Lineartechnik

Vorsicht Fälschung!

Gefahren durch Produktpiraterie
Ein vermeintliches Knüller-Angebot kann sich später als echte Gefahr entpuppen. Im günstigsten Fall fehlt die Leistung. Schlimmer sind totale Maschinenausfälle und Sicherheitsgefährdungen.

Wälzlager gehören zu sicherheitsrelevanten Produkten. Lager für PKW, Bahn oder Flugzeuge von INA und FAG werden erst nach umfangreichen Tests und Qualitätsprüfungen auf den Markt gebracht. Billige Fälschungen weisen diese Qualitätskontrollen nicht auf. Statt qualitativ hochwertiger Stähle und Schmierstoffe kommt zudem häufig minderwertiges Material zum Einsatz. Und bei der Präzision und Lebensdauer scheitert das preiswerte Lager oft bereits kurz nach der Einlaufphase.

Wo lauert die Gefahr? Hinterhof-Werkstätten müssen nicht generell schlechte Ware liefern. Qualitätszertifikate sind wichtiger als repräsentative Verkaufsräume. Freie Händler und Werkstätten – vor allem im vorderen Orient und in Asien – bedienen sich jedoch „großzügig“ auf den Wälzlager-Basaren in Damaskus, Dubai oder Bombay. Nur leider gibt es hier Ramschware und billige Fälschungen, gefertigt in so genannten „fliegenden Fabriken“. Die Firmenadressen wechseln so häufig wie die Produkte, die sie fälschen. Wird heute von staatlicher Stelle die Schließung verordnet, geht bereits morgen die Produktion an einem anderen Standort weiter.

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Wie können sich Kunden schützen? Verpackungen, die es mit der Orthographie nicht so genau nehmen oder bewusst ähnlich lautende Produktnamen nutzen, sind leicht als Fälschung zu erkennen. Diffiziler wird es mit „echten“ Kopien, die aussehen wie das Original. Die Verpackung stimmt bis aufs I-Tüpfelchen und das Lager macht äußerlich einen guten Eindruck. Die Tücke lauert im Detail: Laufbahnen sind nicht gehärtet. Der Korrosionsschutz fehlt. Dichtung und Schmierstoff erfüllen nicht ihre Zwecke. Statt eines hochnitrierten Spezialstahls hat der Hersteller nur einen Standard-Stahl verwendet. Kunden sollten daher vor allem auf die qualitativ wertige Stempelung achten und die Katalognummern vergleichen. Wenn Zweifel bestehen, darf es nur heißen, Hände weg vom Kauf beziehungsweise Einbau!

Ein aktueller Fall von Produktfälschung konnte gerade dank Mitarbeit eines Vertriebspartners aufgedeckt werden. Ein Kunde reklamierte den Ausfall mehrerer Lagertypen bei seinem FAG-Vertriebspartner, obwohl er die Lager dort nicht gekauft hatte. Der Vertriebspartner reagierte prompt und leitete die betreffenden Lager zur Prüfung an FAG weiter. Der Untersuchungsbericht ist eindeutig: es handelt sich um Fälschungen. Die Faltschachteln wiesen Ungenauigkeiten hinsichtlich Verpackungsdatum, Jahreskennzahl und Typenbezeichnung auf. Laufbahnen wurden in einem minderwertigen Verfahren geschliffen, statt Laserkennzeichnung gab es eine unsaubere Schlagstempelung oder Schmiernuten fehlten im Außenring.

Der Kunde hatte sich offenbar auf dem Graumarkt bedient. Mit Hilfe des autorisierten Vertriebspartners konnte auch der Bezugsweg der gefälschten Ware bestimmt werden – wilde Händler, die ihre Ware vermutlich aus Fernost bezogen haben. Jetzt haben die Juristen das Wort. (gm)

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