E-Commerce

Dorfladen wird zum Picker-Point

Zukunftskonzepte für die Versorgungslogistik im ländlichen Raum. Die Distribution verderblicher Waren im ländlichen Raum stellt höchste Anforderungen an Lebensmittelzulieferer. Markus Becker, Business Development Manager bei Daifuku, beleuchtet Anforderungen in der Frischelogistik im E-Commerce für den ländlichen Raum und stellt Lösungskonzepte vor.

Logistikanlagen für den E-Commerce in der Frischelogistik erfordern schnelle und energieeffiziente Lösungen mit hoher Ausfallsicherheit. © Daifuku

Die steigende Nachfrage nach individueller Zustellung geht einher mit zunehmendem Online-Handel. Für E-Commerce-Anbieter bedeutet das, unterschiedliche Bestellmengen termingetreu bei immer kürzeren Lieferzeiten zu bearbeiten. Gleichzeitig wächst beim Kunden die Erwartung hinsichtlich Same-Day-Delivery. In ländlichen Gebieten fehlen jedoch die nötigen Infrastrukturen. Innovative Logistikkonzepte sind gefragt, um auch der Landbevölkerung einen hohen Servicestandard zu ermöglichen.

Die Daseinsvorsorge bezeichnet die Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Die Sicherstellung der erforderlichen Infrastrukturen wird entweder durch die öffentliche Hand oder durch private Unternehmer übernommen. In den USA, Großbritannien und vor allem in Asien ist eine flächendeckende Frischelogistik bereits gängige Praxis; Supermärkte führen hier eigene Online-Shops für eine zeitnahe Zustellung von Lebensmitteln.

In Deutschland hängt eine funktionierende Versorgungsstruktur heute maßgeblich von der Wohn- und Standortqualität ab. Innerörtliche Einzelhandelseinrichtungen und einzelhandelsnahe Dienstleister sind sozial bedeutende Treffpunkte für die Kunden; Verkaufsstätten haben hohe gesellschaftliche Bedeutung. Allerdings ist die Anzahl der Geschäfte in den ländlichen Regionen seit Jahren rückläufig. Für ältere Menschen ist aufgrund mangelnder Mobilität eine lückenlose Infrastruktur allerdings existenziell. Laut einer Studie des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg wird sich der Anteil der Hochbetagten über 84 Jahre allein im Südwesten Deutschlands bis 2030 nahezu verdoppeln. Gleichzeitig ist mit einem leichten Anstieg der Zahl von Ein- und Zwei-Personen-Haushalten zu rechnen.

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Die Distribution von frischen Waren im ländlichen Raum stellt Anforderungen an Lebensmittelzulieferer. © Daifuku

In Deutschland hat die Frischelogistik-Infrastruktur noch Erweiterungspotenzial. Alternative Konzepte zum Individualtransport sind gefragt, um die Attraktivität des Landlebens zu erhalten. Der E-Commerce ist für alte Menschen obendrein attraktiver zu gestalten. Thema einiger Projekte, die es in diversen Bundesländern Deutschlands gibt, sind zum Beispiel Dorfläden mit einem festen Ansprechpartner: Sie fungieren als Schnittstelle, um bestellte Waren an den Endkunden zu verteilen. Die Waren wurden zuvor von den jeweiligen Großmärkten oder Discountern in einem Verteilerhub kommissioniert. Voraussetzung ist, dass die Waren dort für die Kunden in Versandboxen gepackt werden können. Der Ansprechpartner im Dorfladen liefert dem Kunden seine Bestellung schließlich aus und ist gleichzeitig für Reklamationen oder ähnliches zuständig.

Ein weiteres denkbares Szenario für die Frischelogistik der Zukunft sind vollautomatische Ausgabestellen. Mögliche Zielgruppen sind Pendler, die vom ländlichen in den städtischen Raum fahren und bei einem Zwischenstopp ihre vorbestellten Waren abholen. Mit speziell vorgesehenen Boxen wäre das auch für Kühl- und Tiefkühlwaren möglich. Lediglich die Kühlung vom Abholort bis zu sich nach Hause in den Kühlschrank muss der Kunde selbst gewährleisten.

Die Herausforderungen Frischelogistik muss sich dafür auf neue Wege in der Kommissionier- und Transportlogistik einlassen. Oberstes Gebot ist, die Kühlkette vom Distributor oder von der Verkaufsstelle bis zum Kunden unter keinen Umständen zu unterbrechen und die erforderliche Hygiene einzuhalten. Zu den Aspekten Nachhaltigkeit und Umweltschutz könnten wiederverwendbare Pfandboxen oder -behälter beitragen.

Logistikanlagen für den E-Commerce in der Frischelogistik erfordern schnelle und energieeffiziente Lösungen mit hoher Ausfallsicherheit. Bei reinen Hygieneanlagen muss das Lager außerdem vollständig mit Edelstahl ausgestattet sein. Für die Distribution der Lebensmittel wird es eine Zwischenstufe in den Lagern geben. Ein ausgelöster Bestellvorgang wird über ein Zwischen- beziehungsweise Pufferlager abgewickelt, um eine weitere Streuung zu erlangen. Von dort aus gelangt die Bestellung zu den Picker-Points oder zu den Dorfläden.

Daifuku als Anbieter von Intralogistiklösungen für den E-Commerce von Lebensmitteln verweist auf Referenzkunden im Bereich der Nahrungsmittellogistik, die auf die Projektkompetenz des Material-Handling-Spezialisten Daifuku setzen. Temperaturgeführte Lager stellen besondere Anforderungen an die Mechanik, Elektronik und Steuerungstechnik der Lagersysteme, die auch bei minus 40 Grad Celsius voll leistungsfähig arbeiten. Beispielsweise wurden für ein Drogerie- und Lebensmittelversandhaus in Japan acht Distributionslager in einem neuen Lagerkomplex zusammengefasst; hier konnte die Same-Day-Delivery-Rate auf 91 Prozent gesteigert werden. Zugleich reduzierten sich mit der verbesserten Intralogistik die Versandfehler.

Für einen südkoreanischen Online-Supermarkt hat Daifuku ein neues System zur Abfertigung von 10.000 Aufträgen pro Tag bei einer Lieferzeit ab drei Stunden entwickelt; verglichen mit der vorherigen Lösung entspricht das einer Produktivitätssteigerung um das Vierfache. pb

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