Die verschlankte Supply-Chain umfasst viele Facetten

Lean Logistik braucht Zeit

Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit Lean Management und möchten diese Aktivitäten auf operative Prozesse ausweiten, besonders in der Logistik. Was aber sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Einführung von Lean Logistik?

Zusammenarbeit: In der Lean Logistik geht es auch um die Nutzung von Informations- und Kollaborationstools. (Foto: Lila-Logistik)

Lean-Logistik-Konzepte sind mehr als 20 Jahre alt. Unternehmen, die sich bereits an deren Umsetzung gewagt haben, profitieren von Kosteneinsparungen (oft 20 bis 40 Prozent), können Schwankungen im Volumen durch mehr Flexibilität auffangen und schaffen damit eine robustere Wertschöpfungskette. Zudem sinkt der Managementaufwand, weil mehr Standards verwendet und Regelkreise eingeführt werden, die im Flussprinzip funktionieren und den Nachschub mit Materialien sicherstellen. Trotz aller Vorteile schrecken immer noch viele Unternehmen vor der Einführung von Lean Logistik zurück, bedeutet sie doch zunächst Umstrukturierungen und Prozessveränderungen. „Die Einführung von Lean Logistik geht üblicherweise mit einschneidenden Änderungen in Teilbereichen des Unternehmens einher“, weiß Volker Sudbrink, Geschäftsführer bei Müller – Die lila Consult. „Eine wichtige Voraussetzung ist deshalb, dass die Vorstandsebene voll und ganz hinter dem Projekt steht.“

Erfahrungen sind gut
Um die Änderungen handhaben zu können, sollten Erfahrungen im Change Management vorhanden sein, denn neue Prozesse müssen systematisch im laufenden Geschäftsbetrieb implementiert werden. Grundsätzlich sollte vor jeder Umstrukturierung eine Prüfung der Ausrichtung der Gesamtlogistik erfolgen. Hierbei sind insbesondere das Markt- und Wettbewerbsumfeld, die langfristige strategische Unternehmensausrichtung im Hinblick auf Produkte und Märkte und vor allem die Kundenerwartungen zu betrachten. Erst wenn das Zielfoto der zukünftigen Logistikorganisation in den wesentlichen Zügen steht, sollte man sich an Lean Logistik heranwagen. „Hierfür empfiehlt sich ein extern durchgeführtes Supply Chain Audit, um Defizite und Potenziale, aber auch die bereits vorhandenen Säulen und Stärken sichtbar zu machen“, rät Sudbrink.

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Integration in kleinen Schritten
Nach der Erstellung des Zielfotos und auf der Basis eines Supply Chain Audits geht es an die Erstellung einer Lean Logistik Roadmap. Hierbei werden die notwendigen Schritte für die Umsetzung nach dem Kaizen-Gedanken in kleine Teilschritte aufgeteilt, die parallel und aufeinander aufbauend in die Organisation und die Prozesse implementiert werden können. Sudbrink empfiehlt zudem, parallel dazu relevante Kennzahlen zu ermitteln, die während des gesamten Veränderungsprozesses in Fokus stehen. Mit diesen kann zum einen die Wirksamkeit der Einzelschritte in ihrer Auswirkung auf das Ziel belegt werden, und zum anderen kann rechtzeitig gegengesteuert werden, sollten sich die Veränderungen negativ auf die Kennzahlen auswirken.

Im Supply Chain Management zählen vorrangig Funktionen wie Einkauf, Disposition oder Lagerwesen, um sie miteinander zu einer prozessorientierten Einheit zu vernetzen. In der Lean Logistik wird der Blick auf weitere Themen gelenkt. (Foto: Lila-Logistik)

Für Kunden der Unternehmensgruppe Müller – Die lila Logistik haben Volker Sudbrink und seine Kollegen bereits viele Erhebungen und Analysen im Rahmen eines Supply Chain Audits durchgeführt und daraus die erforderlichen Maßnahmen abgeleitet. „Das besondere ist, dass im Rahmen des Lean-Gedankens Prozesse, die Kommunikation und Schnittstellen unter den Aspekte der Verschwendung gesondert betrachtet werden“, erklärt Sudbrink. Während es beim ‚normalen’ Supply Chain Management vorrangig darum geht, einzelnen Funktionen wie Einkauf, Disposition oder Lagerwesen miteinander zu einer prozessorientierten Einheit zu vernetzen, wird bei der Lean Logistik der Fokus zusätzlich auf weitere Themen gelegt: Hier geht es um die Standardisierung von Prozessschritten, die Nutzung von Informations- und Kollaborationstools, die Reduktion von redundanten Funktionen und Prozessen und vieles mehr. „Das Ziel ist also eine zusätzliche Verschlankung von Prozessen, der Kommunikation und Ressourcen, ohne die prozessorientierte Vernetzung der einzelnen Bereiche zu schwächen oder aufzulösen“, sagt Sudbrink.

Individuelle Konzepte für passgenaue Prozesse
Ein allgemeines Lean-Logistik-Konzept nach Schema F, das man einfach umsetzt – und fertig sind die schlanken Logistikprozesse, wünschen sich viele Manager. Aber so funktioniert es leider nicht. Seriöse Berater suchen zunächst das Gespräch, um die Beweggründe des Unternehmens verstehen zu lernen. Häufig ergeben sich daraus Fragestellungen, die dann in einem vertiefenden Gespräch oder auch in einem Workshop mit den Verantwortlichen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. „Wichtig ist es, dass sich die Verantwortlichen im Unternehmen und die Berater näher kennenlernen“, so Sudbrink. „Schließlich muss man sich dem Thema Lean Logistik erstmal nähern und den Unternehmen eine Einsicht in die Vorgehensweise ermöglichen.“

Aus diesen Vorarbeiten ergibt sich dann der gezielte Umfang für den Lean-Logistik-Ansatz, der für das Unternehmen – aus der internen und der externen Beratungssicht heraus – als sinnvoll erachtet wird. „Wir legen stets Wert darauf, für den Kunden maßgeschneiderte Lösungen anzubieten, da sich Unternehmensansätze und -philosophien sowie Kunden und Märkte selbst innerhalb einer Branche zum Teil so deutlich voneinander unterscheiden, dass ein standardisierter Ansatz nicht anwendbar ist. Aber die Mühe lohnt sich.“

Mit der Erfahrung als Berater für das Thema Lean Logistik rät Volker Sudbrink dazu, sich nicht mit standardisierten Konzepten locken zu lassen, die schnellen Erfolg versprechen. Grundvoraussetzungen für eine gelungene Einführung sind ein tiefgehendes Verständnis von Lean-Prinzipien und -Methoden sowie eine angepasste und bedarfsorientierte Qualifizierung der Mitarbeiter. Das alles braucht Zeit. Wie bei allen Change-Prozessen geht es auch hier um langfristige Ziele. Geduldige Unternehmen profitieren mit den richtigen Beratern an ihrer Seite von mehr Effizienz und Qualität in ihren logistischen Prozessen. Ein schöner „Nebeneffekt“ ist die erhöhte Flexibilität in der eigenen Fertigung, die mit Lean Logistik häufig einhergeht. Dadurch reduziert sich die Durchlaufzeit für Kundenaufträge, wodurch wiederum ein zusätzlicher Kundennutzen entsteht. Dieser lässt sich teilweise mit höheren Preisen verbinden, was die Profitabilität des Unternehmens schlussendlich zusätzlich erhöht. Bei der Einführung von Lean Logistik ist also nicht nur das gesamte Unternehmen von Änderungen betroffen, sondern es profitieren auch alle von den Vorteilen.

Carolin Sühl/bw

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