Theatertechnik

Bühnenreif

Moderne Lineartechnik für unvergessliche Theaterabende
Das Operettenhaus Hamburg funktioniert fortan mit einer neuen Obermaschinerie von Pfaff-silberblau (Foto: Stage Entertainment).
Wer sich über die Feiertage eine Vorstellung im traditionsreichen Musicaltheater im Herzen von St. Pauli gönnt, ahnt kaum das Ausmaß der Bühnentechnik. Die komplett neue Obermaschinerie im umgebauten Operettenhaus Hamburg hat Pfaff- silberblau installiert.

Es musste schnell gehen: Nur gut drei Monate hatte Pfaff-silberblau aus Derching/Friedberg Zeit für den General-umbau der Obermaschinerie des Operettenhauses Hamburg. Auftraggeber war Stage Entertainment, ein Unternehmen im internationalen Live-Entertainment, für das der Hebezeugspezialist schon andere anspruchsvolle bühnentechnische Projekte realisiert hat. 25 Tonnen Stahlbau, 7,5 Kilometer Spezialdrahtseil, 300 Drahtseilrollenböcke mit fast 700 Rollen und 27 Elektroseilwinden mit jeweils 900 Kilogramm Traglast installierten die Theatertechnik-Spezialisten aus Friedberg unter erschwerten Bedingungen in dem traditionsreichen Spielhaus auf der Reeperbahn. Jetzt sind die Umbauarbeiten abgeschlossen – am 2. Dezember ging der Vorhang auf für die Premiere des Musicals „Ich war noch niemals in New York“.

Es war einer der bislang umfangreichsten Umbauten, den Stage Entertainment je für ein Musicaltheater in Auftrag gegeben hat. Das Operettenhaus Hamburg gilt als Geburtsstätte des deutschen Musicals, denn hier erlebte 1986 das Erfolgsmusical „Cats“ seine deutsche Erstaufführung. Für das aufwändige Hightech-Bühnenbild für das aktuelle Udo-Jürgens-Musical wurden modernste Seilwinden und Handkonterzüge eingebaut, der Schnürboden mit einem neuen Rollenboden versehen sowie die gesamte Obermaschinerie der Bühne auf den neuesten Stand der Theatertechnik gebracht.

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Die Ingenieure aus Friedberg entwickelten gemeinsam mit einem Hamburger Statikbüro ein Konzept für die Verstärkung des bestehenden Stahlbaus im Dach und die statische Verlagerung des Rollenbodens. Dabei waren viele Details zu beachten, zum Beispiel die ungleich verteilte Belastung der Stahlkonstruktion über der Bühne, die bei Musicalaufführungen verstärkt im vorderen Bereich bespielt wird. Weiterhin waren die konstruktiven „Altlasten“ der bestehenden Aufbauten zu bewältigen – der Bestandsstahlbau war wegen seines Alters als nicht mehr schweißbar eingestuft. Deshalb mussten alle Verbindungen zwischen Alt- und Neubauten geklemmt oder verschraubt werden.

Aufgrund der strengen zeitlichen Vorgaben begannen die Umbauarbeiten noch während der laufenden Theatersaison in diesem Juni. Tagsüber waren die Techniker von Pfaff-silberblau über der Bühne im Einsatz, abends indes ging das Musical „Mamma Mia!“ über die Bretter, die die Welt bedeuten. Bis zum Ende der Spielzeit im September war der Altbestand demontiert, der gesamte verstärkende Stahlbau eingebracht, alle Drahtseilrollenböcke an ihren Plätzen montiert, alle Seile verlegt sowie die diversen Sonderverlagerungen für punktuelle Verwandlungen eingebaut.

Im Anschluss haben die Friedberger binnen zwei Wochen 27 Delta-Seilwinden im Schnürboden installiert und in Betrieb genommen. Jede dieser Winden wiegt circa 800 Kilogramm, die sicher oberhalb der Bühne montiert werden mussten. Sie werden eingesetzt, um das Bühnenbild und die Aufbauten der Spielfläche zuverlässig zu tragen; bei Bedarf muss ein Wechsel rasch möglich sein. Jede der zentral gesteuerten Seilwinden hebt ein Gewicht von 900 Kilogramm mit einer Geschwindigkeit bis 1,2 Metern pro Sekunde. pb

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