungs-, Bestands- und Auftragsmanagement in Echtzeit braucht es zusätzlich ein leistungsstarkes Warehouse-Management-System (WMS). Diese Notwendigkeit ist vielen Unternehmen inzwischen bewusst, Unklarheit besteht jedoch darüber, mit welchen Herausforderungen die Anbindung einer solchen Lagerverwaltungssoftware verbunden ist. Der Knackpunkt: die Schnittstellen. Die WMS-Anbindung an bestehende Systeme mittels richtiger Schnittstellengestaltung ist durchaus eine Herausforderung; die eigentlichen Stolperfallen liegen aber nicht, wie meist angenommen, in der technischen Umsetzung, sondern davor: in der Prozessanalyse.

Zu den Anforderungen an ein WMS gehört dessen Integrationsfähigkeit in unterschiedliche Technologien und Systeme – etwa moderne Datenfunk-, Barcode- und RFID-Technologien, Vernetzung mit Transportdienstleistern, Anbindungsmöglichkeit an E-Commerce-Systeme, vor allem aber der sichere automatische Datenaustausch mit den bestehenden ERP-Systemen. In der Praxis wird das über Schnittstellen umgesetzt: Hier haben Anwender allerdings Bedenken: Schnittstellen gelten ihnen als unsicher, die Anbindung als unzuverlässig und fehleranfällig. Andere wiederum wollen das Schnittstellenproblem umgehen, indem sie ein WMS vom gleichen Anbieter einsetzen. Eine solche Anbindung sollte schließlich standardisiert sein – ist sie aber nicht unbedingt.

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Grundsätzlich gibt es immer mehrere Varianten der Schnittstellengestaltung – und eben keine Standards. Basierend auf unterschiedlichen Kopplungssystemen mit zum Beispiel SAP können als technische Schnittstellen synchrone Übertragung durch Simple Object Access Protocol, asynchrone Filetransfers oder Konverter-Systeme genutzt werden. Selbst im Rahmen einer Kopplungsmöglichkeit existiert noch eine Vielfalt an Varianten. So kann die Kommunikation mit dem SAP-System per IDocs unterschiedlich gestaltet sein, es gibt keine allgemeingültigen Vorgaben oder Best Practices etwa für die Avisierung und Buchung von Anlieferungen. Es lassen sich verschiedene Verfahren wählen, Daten können transportiert werden, und jedes IDoc besteht aus mehr oder weniger frei kombinierbaren Teilbereichen oder Segmenten. Das betrifft nicht nur spezifische WMS-Software wie Storagement, sondern auch die Lagerlogistik-Lösungen des jeweiligen ERP-System-Anbieters, also etwa Extended Warehouse Management von SAP. Auch hier geht es nur selten ohne Programmierung. Mapping funktioniert in einfachen Fällen, meist jedoch ist zusätzlich zu Kosten und Aufwand für die Software auch mit dem Aufwand für ein entsprechendes Customizing zu rechnen.

Gleichzeitig sind Schnittstellen sicher und zuverlässig, wenn sie ausführlich getestet und aufgrund vollständiger Prozessbeschreibungen mit modernen Verfahren entwickelt wurden. Genau hier liegt die eigentliche – meist unterschätzte – Schwierigkeit: die umfassende Prozessbeschreibung. In der Praxis wird der grundlegende und wichtige Schritt der Ist-Analyse inklusive einer gründlichen Betrachtung der einzelnen Prozesse und Anforderungen häufig zu schnell abgehandelt: Die Prozesse sind ja scheinbar bekannt, außerdem herrscht Zeitdruck. Stellt sich dann kurz vor der Einführung der neuen Lösung heraus, dass die Inhalte, die über die Schnittstellen ausgetauscht werden sollen, nicht richtig abgebildet werden, kann das ein Projekt um Monate zurückwerfen. Um von vornherein die passenden Schnittstellen zu wählen, müssen die Prozesse zuvor genau verstanden und transparent sein. Daraus ergibt sich dann auch die für das Unternehmen optimale technische Lösung.

Bei jedem Projekt zur Einführung eines WMS kommt es darauf an, die für die individuellen Belange des Unternehmens passenden Lösungen und Schnittstellen zu finden, umzusetzen und ausführlich zu testen. Modulare WMS-Softwarelösungen spezialisierter Anbieter zeichnen sich dabei durch eine größere Vielfalt an spezifischen Bausteinen aus, die maßgeschneidert kombinierbar sind.

Zur sicheren und effizienten Anbindung eines WMS an ein bestehendes ERP-System lässt sich also der klassische Ansatz mit eingehender Ist-Analyse, Beschreibung des Soll-Zustandes und der Erfassung in Lasten- und Pflichtenheft nutzen. Ganz gleich, welcher Projektansatz letztlich gewählt wird: Eine umfassende Durchleuchtung der bestehenden Prozesse ist Pflicht!

Prof. Dr.-Ing. Stefan Brunthaler/pb

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