Winkel-Rolle

Innovations in Motion

Von der Kombirolle zur Systemtechnik: Winkel feiert das 30. Firmenjubiläum
Partner der Intralogistik: Geschäftsführer Ing. August Winkel, Dipl.-Ing. Christian Winkel und Dipl.-Ing. Thomas Riffert (von li. nach re.).
Was geschah nochmal 1982? Kohl wird Kanzler in Deutschland, Präsident Reagan besucht Berlin, Nicole gewinnt mit „Ein bisschen Frieden“, Abba trennt sich und Deutschland unterliegt Italien bei der Fußball-WM. Ein Jahr mit Höhen und Tiefen. In dieser Zeit bastelt August Winkel in seiner Garage in Illingen an Hubmasten für Gabelstapler, weil er weiß, wonach die Branche sucht. Drei Jahrzehnte später ist die Winkel GmbH bedeutender Zulieferer für alle, die Intralogistiksysteme herstellen. Im Jubiläumsjahr bringt die Firma einige Highlights. Mit dem Sohn des Gründers und Geschäftsführers, Dipl.-Ing. Christian Winkel, sprach handling-Chefredakteurin Petra Born.



handling: Herr Winkel, Ihr Unternehmen feiert den 30. Geburtstag. Was genau nahm damals in Illingen seinen Anfang?
Christian Winkel: Mein Vater, Ing. August Winkel, hat Anfang 1982 das Unternehmen gegründet. Gewissermaßen aus der Garage heraus, wir haben relativ klein begonnen, damals mit zwei Mitarbeitern. Die Aufgabenstellung war, Antriebskomponenten für Flurförderzeuge zu verkaufen. Hier ist einst die Kombirolle entstanden, die ursprünglich für den Gabelstapler-Bereich entwickelt wurde und heute das Kernstück unserer Linear- und Handhabungstechnik darstellt. Sie wird heute zu etwa 98 Prozent in der gesamten Lineartechnik eingesetzt, speziell für schwere Lasten von 50 Kilogramm bis 100 Tonnen in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen.

handling: Was ist der Vorteil dieser Rollen?
Christian Winkel: Winkel-Rollen ermöglichen eine mehr oder weniger spanlose Konstruktion. Hierin liegt ein wesentlicher Unterschied zu den verbreiteten Kugelumlaufführungen. In Verbindung mit gekanteten Laserteilen, die man als Schlitten oder Befestigungsteile verwendet, lassen sich sämtliche benötigten Elemente anschrauben. Sämtliche Profile sind schweißbar oder schraubbar und lassen sich an Rohre oder Träger preiswert einbinden. Die starkwandigen Profile haben nicht nur eine Führungsfunktion, sondern auch eine statische Funktion für die Konstruktion. Hieraus resultieren dann insgesamt preiswerte Gesamtsysteme. Das System ist hoch belastbar und schmutzunempfindlich. Mittlerweile hat Winkel einen kompletten Baukasten an Rollen und Profilen entwickelt, aus dem die Konstrukteure je nach Anwendungsfall sehr wirtschaftliche Systeme bauen können. Seit Jahren sehr erfolgreich sind auch unsere vulkollan- oder polyamidbeschichteten Winkel-Rollen – unser Speed and Silent System, das komplett wartungsfrei ist. Je nach Anwendungsfall sind Kosteneinsparungen von 30 bis 50 Prozent gegenüber herkömmlichen Führungen möglich.

handling: Was bewog August Winkel damals zu dem Schritt in die Selbständigkeit?
Christian Winkel: Mein Vater war technischer Geschäftsführer bei einem großen Gabelstaplerhersteller in Deutschland und hat seine Chance genutzt. Er war hinsichtlich Fördertechnik vom Fach, kannte sich aus und wusste, was fehlt. Er begann zunächst damit, Führungen sowie Komponenten und Hubmaste für Flurförderzeuge zu fertigen. Aus der Flurförderbranche haben sich die Produkte Richtung Linear- und Handhabungstechnik für die gesamte Branche entwickelt. Wir sind heute im Bereich Automotive, Flugzeugbau, Papier-, Stahl- und Baustoff Industrie sowie in der Intralogistik stark vertreten.

handling: Was muss man sich unter „Systemtechnik“ aus dem Hause Winkel vorstellen?
Christian Winkel: Wir haben hier ein sehr breites Spektrum an Produkten, zum Beispiel stationäre Hubsysteme für Traglastbereiche von 50 Kilogramm bis 50 Tonnen, außerdem ein breites Portfolio an Linearachsen und Portale bis zu fünf Tonnen an der Z-Achse. Für Knickarmroboter fertigen wir Verfahrachsen. Wir sind darüber hinaus Hersteller zum Beispiel von Regalbediengeräten und Teleskopgabeln sowie Palettentechnik.

handling: Überraschen Sie die Branche im Jubiläumsjahr mit Neuigkeiten?
Christian Winkel: Dieses Jahr zünden wir ein Feuerwerk an Innovationen. Neu im Programm ist unsere Fast-Pick-Station, eine spezielle Kommissionierstation für den Lebensmittel- und Logistikbereich, wo Produkte auf Paletten kommissioniert und anschließend verpackt und wegtransportiert werden. Ein weiteres neues Highlight ist unser Colibri. Das ist ein neu entwickeltes Behälter-Regalbediengerät, das sämtliche technischen Bestmarken, die derzeit auf dem Markt existieren, in den Schatten stellt hinsichtlich Steifigkeit, Schnelligkeit und Kompaktheit. Im Palettenbereich neu ist unsere elektro-mechanische Paletten-Aufgabestation. Im Bereich unserer Winkel-Rollen gibt es neue justierbare Rollenführungen in Stahl, polyamid- und vulkollanbeschichtet, mit passenden Präzisionsprofilen für spielarmen Lauf. Bei unseren bewährten Stahlprofilen, die in Deutschland gefertigt werden, haben sich die Tragkraftwerte durch eine verbesserte Stahllegierung erhöht.

handling: Haben Sie Ihre altbewährten Kombirollen jetzt einfach nach der Firma benannt? Oder was steckt hinter dem neuen Namen?
Christian Winkel: Aus dem technischen Begriff Kombirolle wurde durch unsere langjährigen Kunden der Begriff Winkel-Rolle geprägt. Zufälligerweise passt unser Familien Name auch technisch zu der im 90-Grad-Winkel angeordneten Axial- und Radialrollen. Als Marktführer und technischer Vorreiter wollen wir dies unterstützen und nennen unsere Linearführen deshalb „Winkel Rollen und Profile“.

handling: Wer genau benötigt die Produkte, die Sie herstellen?
Christian Winkel: Wir liefern Komponenten, Module und Systeme an Fördertechnik, Maschinenbauer und Intralogistik-Anbieter. Wir sind Systemlieferant und dienen oft als verlängerte Werkbank. Die meisten Anbieter in der Fördertechnik, national und international, sind unsere langjährigen Kunden. Wir stellen keine Gesamtanlagen her, und wir sind auch kein klassischer Generalunternehmer. Wir arbeiten erfolgreich in der „zweiten Reihe“, wodurch wir an viele Kunden liefern können, ohne in eine Wettbewerbssituation zu treten.

handling: Wie entwickelt sich der Intralogistik-Markt nach Ihren Erfahrungen?
Christian Winkel: Der Bedarf an Intralogistiksystemen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, weil der Markt besonders auch in den östlichen Ländern gewachsen ist. Hinzu kommt, dass der gesamte Warenhandel sich zunehmend in Richtung Internet verlagert, woraus resultiert, dass Waren sehr reaktionsschnell kommissioniert und ausgeliefert werden müssen. Die Wirtschaftlichkeit aller Prozesse spielt eine große Rolle.

handling: Richten Sie Ihr Augenmerk deshalb speziell auf Ausbildung, Forschung und Entwicklung?
Christian Winkel: Ja, ganz eindeutig. Bei uns gibt es 20 Mitarbeiter in der Abteilung Konstruktion und Entwicklung, Das ist ein hoch motiviertes Team. Wir bieten einerseits eine große Bandbreite an Produkten und bauen andererseits ausgesprochen anwenderorientiert, fertigen also Sonderlösungen. Daher sind wir täglich gefordert, optimierte und innovative Lösungen zu bieten, auch mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis. Wir fertigen unsere Systeme am Stammsitz in Deutschland. Neben Know-how und einem motivierten und professionellen Mitarbeiterteam ist die Schnelligkeit in der Realisierung von Kundenwünschen oberste Priorität. Das ist unser Anspruch – den erfüllen wir seit 30 Jahren und auch in Zukunft.

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